Japan in Erfurt oder mit Japanern nach Erfurt reisen?

„Japan kann man doch sicher auch in Deutschland erleben!“

Dachte ich mir und begab mich wieder auf die Suche. Dieses Mal nach Erfurt!

Klar, würde ich gerne mal wieder nach Japan reisen.

Aber gerade geht’s halt nicht.

Und Deutschland ist ja auch nicht schlecht.

Also fahre ich los und erkunde meine Heimat, immer auf der Suche nach einem kleinen Stückchen Japan – für alle, denen es so geht wie mir.

Aber die Suche gestaltet sich manchmal schwieriger, als ich mir das vorgestellt habe.

Nicht weil es hier nichts gibt, sondern weil ich mir wohl immer die falschen Reiseziele aussuche.

Dieses Jahr habe ich bereits Dresden besucht, Leipzig (sogar zwei Mal), Wolfenbüttel, Bielefeld, Duisburg und Hoyerswerda.

Viel gefunden hab ich da leider nicht.

Warum Erfurt?

Eine große Planerin bin ich wirklich nicht.

Ich kann mich immer so schlecht entscheiden, daher reise ich spontan.

Dieses Mal hatte ich aber einen Plan und sogar meine Zugfahrt schon fest gebucht. Allerdings nicht nach Erfurt.

Es sollte am Freitag, dem 7. 9. 2018 ganz früh nach Frankfurt am Main gehen und dann am Sonntag in der Nacht wieder zurück nach Berlin.

So der Plan!

Ursprünglich wollte ich mit ein paar Reisebloggern von FFM mit dem Auto nach Österreich fahren, aber diese Fahrt hat sich ganz plötzlich zerschlagen und so stelle ich mich kurzerhand auf ein Frankfurt-Wochenende ein.

Japan in Frankfurt, da gibt es so Einiges.

Frankfurt hat eine japanische Community und deshalb gibt es hier, wie auch in Düsseldorf, immer etwas Japanisches zu entdecken.

Ich bin bereits ein paar Mal in Frankfurt gewesen und habe dort in sehr guten japanische Restaurants gegessen und ein paar interessante Ausstellungen besucht.

„… ich bin bereits ein paar Mal in Frankfurt gewesen …“

… und plötzlich habe ich keine Lust mehr auf die lange Zugfahrt. Will endlich mal wieder was Neues entdecken und spontan sein.

Also schaue ich, wo mein Zug Berlin-Frankfurt noch einen Stopp einlegt, und da ich die Zugfahrt vom Hauptbahnhof nach Spandau mit dem ICE etwas übertrieben finde, fällt meine Wahl auf Erfurt, dem letzten Stopp vor Frankfurt.

Dass meine Rückfahrt gar nicht über Erfurt führt, habe ich zu dem Zeitpunkt leider nicht auf dem Schirm. Die Rückfahrt geht nämlich über Göttingen und nicht über Erfurt, wie ich am Sonntag dann verwundert feststellen muss.

Ich will spontan … ich bekomme spontan.

So fahre ich am Sonntag kurzerhand noch mal für ein paar Stunden nach Göttingen (auf der Suche nach Japan in Göttingen werde ich aber auch enttäuscht).

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Reiseplanung meiner Erfurt-Reise

Erfurt, die Hauptstadt Thüringens, ist genau nach meinem Geschmack:

Nicht zu groß, aber auch nicht zu dörflich, immerhin gibt es dort ein gutes Straßenbahnnetz, eine schnuckelige Altstadt, deftiges Essen, leckeres Bier und ein überschaubares Nachtleben (da scheitere ich dann am Ende nicht an der Unfähigkeit, mich entscheiden zu müssen).

Wie immer befragte ich die Suchmaschine meines Vertrauens nach „Japan in Erfurt“, ausgespuckt wurden mir …

… erschreckend wenig.

Mangamesse, japanischer Garten, ein paar Restaurants, die sich „Japanisch“ nennen, einen Comic-Laden mit Manga, die deutsch-japanische Gesellschaft Erfurt, Teezeremonie und Ikebana-Ausstellung und Flüge von Erfurt nach Narita (keine Direktflüge!!!).

Aber daraus lässt sich doch was machen.

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Mangamesse in Erfurt

Die hab ich wohl um eine Woche verpasst (fand am 1. und 2. September statt).

Ein paar Infos dazu habe ich allerdings noch von Nico, dem Mitarbeiter des Hostels, bekommen:

Der Comicpark im EGA Park fand in einem der großen Hallen statt und war gut besucht. Für Mangafans und Cosplayer aus der Gegend sicher eine nette Abwechslung. Wäre für mich aber wohl nichts gewesen.

Für das nächste Jahr werde ich dich aber auf dem Laufenden halten.

Mehr Infos dazu findest du auch auf der Webseite des COMICPARKS.

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©2018 | Manga- und Comicladen in Erfurt

Japanische Restaurants in Erfurt

Drei Sushirestaurants habe ich ausfindig gemacht, aber ich will es gleich mal vorwegnehmen:

Ich habe keines davon besucht.

Auf mich hat nur Ginkgo Sushi einen guten Eindruck gemacht, alle anderen waren mir eine Spur zu touristisch und generell stört mich, wenn chinesische Klänge aus dem Restaurant dringen.

Da kann das Sushi dann noch so gut sein. Das habe ich aber leider nicht herausfinden können.

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Japanische Gärten

Am Samstag geht es für mich mit dem Leihfahrrad im Zug nach Bad Langensalza zum japanischen Garten.

Japanischer Garten in Bad Langensalza

©2018 | Eingang vom Japanischen Garten in Bad Langensalza

Der Garten ist sehr schön angelegt und für einen kurzen Moment tauche ich hier in eine andere, in eine japanische Welt ein, bis eine größere Gruppe an Kurgästen dort einfällt.

Die sind so aufgedreht, als hätte man sie die ganze Woche nicht rausgelassen.

So verbringe ich noch ein paar Minuten auf der kleinen Holzbrücke und den Steinen im Wasser, wo die Rollatoren nicht hinkommen.

Deshalb verlasse ich den kleinen überschaubaren Park, um mich auf mein Fahrrad zu schwingen und die 40 km entlang der Radwanderwege Unstrut-Radweg und Gera-Radweg zurück nach Erfurt zu radeln.

Die Radtour ist großartig, es geht mal bergauf, aber immer auch wieder bergab.

Mir ist kaum jemand unterwegs begegnet und ein bisschen erinnert es mich an meine vielen Touren durch Japan, nur dass hier in Thüringen die Reisfelder und die Berge fehlen.

Aber wozu hab ich meine Fantasie?

Japanischer Garten im EGA Park

Am Sonntag geht es dann mit der Straßenbahn Nummer 2 zum EGA Park.

Der Park ist riesig und locker verbringe ich dort 6 Stunden, in der Sonne liegend, Thüringer Rostbratwurst und Pommes rot-weiß essend, Fotos machend und lesend.

Den japanischen Garten im EGA Park finde ich, verglichen mit dem in Bad Langensalza, allerdings etwas enttäuschend.

Ich kann nicht genau sagen, warum, aber die Atmosphäre hat mich so gar nicht an Japan erinnert und hatte man doch im ganzen Park Schilder mit Bezeichnungen der Flora und Fauna angebracht, hielt man es bei den japanischen Pflanzen nicht für nötig.

Dabei hätte mich gerade das interessiert, wo ich doch null Ahnung von Pflanzen, Bäumen und Blumen habe.

Kann mir jemand sagen, was das hier ist?

In Japan hab ich das nie gesehen oder einfach nicht drauf geachtet.

Das Bild von der Sakura-Allee allerdings hat mich überzeugt, den Park vielleicht noch mal zur Kirschblütenzeit zu besuchen. Wunderschön.

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Japanveranstaltungen in Erfurt

Sicher kann dir die DJG, die Deutsch-Japanische-Gesellschaft Erfurt bei speziellen Fragen zu Erfurt und dem Japan-Veranstaltungskalender behilflich sein.

Ich habe in meinem Fall auf den Kontakt zur DJG verzichtet, da mein Besuch einfach zu spontan war.

Was die Teezeremonie und die Ikebana-Ausstellung betrifft …

Die Einträge waren schon ein paar Jahre alt und daher hatte sich das für mich erledigt.

Im Infobüro der Stadt gibt es aber gute Veranstaltungsbroschüren zu allen Events des Monats.

Der Besuch der Touristeninformation in der Erfurter Innenstadt lohnt in jedem Fall.

Hier habe ich viele gute Tipps bekommen. Und auch ein ordentliches Fahrrad kannst du hier mieten.

Die besten Tipps zu Erfurt gab es am Ende für mich aber im Hostel, dass ich für die zwei Nächte gewählt hatte und im Kiosk gegenüber.

Hier bekam ich eine gute Übersicht über Konzerte, Klubs und Bars mit Livemusik – leider ohne Japanbezug. Dazu aber später mehr.

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Erfurt besuchen mit Japanern

Wer seinem Japanbesuch Deutschland zeigen möchte, für den hat Erfurt auf jeden Fall eine Menge zu bieten.

Ein Abstecher in andere Vorzeigeorte Thüringens lohnt ebenfalls: Weimar und Jena sollten da auf jeden Fall nicht fehlen.

Erfurt kann man locker an einem Tag erkunden und hat dabei alles, was so schön typisch für Deutschland ist:

  • einen Dom mit einem Markt vor dem Domplatz
  • kleine enge Gassen durch eine schöne Altstadt
  • Kirchen an jeder Ecke
  • Thüringer Bratwürstchen und gute deutsche Küche
  • Bier
  • eine Zitadelle – von da oben hat man da einen schönen Blick auf die Stadt

©2018 | Blick auf Erfurt vom Turm der Ägidiuskirche

Noch besser hat mir allerdings der Ausblick vom Turm der Ägidiuskirche gefallen. Die älteste Kirche der Stadt befindet sich direkt an der bekannten Krämerbrücke, eines der Wahrzeichen der Stadt.

©2018 | Krämerbrücke in Erfurt, Ägidiuskirche im Hintergrund

In Erfurt gibt es deftiges Essen, Thüringer Spezialitäten, Biergärten in schöner Lage, Bier aus der Region, das lecker ist, und Wein. Also alles was das japanische Reiseherz begehrt.

Auch wenn der Name Fischmarkt an diesem Wochenende seinem Namen keine Ehre machte, weil es hier keinen Fisch gab (gibt es da einen Fischtag? Freitag-Samstag-Sonntag jedenfalls nicht), kommst du bei Herumlaufen durch die Stadt eigentlich nicht um den Fischmarkt herum.

Und Japaner lieben Fisch! Klar oder?

Die lange Brücke ist ein weiteres Wahrzeichen – eine enge autofreie Gasse mit vielen netten Läden.

Und dann natürlich der schon erwähnte EGA-Park mit seiner Blumenschau, den Gewächshäusern und schönen Kinderspielplätzen.

Der wurde mir von allen empfohlen und die 8 € Eintritt ist seinen Preis auf alle Fälle wert.

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©2018 | Blick auf Erfurt vom Ega Park

Meine Erfurt-Erlebnisse der besonderen Art – fast japanfrei

Ich hatte für dieses Wochenende, neben der Suche nach „Japan in Erfurt“, ein paar Dinge ohne Japanbezug auf dem Plan.

Vielleicht ergibt sich ja dabei noch spontan etwas Japanisches?

Ich bin immer offen und lass mich gerne überraschen.

Am Freitag will ich mir zunächst die Stadt ansehen und mich am Abend in einem Klub verausgaben:

Der „Club from Hell“, ist DER Treffpunkt für alle Metalfans.

Deshalb habe ich auch eine Unterkunft in der Nähe der Straßenbahnhaltestelle gewählt, die mich zu dem Musikklub bringen soll (der verdammt weit draußen liegt, in Erfurt-Bindersleben).

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Übernachtung im OPERA HOSTEL

Das Bett im Mehrbettzimmer (nicht nach Geschlechtern getrennt) ist für 22 € die Nacht definitiv eine gute Wahl:

Sauber, freundliches Personal, eine tolle Atmosphäre in den themenbezogenen Zimmern, die nach Opern und Komponisten benannt und eingerichtet sind, nette Leute und eine bequeme Matratze – mehr brauche ich auch nicht.

Doppelzimmer gibt es hier auch. Also auch für den operetten- und musikbegeisterten Japaner keine schlechte Wahl.

©2018 | Das Jacques Offenbach Zimmer im Opera Hostel

Mehr zum Opera Hostel findest du bei denen auf der Webseite.

Strategisch gut ist das Hostel außerdem:

Nur wenige Minuten zu Fuß zur Bahn Nummer 4 nach Erfurt-Bindersleben, 15 Minuten Fußweg zum Bahnhof, 15 Minuten bis in die Altstadt, eine paar weitere Straßenbahnlinien direkt vor der Tür und einem netten Kiosk gegenüber (davon ahnte ich bei der Buchung allerdings nichts).

Meinen Kram kann ich in einer Holzbox unter dem Bett verstauen und sicher einschließen.

Als ich den schweren Holzdeckel der rollbaren Kiste zum ersten Mal öffne, geht mir gleich ein komischer Gedanke durch den Kopf:

„Hier den Finger eingeklemmt zu bekommen, muss höllisch wehtun. Da muss ich momentan aufpassen, denn zwei meiner Finger haben sich in den letzten Tagen schon mal mit dem Schmerz vertraut gemacht, der entsteht, wenn eine Tür zugeht, aber der Finger noch dazwischensteckt.“

Beim Einchecken erkundige ich mich gleich mal nach dem Weg zum nächstgelegenen Krankenhaus mit Notaufnahme.

Nicht, weil ich Böses ahne, sondern, weil ich mich entschlossen habe, diese aufzusuchen, bevor ich mich in mein Erfurt-Abenteuer stürze.

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Spontanbesuch in der Notaufnahme

Am Abend zuvor hatte ich beim Schließen einer Tür, vergessen, meinen Daumen vorher da rauszuziehen. Der Nagel färbte sich gleich Schwarz, der Daumen wurde bedenklich dick und pocherte wild vor sich hin.

Kennst du das? Wenn du dein schlagendes Herz im Daumen fühlen kannst?

Vor Schmerzen hatte ich in der Nacht kein Auge zugetan und das Blut unter dem Nagel wollte raus, konnte aber nicht.

Da ich nur eine Woche vorher den kleinen Finger meiner anderen Hand zwischen eine andere Tür bekommen hatte, wusste ich mittlerweile ganz gut, was zu tun war: Löcher in den Nagel stechen und so das Blut rauslassen.

Hört sich in etwa so schmerzhaft an, wie es ist. Aber nur so lässt der Schmerz schlagartig nach. Das Einzige was wirklich hilft!

Was beim dünnen Nagel des kleinen Fingers einfach möglich war, wollte mir bei meinem dicken Daumennagel allerdings nicht gelingen.

Deshalb der Besuch bei den Profis in die Notaufnahme.

Drei Stunden später verlasse ich das Krankenhaus mit sieben Löchern im Nagel und einem geschienten Daumen, mit dem ich mir nicht mal mehr ordentlich die Hose alleine zumachen kann.

Etwas übertrieben, finde ich.

Aber ich will nicht meckern, denn ich bin endlich schmerzfrei.

So laufe ich wie eine Schwerverletzte mit fettem Daumenverband durch Erfurt, ziehe das Sightseeingprogramm tapfer durch und kämpfe dabei mit der Kamera meines Smartphones, vor deren Linse sich immer wieder dieser dicke Verband schieben möchte.

Dass ich mit einem geschienten Daumen nicht auf ein Metalkonzert gehen kann ist klar, oder?

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Metal-Konzert in Erfurt

Am Abend ist der Verband also wieder ab und ich bin wieder ganz die Alte beim Tanzen auf dem wohl merkwürdigsten Konzert der letzten Jahre.

Es spielen KALEVALA aus Russland – Folk-Metal mit Akkordeon und stark russischem Einfluss.

Kennste nicht?

Ging mir auch so.

Deshalb kann ich auch nicht enttäuscht werden und bin total begeistert. Live sind die großartig.

Die Hauptattraktion dieses Abends sind aber GRIMNER aus Schweden.

Habe auch von denen noch nie gehört und Wikinger-Folk-Metal? Darunter kann ich mir wenig vorstellen, bis ich es gehört habe. Die Musiker tragen irre Kostüme und gehen richtig ab.

Da kann ich mich nur schwer losreißen und verpasse so die letzte Bahn zurück in die Stadt. Taxis fahren hier nicht einfach so vorbei, die muss man schon rufen.

Als ich zusammen mit rund 100 verschwitzten Konzertbesuchern und den Mitgliedern der Bands vor dem Klub stehe, komme ich mit zwei Erfurtern ins Gespräch. Die werden von einem Freund abgeholt und bieten mir für 5€ einen Platz im Auto an.

So erfahre ich noch ein paar Insights von meinen Mitfahrern, werde direkt vor meinem Hostel abgesetzt und am Ende sind wir sind uns einig: es war ein super Konzert.

In Berlin, wo die beiden Bands am nächsten Tag spielen, wäre ich wahrscheinlich nie auf dem Konzert gelandet und um eine schöne Erfahrung ärmer.

Das mag ich beim Reisen: Überrascht zu werden und einfach mal losziehen, sich treiben lassen, ohne sich groß Gedanken oder Sorgen machen zu müssen. Dabei entstehen tolle Begegnungen und überraschende Erlebnisse.

Die Metal-Szene in Erfurt kenne ich also jetzt.

Für Samstagabend habe ich mir daher einen Irish-Pub in der Innenstadt ausgeguckt und vielleicht spielt in einem der Rockkneipen (Café Trikolor oder Frau Korte) ja sogar noch eine Punkband, das wäre großartig.

Aber es kommt dann doch alles ganz anders.

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Mein Erfurt-Andenken

Nach meiner langen Tour auf dem ollen Fahrrad des Hostels bin ich ganz schön platt und für einen Moment unaufmerksam.

Ich stoße mit dem Fuß gegen die Holzkiste unter meinem Bett, aus der ich gerade mein Duschzeug holen will.

Dieses Mal muss der Mittelfinger daran glauben.

Wie passend!

Immerhin hat der Nagel nichts abbekommen, sondern nur die Fingerkuppe. Die läuft sofort Schwarz an, mir wird Schwarz vor Augen und innerhalb von Minuten ist eine schöne Blutblase in Form eines Halbmondes entstanden.

Hätte ich jetzt einen schwarzen Stift zur Hand, dann würde zwei Punkte oberhalb der Blutblase malen und ich hätte einen Smiley auf meinem Mittelfinger 🙂

An dieses Wochenende in Erfurt werde ich noch ein paar Wochen meine Freude haben, wenn ich mir den Finger hier so anschaue.

Mir ist so gar nicht mehr nach Ausgehen und Notaufnahme halte ich auch für etwas übertrieben. Die kennen mich da schließlich schon, würden sicher nach meiner Daumenschiene fragen und mich für total bekloppt erklären.

Also mache ich das Einzige, was mir spontan einfällt und Linderung verspricht:

Ich gehe runter zum Kiosk vor meinem Hostel und kaufe mir eiskaltes Bier, an dem ich den Finger kühlen kann, auch in der Hoffnung, den Schmerz einfach wegzutrinken.

Und wen treffe ich da an der Kasse?

Nico, den Mitarbeiter von der Rezeption meines Hostels, der sich schon die ganze Leidensgeschichte meiner anderen Finger anhören musste.

Etwas peinlich ist es mir ja schon, als ich ihm meinen Mittelfinger entgegenstrecke und frage, ob ich denn echt die Einzige sei, die sich jemals ihren Finger in der Holzkiste unter dem Bett eingeklemmt habe (Ja, bin ich wohl!).

Das mit der Bierflaschenkühlung hilft leider nur für einen kurzen Moment.

Ich brauche Stärkeres.

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Partynacht in Erfurt

In der Straße gibt es einen Tanzklub, den Presseklub.

Da ist heute 80er und 90er Disconacht.

Der Kontrast zum Abend davor könnte nicht größer sein, als ich mich wenige Stunden später zu Ace of Base, Lambada und irgendwelchen Latino-Popsongs auf die Tanzfläche begebe. Nur bloß nicht irgendwo hier alleine rumsitzen, um blöde angequatscht zu werden.

Danach ist mir heute noch viel weniger, als sonst.

Und weil es so schön passt, trinke ich heute Nacht Bloody Mary mit viel Eis, obwohl der Longdrink nicht auf der Karte steht. Den darf ich mir hier selbst zusammenmischen und würzen. Hab ich so auch noch nicht erlebt.

Komischer Klub. Komische Musik. Komische Leute. Komische Türsteher-Mentalität: Ausländer werden hier rein gelassen, müssen aber ihren Ausweis vorzeigen. Ich muss gestehen, ich hatte mit mehr Ausländerfeindlichkeit gerechnet.

Als ich den 12ten Latino-Song nicht mehr ertragen kann (da hilft auch Wodka mit Tomatensaft nicht), mache ich mich auf den Heimweg – keine 100 Meter entfernt steht mein Bett.

Und den Takt meines Herzens im Mittelfinger fühlend, schlafe ich irgendwann ein.

Der Morgen danach:

Finger tut weh.

Kopf tut weh.

Und ich brauche mit meinen verkrüppelten Fingern heute Stunden, um alle meine Sachen in meinem Rucksack zu verstauen.

Auf dem Weg zum Frühstück in die Altstadt zum Fischmarkt (leider wieder ohne Fisch), überrascht mich doch noch etwas Japanisches.

Zumindest fühle ich mich stark an Japan erinnert.

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Japanentdeckung in Erfurt

Vor einem der kleinen Läden mit blauen Stoffen steht er.

Ein kleiner Gachapon-Automat.

Naja. Kein echt Japanischer, aber da will ich mal nicht so sein.

Gachagacha machte es, wenn man an dem Schraubrad dreht, und pon, wenn die Plastikkugel unten aus dem Loch fällt.

Die guten alten Kaugummiautomaten, kennst du die noch?

Kennst du auch die Automaten, wo man kleine unnütze Dinge in einer kleinen Kugel ziehen konnte. Meist irgendeinen blödsinnigen Plastikring.

Japan ist voll von diesen Automaten, ganze Kaufhausetagen sind damit bestückt, meistens mit irgendwelchen Figuren aus der Manga-, Anime- oder Maskottchenwelt.

Hier in Erfurt allerdings hat sich der blaue Laden, zu dem der Automat gehört, was richtig Originelles einfallen lassen.

Man kann hier Samen kaufen von der Pflanze, die als Weidblau bekannt ist. Aus der lässt sich ein wunderschöner Blauton gewinnen.

Klar kann ich nicht einfach so an diesem Samenspender vorbeigehen und als ich die 2€ einwerfe und an dem Rad drehe, überkommt mich für einen kurzen Moment das Japanfeeling.

Na, wer sagt’s denn?

Japan in Erfurt – geht also doch!

Die Pflanzen sind definitiv ein schönes Souvenir (besser als der eingequetschte Finger allemal).

(Der Automat steht auf der berühmten Krämerbrücke am Laden ERFURTER BLAU.)

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Der japanische Garten im EGA Park

Bei schönstem Septemberwetter geht’s zum Abschluss meiner Erfurt-Reise in den Ega Park.

In Japan ist heute ein Feiertag: Der Kiku no Sekku oder Chrysanthemen-Tag am 9.9.

In einem Park voller Blumen eine Chrysantheme zu finden, ist in etwa so wahrscheinlich, wie sich drei Finger innerhalb von wenigen Tagen irgendwo einzuquetschen.

Bei den Fingern war ich erfolgreicher!

Keine Chrysantheme im ganzen Park gefunden. Schade.

Auch der japanische Garten hilft am Ende nicht mehr, mich richtig in Japanstimmung zu bringen.

Aber begeistert bin ich von den vielen Kürbiss-Kunstwerken, die im ganzen Park verstreut aufgestellt wurden.

©2018 | Kürbis Austellung im Ega Park

Ich verbummele meinen Nachmittag im Park, bevor es zurück zum Hostel geht, wo ich meinen Rucksack deponiert habe.

Und dann wird’s plötzlich stressig …

Mein gebuchter Zug, aus Frankfurt kommend, hält gar nicht in Erfurt – wie ich feststellen muss.

Ich muss jetzt auf schnellstem Weg nach Göttingen.

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Kein Japan in Göttingen

Da ich mich nicht auf einen Besuch in der niedersächsischen Universitätsstadt vorbereitet habe, laufe ich vom Bahnhof planlos durch die Innenstadt und sehe hier und da einen Sushiladen. Allerdings nix, was nicht auch in anderen Städten zu finden ist.

Mir begegnen noch ein paar Cosplayer, die kommen wahrscheinlich gerade aus Kassel, wo die Connichi an genau diesem Wochenende stattfand – mehr Japan gibt es dann aber wirklich nicht.

Einen Japan-Tag an der Uni in Göttingen gibt es sicher irgendwann. Nur nicht an einem Sonntagabend!

Für heute lass ich es gut sein, begebe mich zum Abendessen in das angesagte Kartoffelhaus und lass den Abend einfach schön deutsch ausklingen: bei leckerem Kartoffelgericht und einem kühlen Bier.

Japaner hätten es wahrscheinlich genauso gemacht!

Übrigens, eine typisch japanische Sache hat mich an meinem Wochenende doch noch überrascht:

Alle meine Züge fuhren planmäßig ohne Verspätungen oder sonstiger Probleme. Abfahrt am angekündigten Bahnsteig. Ganz ohne veränderte Wagenreihung!!!

Wenn das mal nicht an Japan erinnert??? Oder einfach nur Glück gehabt?

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Warst du schon mal in Erfurt? Ist dir da was Japanisches begegnet, dass ich vielleicht verpasst habe? Dann besuche das kleine Städtchen in Thüringen gerne noch ein weiteres Mal.


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1 Kommentare

  1. Hallo Daniela, ich freue mich dass es dir in Erfurt gefallen hat – die Stadt ist definitiv auch einen zweiten Besuch wert 😉
    Zu deinen Fragen: die Pflanze ist ein japanischer Blütenhartriegel, die Früchte sind essbar und auch mir sind die Bäume in Japan nie aufgefallen, wahrscheinlich weil sie dort größer sind als hier und die meiste Zeit ehr unscheinbar aussehen.
    Mein Lieblings-Sushi gibt es übrigens im Koko – auch wenn die Atmosphäre nicht sehr japanisch ist, die Sushi dort sind es.

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