Shubun no Hi – Herbstanfang in Japan | 秋分の日

Shubun no Hi - Tag der Ta-nacht-Gleiche in Japan oder Herbstanfang. Bild: Rauch auf einer Tempelanlage mit herbstlicher Atmosphäre | Nipponinsider Japanblog

Shubun no Hi, gab es den nicht schon mal in diesem Jahr?

Mit dem Shunbun no Hi – mit n – wird die Tag-Nacht-Gleiche im Frühling gefeiert.

Natürlich gibt es das auch zum Herbstanfang.

Ab jetzt werden die Tage wieder kürzer und die Japaner feiern auch das mit dem ähnlich klingenden Feiertag:

Shubun no Hi • 秋分の日

Der Feiertag am 22. September liegt in der Mitte der 7-tägigen Periode des Aki no Higan • 秋の彼岸.

Vielleicht erinnerst du dich an den Haru no Higan im März?

Genau wie im Frühling werden auch im Herbst die Verstorbenen auf den Friedhöfen besucht. Auf Japanisch nennt man diese Friedhofsgänge auch Ohakamaeri • お墓参り. Bei dem buddhistischen Fest geht es darum, sich an die Verstorbenen zu erinnern.

Japanische nationale Feiertage sind aber durchweg nicht religiös. Darauf wird großen Wert gelegt.

Unsere Friedhofstour* – Ohakamaeri • お墓参り

Das soll uns aber nicht davon abhalten, den verstorbenen Familienangehörigen auf dem Friedhof einen Besuch abzustatten. Mit frischen Blumen und japanischem Räucherwerk im Gepäck fahren wir los.

Unser erstes Ziel auf unserer Tour ist der Friedhof im Zentrum der Stadt. Hier befindet sich das Grab der Großeltern meines Mannes (väterlicherseits).

Es geht es weiter zum zweiten Friedhof am Stadtrand auf einem Berg. Die Gräber der Familie mütterlicherseits liegen an einem ganz besonders schönen Ort.

Der Ausblick auf die Stadt Fukushima fasziniert mich jedes Mal und auch wenn es mit der Färbung der Blätter an den Bäumen noch etwa 3-5 Wochen dauern wird, die Felder machen schon jetzt einen herbstlichen Eindruck:

Friedhof am Rande von Fukushima mit Blick auf einen Berg und auf die Stadt. Im Vordergrund Grabsteine | Nipponinsider Japanblog

©Nipponinsider | 18. September 2014 – Blick auf die Stadt Fukushima und auf den Shinobu-Yama.

Ein Freund von uns lebt auf dem Gelände des Friedhofes und arbeitet dort als Priester. Die Familie seiner Frau besitzt ein kleines Café unten in der Stadt.

Praktischerweise führt unser Weg immer an dem Café unserer Freundin vorbei, wo wir zu Mittag essen und den leckersten Kaffee der Stadt bekommen. Das Café trägt den schönen und zum Herbst so passenden Namen: Fuutoboku 風と木 (Wind und Baum).

Zum Abschluss unserer Tour fahren wir auf’s Land zu einem winzigen Friedhof, auf dem wir Daisukes Onkel besuchen. Mit dem Blick auf die noch grünen Berge steigt unsere Vorfreude, denn in einigen Wochen wird das hier alles Gelb, Orange und Rot sein. Dann hat der Herbst das Land erreicht.

Herbst in Japan, die Blätter der Bäume färben sich in Gelb, Orange und Rot.

Herbst in Tohoku

*Diese Tour haben wir nicht nur am Shubun no Hi gemacht, sondern einmal im Monat, immer wenn es unsere Zeit zuließ.

So eine Friedhofstour hört sich vielleicht etwas langweilig an, aber irgendwie ist es uns zu einer liebgewonnenen Routine geworden, die ich jetzt in Deutschland sehr vermisse. Es war eine guten Mischung aus Friedhofsbesuchen, Freunde treffen, leckerem Essen und einfach so mit dem Auto durch die Gegend fahren.

Herbst in Japan

Die Temperaturen fallen endlich und es wird wieder erträglich, raus in die Natur zu gehen. Herbstwetter, das muss kein Schmuddelwetter aus Wind und Regen sein.

In Japan habe ich den Herbst lieben gelernt. Der Himmel ist strahlend blau und die Sonne scheint – meistens – aber die Temperaturen sind mild und angenehm. Eine Strickjacke ist langsam angebracht. (Die braucht man auch in den heißen Sommermonaten, wenn die Klimaanlagen auf vollen Touren laufen.)

Ich kenne kaum ein Land, in dem der Frühling mit seiner Blütenpracht und der Herbst mit seinen bunten Blättern so verehrt wird, wie in Japan. Ab Oktober bis Ende November „jagen” Japaner der wundervollen Laubverfärbung hinterher,  reisen durchs Land und habe dafür ihr eigenes Wort:

Momijigari • 紅葉狩り

Momiji bezeichnet das tiefe Rot der Blätter. Besonders der Ahornbaum bringt es hier in Japan auf das schönste und satteste Rot an den Bäumen, das ich jemals beim Ahorn gesehen habe. Und Gari bedeutet übersetzt jagen.

Den tiefroten Blättern hinterherjagen!

Dabei braucht man gar nicht schnell zu sein, denn die Farbenpracht kann man einige Wochen bewundern – anders als die Kirschblüte, die kurz nach der Blütezeit auch schon wieder abgefallen ist.

In den Parks der großen Städte oder in den kleinen Gärten der Häuser sind die bunten Bäume kaum zu übersehen.

Aber die ganz besonderen herbstlichen Verfärbungen der Bäume findet man in den Bergen und Wäldern des Landes. In kräftigem Gelb, tiefem Orange und sattem Rot zeigen sich die Bäume an den Hängen von ihrer allerschönsten Seite.

Der Herbst in Tohoku

Tohoku, die nördliche Region der Hauptinsel, in der ich gelebt habe, ist bei Japanern schon lange kein Geheimtipp für Momijigari mehr.

Hier stelle ich dir mal eine Auswahl der beliebtesten Herbst-Spots in Tohoku mit weiterführenden Links vor:

  • In der Präfektur Akita • 秋田県 beginnt Momijigari bereits Ende September:

Besonders schön hier ist der Berg Kurikomayama • 栗駒山
und der Berg Choukaisan • 鳥海山 an der Küste des japanischen Meeres mit einem Wahnsinns-Ausblick.

  • Der Herbst in der Präfektur Aomori • 青森県 beginnt ab Mitte Oktober:

Die lange Brücke nahe Aomori-Stadt, Jougakuraoohashi • 城ヶ倉大橋 ist mit dem Auto einfach zu erreichen.

Aus vielen Werbespots bekannt ist Tsutanuma • 蔦沼 im Gebiet von Hakkouda •八甲田 am SeeTowada • 十和田湖.

  • In der Präfektur Miyagi • 宮城県 ab Ende Oktober:

Die Schlucht Narukokyou • 鳴子峡 ist auch ohne herbstliche Farben schon eine Wucht.

Energie tanken

Wie du mittlerweile sicher schon festgestellt hast, bin ich ein großer Herbst-Fan. Frühling und Herbst in Japan sind die Energiequellen für Menschen und Tiere.

Der Frühling steht für den neuen Start in ein Schul- oder Arbeitsjahr. Das Leben erwacht aus seinem Winterschlaf, alles wird wieder schneller und quirliger.

Im Herbst kann man ein letztes Mal Energie tanken, bevor es kalt wird. Der Herbst hat so was Beruhigendes an sich, man fährt langsam runter und sitzt mit einem heißen Tee in eine dicke Decke gehüllt auf der Couch und sieht dem Winter gelassen entgegen.

Und ich weiß genau, der nächste Frühling kommt. Wobei der Winter in Japan auch seine Reize hat und ich stehe ja auf den Anblick von schneebedeckten Bergen.

Aber jetzt kommen erstmal die bunten Zeiten…

Herbst in Kyoto

Herbst in Kyoto

Verrate mir doch: Welches ist deine liebste Jahreszeit?

Den nächsten nationalen Feiertag gibt es am 10. Oktober:
体育の日 • Taiiku no Hi • Tag des Sports

2 Kommentare

  1. Hallo Daniela,

    wieder ein toller Post!
    Wir sind auch gerade am überlegen WANN wir 2017 nach Japan gehen und ich tendiere auch stark für die Herbst-Monate! Die Herbstfarben sind einfach ZU schön in Japan ^^ Momijigari ich komme!

    Grüßchen
    Eva

    • Liebe Eva,

      vielen Dank.
      Wenn du wählen kannst, dann bist du in einer guten Position. Unsere Japan-Urlaube sind leider immer nur im September möglich gewesen. Die Friedhofstour können wir dann zwar auch machen, aber ich würde so gerne mal wieder im Frühjahr oder Herbst oder im Winter reisen. Der Herbst hat gegenüber dem Frühling den Vorteil, daß nicht ganz so viele ausländische Touristen unterwegs sind und Flugpreise sind besser.
      Ich wünsche euch ganz viel Spaß. Wäre schö, wenn du danach berichten könntest. Ist es das erste Mal?

      Liebe Grüße
      Daniela

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