Vorbereitungen für’s Japanische Neujahr

Sobanudeln: Lange Nudeln für ein langes Leben, Vorbereitungen für das japanische Silvester | Nipponinsider

[Update: Dezember 2017]

Wo ist denn plötzlich die ganze Weihnachtsdekoration hin?

Schon am 25. Dezember verschwindet in den japanischen Supermärkten und Kaufhäusern alles weihnachtliche, denn jetzt bereitet sich jeder auf das wichtigsten Fest des Jahres vor – das Neujahrsfest.

In Japan geht man gerne „sauber“ ins neue Jahr. Bevor das alte Jahr um ist, gibt es also noch viel zu tun und vorzubereiten.

Hier erst einmal eine Übersicht über die Vorbereitungen:


忘年会 – Bonenkai – Vergiss-das-Jahr-Party

In Deutschland haben wir im Dezember die Weihnachtsfeier mit den Kollegen oder ein letztes Treffen mit Freunden im alten Jahr.
In Japan trifft man sich im Dezember zum Bonenkai (sprich: Boo-nen-kai), einer Party, um mit dem alten Jahr abzuschließen.

Es wird viel Alkohol getrunken. So dachte ich lange Zeit, dass es darum gehe, mit möglichst viel Alkohol die Erinnerungen an das alte Jahr komplett auszulöschen. Diesen Eindruck hatte ich, immer wenn mir die vielen betrunkenen Menschen an den Dezember-Wochenenden auf den Straßen entgegen torkelten.

Die „Forget-the-Year-Party“, wie Bonenkai auf Englisch gerne bezeichnet wird, hat aber einen anderen Hintergrund: Alle sollen noch einmal die Gelegenheit bekommen, das Jahr zu reflektieren. Wenn etwas bei der Arbeit oder am Verhalten von Freunden stört, dann ist jetzt die Gelegenheit, darüber zu sprechen. Frust und Ärger sollen im alten Jahr zurückbleiben.

Nirgendwo kann man die japanische Trinkkultur besser beobachten, als bei einem Bonenkai.

Trifft man sich zum letzten Mal im alten Jahr, dann verabschiedet man sich und wünscht einen guten Rutsch oder

よいお年を |  よいおとしを | sprich: jo-i-o-toshi-o.


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大掃除 – Oosouji – Der Großputz

Jetzt ist die Gelegenheit, einmal gründlich aufzuräumen, zu putzen und auch die ungeliebten Dinge noch zu erledigen.

Ich mag den japanischen Gedanken, rein und unbelastet in ein neues Jahr zu starten. Wegschmeißen, was nicht benötigt wird, alle Schränke einmal gründlich ausmisten, Staub auch mal an den Stellen putzen, wo man nicht so leicht ran kommt… das alles macht man in einer großen Reinemach-Aktion, Oosouji  (sprich: o-soo-dschi).

Mein Job: Fenster putzen

Bei meinen Schwiegereltern hatte jeder so seine Aufgaben: Ich war für die Fenster zuständig. Da muss ich wohl mal erwähnt haben, dass ich gerne Fenster putze. Das tue ich wirklich! Aber das Haus meiner Schwiegereltern besteht – gefühlt – aus 1000 Fenstern. Viele japanische Wohnungen und Häuser haben eine Fensterfront. So kann die Sonne den ganzen Tag in die Zimmer scheinen, man spart Heiz- und Stromkosten und es ist schön hell in den Räumen. Tatsächlich sind es zwar „nur“ 48 Fenster, aber damit bin ich dann einen Tag lang beschäftigt

Mein Mann, Daisuke, ist jedes Jahr für die Reinigung der Altar-Gegenstände zuständig:

仏壇 – Butsudan – der buddhistische Hausaltar für die Ahnen

japanischer Hausaltar BUTSUDAN | Nipponinsider

©2008 by Daniela | Butsudan mit Neujahrsdeko

In vielen japanischen Häusern befindet sich ein kleiner Hausaltar. Hier wird täglich für die verstorbenen Familienangehörigen gebetet und mit den Verstorbenen geredet. Etwas Reis oder Tee wird morgens aufgestellt und wenn es etwas Besonderes zu Essen gibt, wird auch dieses mit den Verstorbenen geteilt. Geschenke werden immer erst den Verstorbenen gezeigt, indem wir sie zum Altar bringen und dort aufstellen.

In unserem Hausaltar befinden sich neben Weihrauch- und Klangschale, unter anderem einige goldene Kerzenständer und Messingschalen. Daisuke poliert alles, bis es schön glänzt. Dann kann mit dem Dekorieren begonnen werden.

神棚 – Kamidana – Das Regal für die (Shinto) Götter

Es befindet sich im Haus meiner Schwiegereltern ein kleines höher gelegenes Holzregal, das einem kleinen Schrein nachempfunden ist. Hier wird den Göttern Reis, Tee oder ein wenig vom Festtags-Essen „geopfert“. Auch das Kamidana wird gründlich gereinigt und zum Neujahr festlich dekoriert.

Buddhismus oder Shinto?

Neben dem Buddhismus (alles was mit Tod zu tun hat) existiert der Shintoismus oder Shinto (für alles andere und für „die glücklichen Momente“ im Leben). So hat mir Daisuke das mal ganz einfach erklärt.

Ich habe anfangs viele Fragen gestellt und wollte es immer genau wissen: „Bin ich jetzt in einem buddhistischen Tempel?“ oder „Ist das jetzt hier ein Shinto Schrein?“ „Worin liegen die Unterschiede beim Beten?“ oder „Bist du Buddhist oder Shintoist?“.

Religion gehört zum Leben, ohne dass man einer Religion „angehört“. Die Differenzierung ist den Japaner nicht wichtig.

Mir ist aufgefallen, dass Ausländer sich sehr viel besser mit den Unterschieden der einzelnen Religionen auskennen und immer genau wissen „das ist jetzt ein buddhistischer Tempel“ oder „so betete man im Shinto“.

Den Japanern ist die Differenzierung egal. Sie haben nie bewusst darüber nachgedacht. Beides existiert nebeneinander und miteinander. Das eine ist oft aus dem anderen entstanden und das andere hat sich aus dem einen entwickelt.

Ich habe einen Freund, der ist buddhistischer Mönch oder Priester (auch hier gibt es keine eindeutige Übersetzung). Dass er Mönch ist, hat weniger mit Berufung zu tun. Es ist sein Beruf, der ihm als Sohn von seinem Vater, ebenfalls buddhistischer Mönch, übertragen wurde.

Er lebt ein ganz normales Leben mit Frau und Kindern, mag Kunst, gutes Essen und Rockmusik. Ungewöhnlich ist vielleicht nur, dass er auf dem Friedhofsgelände wohnt, in einem Nebengebäude des Tempels.

Er hat mir mal erklärt: „Die wenigsten Japaner sind nur Shintoisten oder nur Buddhisten. Man ist einfach beides: im Leben Shintoist und beim Sterben Buddhist. Und Leben und Tod gehörten nun mal zusammen!“
Kennengelernt habe ich ihn übrigens auf einem Bonenkai, als wir betrunken zu „Smells like Teen Spirit“ von Nirvana tanzten.


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Japanische Neujahrs-Dekoration

Was dem Deutschen der Christbaumschmuck, die Krippe und der Stollen zu Weihnachten, ist dem Japaner Kodamatsu, Shime Kasari und Kagami Mochi zum Neujahr. Wie die Japaner übrigens Weihnachten feiern, erfährst du HIER.

門松 – Kodamatsu

Kodamatsu nennt man ein festliches Gesteck aus Bambus und Kiefer- oder Pinienzweigen, manchmal auch mit Reisstroh-Seilen oder goldenem Paper verziert. Dieses Gesteck wird am Eingang eines Hauses aufgestellt, um dem Gott des neuen Jahres den Weg zu weisen und willkommen zu heißen. Man erhofft sich von dem 年神 – Toshigami, dem Jahresgott, Glück für’s neue Jahr.

Mitte Januar wird das Gesteck dann abgenommen und verbrannt. Auch das soll Glück bringen.

しめ飾り – Shime kazari

Ein weiteres Gesteck hängt über der Eingangstür, um „böse Geister“ fernzuhalten und den glücksbringenden Toshigami einzuladen. Das Gesteck besteht meistens aus Reisstroh-Seilen, Farnen, einer Orange und weißen Papierstreifen.

Tolle Fotos zu den Dekorationen findest du auf dem englischsprachigen Blog von realestate.co.jp

Warum sieht man ständig eine Orange oder Mandarine?

Es handelt sich dabei eigentlich um die japanische Bitter-Orange, die den Namen 橙 – Daidai trägt. Daidai bedeutet gleichzeitig aber auch „viele Generationen“ oder „von Generation zu Generation“ (代々).

Somit wird die Bitter-Orange ein Symbol für den Wunsch von Nachwuchs oder die Fortführung der Familie durch weitere Generationen. Es muss nicht unbedingt eine Bitter-Orange sein, eine normale Orange, Clementine oder Mandarine tut’s auch.

鏡餅 – Kagami Mochi

Kagami Mochi (sprich: ka-gami-mo-tschi) bedeutet übersetzt soviel wie Spiegel-Mochi. Dabei liegen zwei Mochi-Kugeln übereinander, unten eine größere, darüber eine kleinere und oben drauf wird das Türmchen von einer Daidai (siehe oben) verziert. Die Mochi-Kugeln symbolisieren das alte und das neue Jahr.

Kagami Mochi im Hausaltar und als Dekogegenstand | Nipponinsider

links: Hausaltar mit Kagami Mochi dekoriert ©Daniela | rechts: Kagami Mochi Deko in Deutschland ©2015 by Daisuke

Kagami Mochi wird an verschiedenen Stellen im Haus platziert, unter anderem im Eingangsbereich und auf den Hausaltären. Bei meiner Schwiegermutter stehen kleine Mochitürme sogar auf der Fensterbank in der Küche und auf der Toilette.

Kagami Mochi heute

Mittlerweile kauft man im Supermarkt eine Packung aus Kunststoff in Form des Türmchens und darin befinden sind dann einzeln verpackte kleinere Mochis.

Am zweiten Wochenende im Januar wird Kagami Mochi entfernt und gegessen.

Mochi – was ist das?

Mochi ist eine Art Reis-Kloß und wird aus einer ganz bestimmten Klebe-Reis-Sorte, dem Mochireis, hergestellt.

Oft wird Mochi auch als Rice-Cake oder Reiskuchen bezeichnet, aber ich finde den Begriff verwirrend, weil ich mit Kuchen immer etwas Süßes verbinde.

Mochi schmeckt nach Reis, ungesalzen, ist also eher geschmacklos. In der Regel ist Mochi hart und muss zuerst in der Pfanne erhitzt (bei kleinster Flamme, ohne alles, in einer beschichteten Pfanne anbraten) oder gegrillt werden, bis die Masse schön weich wird und „aufgeht“. Dann ist Mochi außen knusprig und innen klebrig, gummihaft und schmeckt (mir) unglaublich gut.

Die Konsistenz ist sehr schwer zu beschreiben. Auf japanisch sagt man „motchimotchi“ zu eben dieser Konsistenz. Es erinnert vom Aussehen ein bisschen an Käse, der zerläuft. Jedes Jahr ersticken einige Menschen (vor allem Kinder und alte Menschen) an Mochi.
Deshalb aufgepasst, beim ersten Mal!

1. Mochi Packung aus dem Asialaden, 2. Mochi in der Neujahrssuppe O-Zoni

©2015/16 by Daniela | links: Mochipackung aus dem Asialaden | rechts: Mochi in der Neujahrssuppe O-Zooni

Hier in Deutschland kann man Mochi in gut sortierten Asia-Läden finden. In Japan haben wir das Glück, noch selbstgemachtes Mochi aus der Verwandtschaft zu bekommen. Ich habe mir sagen lassen, dass es harte Arbeit ist, aber ich schmecke den Unterschied zu dem Mochi aus dem Supermarkt definitiv.


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お御節 – O-sechi & おぞうに – O-Zooni – traditionelle Gerichte zum Neujahr

Am letzten Tag des Jahres steht meine Schwiegermutter den ganzen Tag in der Küche und bereitet das Essen für die kommenden Festtage vor. O-Sechi (sprich: O-setchi) und O-Zooni (sprich: o-so-ni) sind die beiden Gerichte, die zum Neujahr nicht fehlen dürfen*. Regional gibt es in der Zubereitung und bei den Zutaten allerdings Unterschiede.

* Nachtrag: Dieses Jahr gibt es bei meiner Familie in Japan kein O-Sechi!!! Ich hatte um ein Foto gebeten. Da es wirklich viel Arbeit macht und alle in der Familie lieber Sushi, Sashimi und Kani-Nabe (Eintopf mit Krabbenfleisch) essen, wurde in diesem Jahr auf O-Sechi verzichtet.

お御節 – O-Sechi – Neujahrs-Kiste mit allerlei Köstlichkeiten

Jetzt wird es kompliziert.
Wie soll ich bloss Osechi erklären? Ich habe tagelang unser Fotoarchiv durchgesucht und NICHTS. Das Aussehen ist eine Sache, die vielen unbekannten Zutaten eine andere und den Geschmack… kann ich nicht beschreiben. Muss man probieren!!!

O-Sechi ist bunt, enthält über 30!!! verschiedene kleine Köstlichkeiten und wird in einer 3 stöckigen Box serviert, die sich Jubako nennt. O-Sechi wird immer VOR dem Neujahrsfest zubereitet (oder im Supermarkt gekauft). Es sind daher alles Köstlichkeiten, die kalt gegessen werden und nicht so schnell verderben.

Jedes einzelne Gericht in der Box hat ihre spezielle Bedeutung für das neue Jahr. Und jetzt wird es kompliziert: Oft können die Kanji-Zeichen im Namen der Speise auf verschiedene Weise
ausgesprochen werden. Dabei haben die unterschiedlichen Aussprachen (Lesungen des Kanjis) auch oft unterschiedliche Bedeutungen. Bei den O-Sechi Gerichten passt diese Bedeutung dann in irgendeiner Form zum Neujahr.

Zwei kleine Beispiele:

  • 昆布 – Konbu
    Seetang. Konbu erinnert an das Wort „yorokobu“, das bedeutet „Freude“ und passt daher zum neuen Jahr.
  • 黒豆 – Kuromame
    Schwarze Sojabohnen. Die Bohnen werden gezuckert und in Sojasoße eingelegt. Das Wort „mame“ für Bohnen bedeutet im japanischen auch „Gesundheit“. Man wünscht sich also Gesundheit für das Neue Jahr.

Ich bediene mich jetzt einfach mal bei Rocketnews24. HIER findest du eine schöne Auflistung, tolle Bilder und gute Erklärungen (auf Englisch).

おぞに – O-Zooni – Neujahrssuppe

Meine Mutter macht die beste O-Zooni der Welt, nach altem Familienrezept, welches ich natürlich übernommen habe. Basis der Neujahrssuppe ist Hühnchen.

Hier in Deutschland scheitert es leider fast jedes Jahr an einer ganz wichtigen Zutat für das Familienrezept: Gobo. Gobo ist eine lange Wurzel, sieht in etwa aus wie die deutsche Schwarzwurzel, schmeckt aber ganz anders. Ich habe es mit der Schwarzwurzel probiert, funktioniert leider nicht.

O-Zoni | Neujahrssuppe in Deutschland

O-Zooni | Neujahrssuppe in Deutschland


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年賀状 – Nengajoo – Neujahrsgrüße auf Japanisch

Unsere Neujahrsgrüße verschicken wir traditionell per Postkarte (so wie wir in Deutschland vor Zeiten von E-Mail, WhatsApp und Facebook noch Weihnachtskarten verschickt haben – manche tun es sogar immer noch, und ich freue mich jedes Mal darüber!)

Dazu werden die Karten am Computer gestaltet oder in Auftrag gegeben. Fotos der Kinder oder Hochzeitsbilder aus dem Jahr sind dabei beliebte Motive, aber auch andere Highlights des Jahres – tolle Urlaubsfotos, das neue Auto oder ein Foto des geliebten Hobby’s –  werden gerne für die Neujahrskarten gewählt.

Die Neujahrswünsche werden auf ganz spezielle Postkarten gedruckt. Diese Karten enthalten einen Neujahrs-Stempel und eine Losnummer. Denn jede Neujahrskarte nimmt an einer großen landesweiten Neujahrs-Verlosung am 15. Januar teil. Zu gewinnen gibt es Dinge wie Fernseher und Waschmaschinen.

Die Karten können auch schon einige Wochen vorher zur Post gebracht werden. Nengajoo (sprich: Nen-ga-dscho) werden bei der Post gelagert und dann alle am 1. Januar ausgeliefert.

2017 ist das Jahr des Hahns / Huhns / Vogels

Das Symbol-Tier des neuen Jahres darf auf den Karten natürlich nicht fehlen. Wirst du 2017 vielleicht 12, 24, 36, 48, 60 72, 84, 96 oder 108 Jahre alt? Dann ist es dein Jahr, denn du bist nach japanischem Kalender im Jahr des Hahns geboren, das sich alle 12 Jahre wiederholt.

Willst du auch Nengajoo verschicken?

Hier sind ein paar klassische Sprüche für Karten zum japanischen Neujahr:

  • (新年) 明けましておめでとうございます – (shinnen) akemashite o-medetō-gozaimasu
    Ein frohes neues Jahr (nicht wörtlich übersetzt). Das „Shinnen“ bedeutet soviel wie „Zum neuen Jahr“ und ist eine gebräuchliche schriftliche Redewendung.
  • 今年もよろしくお願します –  ことしもよろしくおねがいします – kotoshi mo yoroshiku o-negai-shimasu
    Sei mir bitte auch in diesem Jahr wohlgesonnen/ein guter Freund/ein guter Partner//hilfsbereit…Unterstütze mich bitte auch in diesem Jahr…
    (das yorosch-ku o-negai-shimas ist eine typisch japanischer Ausdruck, aber sehr schwer zu übersetzen)

Nengajoo zu verschicken ist ein absolutes MUSS.
Allerdings gibt es eine Ausnahme: Gab es im Jahr einen Todesfall in der Familie, dann schickt man vorab eine einfache Postkarte, in der man auf den Todesfall hinweist und darum bittet, keine Neujahrskarten zu erhalten. Statt einer Neujahrskarte gibt es dann eine einfache Postkarte mit Beileidsbekundungen zum Tod des Verstorbenen.

Neujahrskarten sind eine gute Möglichkeit, Beziehungen zu pflegen. Gerade, wenn ich nur wenig Kontakt im letzten Jahr hatte, bietet sich mir mit der Neujahrskarte eine Möglichkeit, nicht völlig von der Bildfläche beim Gegenüber zu verschwinden.
Möchte ich mich aber auf ganz besondere Weise bedanken, z.B. bei einem guten Kunden, dann reicht eine Neujahrskarte nicht aus. Dann muss Größeres her:


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お歳暮 – Oseibo – japanische Neujahrs-Geschenke

Meinen besonderen Dank drücke ich mit einem Oseibo (sprich: O-se-i-bo), einem Neujahrsgeschenk, aus. Das Geschenk sollte nicht zu wertvoll sein, aber auch nicht total sinnlos.

Aus diesem Grund bieten japanische Supermärkte einen tollen Service: hier hat man eine große Auswahl an Geschenke-Boxen. Man hat die Qual der Wahl:

  • eine Auswahl an Waschmitteln
  • eine Auswahl an Spülmitteln
  • Geschirr-Set
  • Handtuch-Set
  • Früchte (oft regional)
  • Regionale Spezialitäten (z.B. die Krabbe, die wir jedes Jahr essen, kommt von der Verwandtschaft aus Hokkaido)
  • Getränkedosen (z.B. Bier oder Fruchsäfte)

Der Versand geht kinderleicht: dazu die Empfänger-Adresse in ein Formular beim Supermarkt eintragen, gewünschte Box ankreuzen, Wunschliefertermin eintragen und das Geschenk wird dann direkt vom Supermarkt verschickt. Ich finde das total klasse. Leider wird nicht ins Ausland geliefert, sondern nur innerhalb Japans.

Als Daisuke und ich nach unserer Reise, auf der wir uns kennengelernt haben, nach Japan kamen, sind wir zunächst eine Woche bei der Familie eines Freundes in Tokyo untergekommen. Daisukes Eltern haben der Familie des Freundes zum Dank für die unglaubliche Gastfreundschaft am Ende des Jahres ein Oseibo geschickt. Das wäre natürlich meine Aufgabe gewesen, aber die japanische Kultur des Schenkens war mir zu dem Zeitpunkt noch völlig fremd.


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大晦日 – おおみそか – Omisoka – Silvester

Am letzten Tag des Jahres werden traditionell lange Nudeln gegessen:

年越しそば • としこしそば • Toshikoshi Soba / Jahreswechsel Soba

Soba ist eine Nudelart, hergestellt aus japanischem Hartweizen. Die Nudeln sind etwas dunkler und sehen aus wie Vollkorn-Spaghetti. Allerdings sind sie nicht rund, sondern leicht kantig.

Die langen Nudeln stehen für ein langes Leben und sollen Kraft für das neue Jahr verleihen.

Die Zubereitung ist wirklich einfach:

  • Nudeln nach Packungsanweisung kochen (ohne Salz)
  • mit kaltem Wasser abgeschreckt
  • mit ein paar Eiswürfeln zusätzlich kühlen
  • dünn geschnittene Nori-Streifen (papierartige Blätter getrockneter Meeresalgen) darübergeben
  • ein kleines Schüsselchen Tsuju für jeden (einer Brühe aus japanischer Soja-Soße, Mirin/süßem Reiswein und Dashi/Fischbrühe)
  • da hinein geben wir ein wenig Wasabi/japanische Meeretich-Paste
  • und Frühlingszwiebelringe, hauchdünn geschnitten.

Die Nudeln werden dann kurz in die Soße getaucht, bevor sie – begleitet von lauten Schlürf-Geräuschen – im Mund verschwinden.

Toshikoshi Soba sollten restlos aufgegessen werden. Lässt man auch nur eine Nudel übrig, bringt es Unglück.

Soba Nudeln zu Silvester

© by Daniela | Toshikoshi Soba | japanische Nudeln zum Jahreswechsel

In Deutschland haben wir es uns zur Tradition gemacht, am 31. Dezember um 4 Uhr Nachmittags unsere Toshikoshi Soba zu essen. Dann hat das neue Jahr gerade in Japan begonnen!

Japanischer Silvester-Abend mit Musik, Spaß und Kampfsport

In Japan läuft unser Silvester-Abend eher unspektakulär ab: Es gibt Sushi und Kani, japanische Krabbe. Das ist nicht typisch für Silvester, sondern Familientradition. Entweder wir essen die Toshikoshi Soba-Nudeln noch kurz vor Mitternacht, oder wir haben sie bereits am Nachmittag gegessen. Aber Nudeln sind am letzten Tag des Jahres Pflicht und das ist auch gut so, denn ICH LIEBE SOBA!!!

Den Abend verbringt wir gemeinsam vor dem Fernseher. Es laufen verschiedene Shows. Am bekanntesten in Japan ist 紅白歌合戦 Kohaku Uta Gassen, eine Musikshow, bei der bekannte Künstler gegeneinander singen, Männer gegen Frauen. Wer am Ende gewinnt, ist unwichtig. Hauptsache die Unterhaltung stimmt.

Alternativ gibt es aber auch noch Comedy und in der Nacht läuft K1, ein Kampfsport-Wettkampf, bei dem verschiedene Kampfsportarten gegeneinander antreten.
Dass man sich um Mitternacht um den Hals fällt, habe ich in Japan noch nicht erlebt. Oft gehen meine Schwiegereltern schon früh ins Bett, während ich mit Daisuke und seinen Brüdern noch trinke, quatsche und Fernsehen gucke. Um 0 Uhr wird nochmal angestoßen mit einem:

あけましておめでとうございます. 今年もよろしくお願します-
akemashite omedetou gozaimasu. Kotoshi mo yoroshiku onegai shimasu.

Kein Feuerwerk in Japan

Das neue Jahr mit einem Feuerwerk zu begrüßen, kennen die Japaner nicht. Auch laute Böller, wie sie in China zum Neujahrs-Beginn üblich sind, gibt es in Japan nicht. Das chinesische Neujahr wird, anders als das japanische, übrigens nicht zum ersten Januar gefeiert, sondern immer am Neumond zwischen dem 21. Januar und dem 21 Februar (2. Februar 2016, 28. Januar 2017, 16.Februar 2018…)

Statt Neben eines Feuerwerks gibt es Aktionen, wie 2016 in Tokyo: dort ließ man weiße Luftballons in den Himmel steigen.

除夜の鐘 – じょやのかね – Joya no kane – die 108 Glockenschläge im Tempel

Viele Japaner gehen um Mitternacht zum Tempel, um die 108 Glockenschläge zu hören. Mit 108 Glockenschlägen sollen die 108 Begierden der Menschen vertrieben werden, welche man im Laufe des alten Jahres angesammelt hat. Ohne Lasten und Sünden soll der Mensch ins neue Jahr gehen. An einigen Tempeln kann man sogar selbst die Glocke schlagen. Wenn die 108 Schläge verklungen sind, kann das neue Jahr beginnen. Ob das zeitlich immer genau auf 0 Uhr fällt, kann ich gar nicht genau sagen.
Ich selbst habe die 108 Glockenschläge zu Silvester noch nie erlebt und auch nie gehört (abgesehen von der Fernsehübertragung – alle 108 habe ich allerdings bisher noch nicht geschafft).

Meine Schwiegereltern, wo wir bisher immer zu Silvester waren, wohnen relativ weit von allen Tempeln entfernt. Da hört man keine Glocken. Und nachts durch die Kälte zu laufen, betrunken am Tempel zu stehen und dann nach einer Stunde und 108 Glockenschlägen wieder den ganzen Weg durch die Kälte zurück zu laufen… Steht noch auf meiner To-Do-Liste.

Das Neue Jahr beginnt, das japanische Neujahrsfest beginnt

und damit auch all die vielen „ersten Male im neuen Jahr“: Der erste Tempelbesuch, der erste Sonnenaufgang, der erste Traum, das erste Frühstück, das erste Bad…

Wie das japanische Neujahrsfest aussieht erfährst du HIER.

frohes neues Jahr

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3 Kommentare

  1. Pingback: Silvester rund um die Welt – 6 Reiseblogger erzählen | Tiny Traveler

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