Das japanische Brettspiel SHOGI

Gehirnjogging ist etwas untertrieben.

Bei mir fühlt es sich eher wie ein Marathon an, wenn ich vor dem japanischen Brettspiel SHOGI sitze.

Warum also Shogi spielen?

Vor einiger Zeit schenkte mir eine Freundin ein kleines praktisches Shogi-Reiseset.

Im Sommer auf dem Campingplatz saßen Daisuke und ich dann abends im Schein der Öllampe vor dem Mini-Spielbrett, während neben uns die Würfelbecher um die Wette gerüttelt wurden.

Ich würde mal sagen: endlich so richtig in Deutschland angekommen: Campingplatz & Brettspiele am Abend – irgendwo in Brandenburg!

Weil wir nach einer stürmischen Nacht die Hälfte unserer Shogi-Steinchen in einer Wiese verloren hatte, brauchten wir Ersatz.

Und den gab es im letzten Paket aus Japan.

Kennst du eigentlich das „japanische Schach“?

Stell dir ein Feld mit 9 x 9 Feldern vor.

Statt aufwendig gestaltete Figuren nimm‘ einfach 40 fünf-eckige Steine mit einer Art Pfeilspitze und schreibe japanische Zeichen drauf. Schön verschnörkelt am besten.

Wenn du, wie ich, nicht die geringste Ahnung hast, was die einzelnen Zeichen auf den Steinen bedeuten, dann gilt als Nächstes: Lernen.

Alle Spielsteine auf einem Blick. Rückseite in Rot = Titel nach Beförderung

Ok.

Der Springer hat das Zeichen eines Pferdes • 馬, das ist leicht.

König • 王 kann ich mir auch gut merken und mit ein bisschen Eselsbrücken-bauen bekomme ich den Rest auch irgendwann hin.

(Hier sind alle Steine aufgeführt: Wikipedia.)

Jetzt dürfte es eigentlich kein Problem mehr sein, denn Schachspielen kann ich ja.

Startaufstellung beim japanischen Brettspiel SHOGI

Ist Shogi denn wie Schach?

Leider nein.

Andere Länder, andere Spiele, andere Regeln.

Beim Shogi ist daher jede Strategie, die man sich mal für’s Schachspielen überlegt hatte, hinfällig.

Mit Shogi zu trainieren, um besser Schach spielen zu können? Kannste vergessen! (Werde ich überraschend oft nach gefragt.)

Dabei ist das Ziel des Spiels genau wie beim Schach: Den König mattsetzen!

Die Shogi-Regeln

Leider haben sich die Japaner da gedacht: „Schachspielen kann jeder. Machen wir das ganze doch noch ein wenig komplizierter!“ (nicht dass es mit den Zeichen für Ausländer schon kompliziert genug gewesen wäre).

Ich möchte dich jetzt ungern mit den gesamten Shogi-Regeln langweilen.

Dazu gibt es eine tolle Regel-Zusammenfassung als PDF.

Zwei Dinge sind grundlegend anders als beim Schach:

1. Beförderung von Steinen

Wenn du die letzten drei Reihen der gegnerischen Seite erreicht hast, darfst du einige deiner Steine umdrehen, um deine Figur damit zu befördern. Erkennbar sind Beförderte am roten Schriftzeichen.

2. Steine schlagen und wieder einsetzen

Hast du einen gegnerischen Stein einkassiert, darf du ihn im weiteren Spiel für dich selbst einsetzen. Deshalb gibt es auch keine unterschiedlichen Farben. Der Stein wird einfach mit der Pfeilspitze in die Richtung des Gegners gedreht.

Interessanter japanischer Gedanke: Gefangene nicht töten, sondern einfach wieder im Kampf einsetzen, nur für die eigene Sache.

Sehr clever. Macht das Spiel aber nicht unbedingt leichter.

Und noch etwas fällt auf: Keine Königin!

Frauen haben auf dem Schlachtfeld einfach nichts zu suchen.

Shogi ist schon sehr japanisch.

Shogi probieren?

Zu Anfang habe ich mir ein eigenes Spiel gebastelt aus Pappe mit Erklärungen zu den Schriftzeichen.

Ganz ehrlich: Ich gewinne das Spiel selten. Dabei übe ich schon fleißig mit einer App (für’s iPhone).

Weil mir das ewige Verlieren auf Dauer auf die Nerven geht, übe ich mit Shogi von Kenichi Sato: Hier gibt es verschiedene Stufen und Übungssituationen. Die App ist kostenlos, allerdings auf Japanisch!

Für Android gibt es da sicher auch was. Einfach mal nach Shogi • 将棋 suchen.

✎ Schon gewusst?

⛺ Es gibt eine ganz einfache Shogi Variante, das Dobutsu Shogi. Das Tierschach wir auf einem Brett gespielt, das nur 3 x 4 Felder groß ist. Statt komplizierter Zeichen verwendet es Tierbilder. Das kann wirklich jeder verstehen und ist auch recht schnell selbst gebastelt. Mehr dazu hier!

⛺ Die größte japanische Brettspiel-Community in Deutschland spielt GO. Das ist das Strategiespiel mit den linsenförmigen schwarzen und weißen Steinen. Dass Go wesentlich beliebter ist als Shogi, liegt vielleicht daran, dass man dazu keine Schriftzeichen pauken muss.

⛺ Wer Niemanden zum Shogi-Spielen findet, kann mal auf der momentan größten Online-Shogi-Plattform vorbeischauen – 81Dojo The International Shogi Server.

⛺ Shōgi • 将棋 bedeutet nichts anderes als Shō • 将 = der General / der Kommandierende und gi • 棋 = das Brettspiel

⛺ Der Ausruf „Schach“ (wenn der König geschlagen werden könnte), lautet auf Japanisch ōte • 王手. Muss aber nicht gezwungenermaßen vor dem Zug gesagt werden.

⛺ Der Verlierer eines Shogi-Spiels verbeugt sich vor dem Gegner mit den Worten: Makemashita – Ich habe verloren!


Morgen geht’s ums Saubermachen!

Dieser Artikel gehört zu der UNBOXING KALENDER AKTION 2017 #unboxingjapan.

Hier stelle ich vom 1. bis zum 24. Dezember 2017 jeden Tag ein Teil aus dem Paket meiner Schwiegereltern aus Japan vor – Gewöhnliches und Ungewöhnliches.

Das Gewinnspiel ist beendet!

Welches Spiel gehört zu deinen Favoriten?


Weitere Geschenkideen aus Japan


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22 Kommentare

  1. Ich hab mal eine Weile lang Go probiert, das ist aber schon fast 17 Jahre her. 🙂 ….. Hilfe!! Wie die Zeit vergeht!!!
    Japanische Brettspiele sind wesentlich komplizierter als Schach – zumindest meiner Meinung nach. Aber ich war auch noch nie ein Schachfan.

    Es gibt übrigens einen aktuellen Manga und Anime, der sich mit Shogi beschäftigt, dabei aber weniger das Spiel, sondern vielmehr die zwischenmenschlichen Beziehungen in den Vordergrund stellt. Heißt „3-gatsu no lion“. Bin mir nicht sicher, ob es dafür bereits einen deutschen oder englischen Titel gibt. 🙂
    Ist auf jeden Fall empfehlenswert.

    Ich selbst interessiere mich dann eher für Karuta, aber auch da fehtl mir das Durchhaltevermögen, mir so viel in kürzester Zeit zu merken und vor allem, solange im Seiza zu sitzen. 😉

    • Super Tipp mit dem Manga. Hört sich spannend an. Denn ich kann auch immer wieder Parallelen zu Spielen und Beziehungen entdecken.
      Karuta ist definitiv nichts für mich.

  2. Hilfe, ich kriege Schach schon nicht auf die Reihe, da werden von Shogi lieber die Finger gelassen.
    Danke für die Vorstellung, das Spiel kannte ich gar nicht!

    • Liebe Saskia,
      Hat auch nicht so viele Anhänger in Deutschland. Da ist GO wesentlich größer. Den Pokemon GO Wahn von einst werden die Brettspiele aber wohl nie erreichen.

  3. Ich wäre schon mit westlichem Schach überfordert. Ich habe mich trotzdem mal an Go versucht – mit dem voraussehbaren „Erfolg“. 😉

    • Hallo Tenshin,
      Go finde ich auch sehr spannend. Hauptsache ist, dass der Kopf ein bisschen arbeiten muss und dass es Spaß macht.

    • Hallo Chris,
      ist ja auch, Gott sei Dank, nicht das einzige Brettspiel auf dem Markt. Kenn auch viele Japaner, die das nicht spielen können.

  4. Ah verdammt, gestern angefangen diesen Beitrag zu lesen, aber dann doch irgendwie im Sonntagsgewusel vergessen xD

    „Leider haben sich die Japaner da gedacht: „Schachspielen kann jeder. Machen wir das ganze doch noch ein wenig komplizierter!“ “
    Da musste ich sehr Lachen

    Ich habe Shogi das erste mal in Anime’s gesehen und fand es interessant, aber da ich schon in Schach mehr oder weniger versage bin ich mir unsicher ob es was wird (Spielen geht, aber Matt setzen ist immer so eine Sache 😀 )
    Hmmm vielleicht sollte ich es mit dem Dobutsu Shogi versuchen & mit GO 😀

    • Liebe Mandy,
      geht mir ähnlich: Spielen kann ich, aber am gewinnen arbeite ich noch!
      Vielleicht doch lieber mit dem Dobutsu Shogi anfangen. Go ist auch nicht ganz einfach.

  5. Shogi kenne ich- genau wie das europäische Schach- gar nicht.
    Ich spiele aber gerne Go, wenn ich denn mal jemanden finde, der sich bereit erklärt, dieses neue Spiel auszuprobieren.
    Leider ist es vielen Leuten zu kompliziert. Es gibt zwar grundlegend schon nur 3 Regeln, aber es ist dann halt doch komplizierter als es zuerst scheint.
    Zudem habe ich den Eindruck, dass heutzutage Brettspiele nicht mehr so beliebt sind…
    So kommt es, dass ich zwar mal im Werken ein eigenes Go-Brett gemacht habe, aber leider kaum dazu komme, es mal zu benutzen. Folglich bin ich auch nicht wahnsinnig gut, was aber schade ist, denn ich mag Go wirklich sehr 🙂

    LG Sarah

    • Liebe Sarah,
      irgendwann kommen die Brettspiele wieder in Mode. Bin ich mir fast sicher. Wir brauchen nur mal einen ordentlichen Stromausfall oder eben Weihnachten.

  6. Rein optisch finde ich das Spiel ja wunderschön, aber leider ist es so furchtbar kompliziert. Schach ist schon schwierig, aber als ich mir einmal die Regeln für Shogi angesehen habe, wurde mir ganz schwindelig ^^

    Vielleicht finde ich ja irgendwann jemanden, der es mir erklären kann 😉

    • Liebe Atani,
      es schaut wirklich komplizierter aus, als es ist. Mit einer App kann man schon ganz gut lernen, finde ich. Da werden einem immer die Züge angezeigt, die Möglich sind. Das hilft. Gegen den Computer verliere ich natürlich trotzdem immer.

  7. Hallo Daniela,
    wie vielen meiner Vorredner geht es mir auch so, dass mir beim westlichen Schach schon der Kopf raucht.
    Und Go kann ich auch nur auf der untersten Stufe spielen, ohne dass mein Gegner an mir verzweifelt. Beim Shogi streikt der Kopf dann endgültig!
    Im japanischen Kulturinstitut gab es mal ein Sommerfest, dort konnte man ein Quiz über Shogi machen. Ganz viele haben sich gar nicht erst rangetraut, uns musste man auch überreden, mitzumachen. Die Fragen waren dann zum Glück in den nebenstehenden Bildertafeln erklärt, man musste also nur Infos raussuchen und dann zusammenstellen. Dann wars zumindest spannend und interessant, aber doch kein Anreiz für uns, das Spiel zu Lernen… Ich könnte mich auch nicht für die Dauer eines Turniers überwinden, zuzugucken- das gilt allerdings für sämtliche Varianten, ob westliche oder japanische Spiele in Schach-Manier….
    Viele liebe Grüße!

    • Liebe Sarah,
      das mit dem Quiz hört sich ja spannend an, hab ihr da was gewonnen?
      Also zuschauen kann ich da auch unmöglich. Soweit reicht meine Leidenschaft dann doch nicht 😉

    • Huhu nochmal!
      Ja, wir haben tatsächlich genug Punkte erspielt. Wir haben auch eine Kleinigkeit gewonnen- aber ich kann mich kaum erinnern, was das war. Nur dass es Shogi- Bezug hatte. Hmm, ich meine, es war ein Kugelschreiber, ein Heftchen mit den Regeln und ich glaub, ein Bogen Spielsteine aus Pappe zum Ausschneiden. Gar nicht schlecht 🙂
      Viele liebe Grüße!

  8. Shogi klingt sehr interessant. Hab es noch nie gespielt und gegen meinen Freund würde ich bestimmt Haus hoch verlieren aber egal 😀

  9. Schach habe ich immer gerne gespielt und für Brettspiele bin ich auch immer zu haben. Ich lerne gerne neues. Klingt auf jeden Fall spaßig 🙂

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