Keiro no Hi – Respekt vor dem Alter | 敬老の日

Keiro no Hi - Tag des Respekts vor den alten Menschen - Japanischer Feiertag. Bild: Ein altes Paar sitzt auf einer Bank und schaut aufs Meer | Nipponinsider Japanblog

[Update am 18.9.2017]
Wieder ist ein Tag im japanischen Kalender rot markiert.

Rot heißt auf Japanisch übrigens Aka • 赤.

Aka-chan • 赤ちゃん ist dementsprechend das Baby oder frei übersetzt: das kleine Rote.

Mit der Geburt fängt das Leben an, das mitunter in Japan sehr lang sein kann.

Im Schnitt 84 Jahren werden die Japaner und sind damit im Ländervergleich momentan Nummer 1 (laut WHO Statistik von 2014).

Dieses lange Leben wird am Keiro no Hi gefeiert!


Hier erfährst du alles über diesen ganz besonderen Tag.

Wann wird gefeiert?

Seit 2003 wird der Keiro no Hi am 3. Montag im September gefeiert. Damit reiht er sich ein in die Happy-Monday-Feiertagsserie* und beschert den Japanern ein langes Wochenende.

*Happy Monday Feiertage sind die folgenden Vier:

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Wer wird gefeiert?

In Japan gibt es besonders viele alte Menschen. Das gute und ausgewogene Essen mag ein Grund dafür sein, dass viele Japaner locker ihren 100sten Geburtstag erleben.

Wenn das kein Grund zum Feiern ist?

Aber wer gehört eigentlich zu diesen sogenannten „Alten“? – Offiziell ist es mit 60 Jahren soweit!

Denn mit 60 fängt in Japan das sogenannte 2. Leben an.

„Hä??? Das Rentenalter beginnt in Japan doch mit 65!!! Warum das 2. Leben dann schon mit 60???“

Was macht den 60. Geburtstag besonders?

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Der 60. Geburtstag – Kanreki • 還暦

Basierend auf den alten chinesischen Kalender gibt es die Form des 60-Jahre-Zyklus-Kalenders (Wikipedia) auch in Japan. Der Kalender ist ziemlich komplex und würde den Rahmen des Artikels hier sprengen. In seiner Komplexität wird der chinesisch-japanische Kalender HIER ganz gut beschrieben.

Kurz gesagt:
Wer 60 Jahre alt wird, der hat einmal den gesamten Kalender durchlebt, den ersten Lebenszyklus hinter sich und landet wieder genau an der Konstellation im Kalender, an der er geboren wurde.

Kanreki • 還暦 • かんれき bedeutet die „Rückkehr zum Kalender”. Also auf in die zweite Runde…

Die 60-Jährigen fangen also wieder als Babys an – als Aka-chan, den kleinen Roten.

Zum 60sten Geburtstag trägt man deshalb traditionell Rot: Eine rote Weste und eine rote Mütze. Allerdings ist diese Tradition vielen 60-Jährigen zu altmodisch.

Mein Schwiegervater hat nur einen roten Schal oder eine rote Krawatte akzeptiert und meine Schwiegermutter trägt seit sie 60 ist ab und an eine rote Handtasche, die sie zum Geburtstag bekommen hat.

Weil Rot eine besonders festliche Farbe ist, machen wir den alten Menschen an diesem Tag besonders gerne rote Geschenke.

Über ROT IN JAPAN kannst du HIER noch mehr erfahren!

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Wie wird gefeiert?

Seit 1966 gibt es den Feiertag zu Ehren der Alten, der einher geht mit vielen Veranstaltungen.

Besonders in den kleineren Gemeinden treffen sich heute Jung und Alt zum sogenannten Keirokai. Aus diesem Anlass haben Kinder in den Kindergärten und in den Schulen spezielle Aufführungen einstudiert. Ob es nun ein Theaterstück ist oder ein Lied, die in die Jahre gekommenen Menschen freuen sich über die Abwechslung und genießen diesen besonderen Tag.

In den Familien, in denen oft mehrere Generationen noch zusammen unter einem Dach leben, kommt das Lieblingsessen der Großeltern auf den Tisch – wobei das nicht der einzige Tag im Jahr ist, an dem die Großeltern sich was zu Essen wünschen dürfen!

Der Respekt gegenüber Senioren und alten Menschen in Japan hat mich immer sehr beeindruckt.

Und das Zusammenleben mit 3 Generationen und mehr unter einem Dach hält die Alten fit.

Auf dem Land ist es selbstverständlich, dass der älteste Sohn mit seiner Familie zu den Eltern ins Haus zieht. Mit dem 60sten Geburtstag des Vaters übergibt der die Aufgabe des Familienoberhauptes an seinen Sohn.

 

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Das besondere Fernsehprogramm des Tages

Schaltet man am Keiro no Hi den Fernseher ein, kommt man nicht drum herum und sieht Bilder der ältesten Japanerin im Land. Der wird ein offizieller Besuch abgestattet, inklusive Kamerateam.

Im Jahr 2016 ist die älteste lebende Japanerin mit 118 Jahren vorgestellt worden. Der älteste Japaner bringt es immerhin auf 112 Jahre.

Gerade sind wieder die jährlichen Statistiken zum Alter der Japaner veröffentlicht worden und es erstaunt immer wieder zu sehen, wie viele 100-jährige das Land mittlerweile hat:

2017 sind es angeblich schon über 67.824 (interessanterweise überwiegend Frauen) (japanische Quelle – Stand 17.9.2017).

Laut eines aktuellen Artikels in der Japantimes sind in diesem Jahr zum ersten Mal mehr als 2 Millionen in Japan über 90 Jahre alt. Und das, obwohl sich die Bevölkerungszahl jährlich verringert.

Geschenke für die 100-Jährigen

Früher (1963) hat die japanische Regierung jedem, der 100 Jahre alt wurde, einen silbernen Sakebecher geschenkt. Damals gab es überschaubare 153, die vom Staat am Keiro no Hi dieses kostspielige Geschenk erhielten.

Später stieg die Zahl der Beschenkten jedoch rasant schnell auf über 30.000 Beschenkte im Jahr 2008. Daraufhin beschloss die Regierung, die Becher etwas kleiner zu produzieren. Für die Zukunft muss sich der Staat was überlegen und ob er sich noch Silberbecher leisten kann, ist abzuwarten. Vielleicht wird es dann eine einfache Grußkarte geben.

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Die runden Geburtstage in Japan

Der 60. Geburtstag ist bestimmt der Wichtigste im Leben eines Japaners. Danach hört das feiern aber nicht auf. So gibt es noch weitere besondere Geburtstage:

  • 古希 • Koki – der 70. Geburtstag
  • 喜寿 • Kiju – der 77. Geburtstag
  • 傘寿 • Sanju – der 80. Geburtstag
  • 米寿 • Beiju – der 88. Geburtstag
  • 卒寿 • Sotsuju – der 90. Geburtstag
  • 白寿 • Hakuju – der 99. Geburtstag
  • 大還暦 • Ookanrei – der 120. Geburtstag oder der große 60. Geburtstag – damit hat man den Kalenderzyklus dann 2 mal durch!

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So lebst du länger

Eine japanische Studie hat sich mit dem Thema beschäftigt und wollte wissen, warum gerade die Menschen auf Okinawa so alt werden:

  1. Ernährung: Reis, Fisch und viel Gemüse, dazu nur wenig Fleisch, Eier und Milchprodukte.
  2. Lebensstil: Weniger Stress und viel Zeit zum relaxen
  3. Integration in die Gemeinschaft: Wo man sich liebevoll um den anderen kümmert.
  4. Aufgaben: Aktiv bleiben und seine Aufgaben für den Tag haben hält jung. Auch Arbeit wie Landwirtschaft und Gartenarbeit hält den Menschen fit.
  5. Spiritualität und Glauben: Einen Weg finden, mit Stress und Problemen umzugehen.

Mein Fazit

Der Keiro no Hi gehörte während meiner Zeit in Japan zu meinen Lieblingsfeiertagen.

Unter anderem auch, weil mein Mann an diesem Tag als Fotograf endlich mal frei hatte und wir seine noch lebenden Großeltern mütterlicherseits besuchten. Die konnten leider nicht mehr sprechen, aber ich glaube, sie haben mich gemocht, denn sie haben immer gelächelt.

Auch habe ich ab und an als „Entertainerin” in einem Seniorenheim gearbeitet. Die alten Menschen dort haben sich sichtlich über die Abwechslung gefreut.

Dabei habe ich festgestellt, dass es eine tolle Möglichkeit ist, Japanisch zu lernen, denn die meisten Älteren sprechen viel langsamer als die jungen Leute, die kaum Zeit haben. Wenn da nur nicht dieser „fiese” Dialekt, der Fukushima-Ben, gewesen wäre…

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Den nächsten nationalen Feiertag gibt es am 23. September:
春分の日 • Shubun no Hi • Tag der Tag-Nacht-Gleiche/Herbstanfang

1 Kommentare

  1. Pingback: Was wir diese Woche verfolgten – KW 39 2016 - 1mal1japan.de

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