Japan feiert den Tag des Berges am Yama no Hi | 山の日

Der Tag des Berges in Japan wird Yama no Hi genannt - 山の日. Bild: Ein rotes Toori auf einem grünen kleinen Berg | Nipponinsider

Am 11. August 2016 ist es soweit. Dann feiert Japan zum ersten Mal den Feiertag zu Ehren des Berges, der 2014 beschlossen wurde.

Genau wie beim Umi no Hi • 海の日 dem Tag des Meeres, steht die Natur wieder im Vordergrund.

Wie wird gefeiert?

Eine gute Frage?

Weil der nationale Feiertag ganz neu ist, muss ich hier passen.

Ich habe ihn nie selbst erlebt!

Ob die Japaner alle auf die Berge strömen, kann ich nicht sagen.

Ich habe meine Schwiegermutter dazu befragt. Die ist Japanerin und sollte es wissen.

Meine Schwiegermutter meinte: „In Japan soll jeder Monat in Zukunft einen Feiertag habe, weil alle soviel arbeiten und von alleine keinen Urlaub nehmen.“

Ich fragte weiter, ob sie etwas besonderes geplant hätten am Tag des Berges. Meine Schwiegereltern sind beide bereits in Rente gegangen. Darauf wies sie mich nochmal hin und meinte nur: „Ach, seit wir nicht mehr Arbeiten, ist jeder Tag für uns ein Feiertag! Auf einen Berg klettern wir jedenfalls nicht.“  Ein bisschen kenne ich die beiden schon, und hatte mir das fast gedacht.

Mit dem Wandern haben es die beiden nicht so. Sie haben ihre eigene Art, Berge zu bewundern:

Unser Ausflug in die Berge

Als ich die japanische Familie meiner damaligen „Urlaubsliebe“/ Daisuke zum ersten mal im Sommer 2003 traf, da dachten alle, ich sei auf der Durchreise und würde nur ein paar Tage bleiben. Ich war der ausländische Gast. Das ich mal ihre Schwiegertochter werden würde, daran dachte damals noch niemand.

Deshalb wurde die erste Woche meines Aufenthaltes bei der Familie in Fukushima eine ganz besondere Zeit des Reisens.

In dieser einen Woche versuchten Daisukes Eltern, gastfreundlich wie sie nun mal sind, mir soviel wir möglich von der Gegend zu zeigen.

Gleich am Wochenende fuhren wir mit dem Auto die berühmte Fukushima Sky Line hinauf,  besser bekannt als Bandai-Azuma Skyline 磐梯吾妻スカイライン. Damals musste man noch für die Schönheiten auf der Strecke dieser Straße durch die Berge eine Maut zahlen, seit 2013 ist die Benutzung umsonst.

Nie vergessen werde ich die wunderschöne Berglandschaft, die ich auf dieser knapp 30 km langen Strecke sah.

Nur wenige Wochen zuvor waren Daisuke und ich in überfüllten Bussen und auf deren Dächern oder in fremden Trucks durch die nordindische Berglandschaft gereist: durch Ladakh und durch das Kashmir Gebiet.

Jetzt saßen wir beide auf der Rückbank einer deutschen Luxuslimousine und kamen uns vor wie ein Maharadscha mit seiner Maharani. Wir schauten durch die getönten Scheiben unseres klimatisierten Fahrzeuges und dachten wohl beide das Gleiche: „So ist es auch ganz schön!“

Die Fahrt ging hinauf zum Fuße eines Vulkan: der Azuma wird auch gerne als der kleine Fuji bezeichnet und daher liebevoll Azuma-Kofuji • 吾妻小富士 genannt, weil er so gleichschenklig ist, wie sein großer Bruder.

Hier hielten wir natürlich an und machten uns gleich auf den Weg zum Krater.

Dachte ich jedenfalls.

Wir gingen die 100 m bis zum Ende des Holzweges. Dort gab es eine Erklärungstafel, die studiert wurde und für ein paar „Wir-waren-da-Fotos“  herhalten musste. Und dann gings auch schon wieder zurück zum Auto.

Auf der Rückbank im gekühlten Wagen sitzend, hatten Daisuke und ich wieder die gleichen Gedanken: „Da wäre ich gerne hochgelaufen. Hätte zu gerne gewusst, wie es da im Krater aussieht.“

Aber es stand noch viel auf dem Programm an diesem Tag: Aizu, der See Inawashiro inklusive Speedboat-Tour (die soviel gekostet hat wie ein Monat meiner Indienreise!!!) und Soba essen in Aizu-Wakamatsu mit Besichtigung der Burg dort.

Eine 2 Stunden Wanderung inklusive Kraterumrundung war deshalb leider nicht drin und Daisukes Eltern trugen auch nicht das passende Schuhwerk zum Wandern.

Die vielen Touren durch die Berge Tohokus im Auto in meiner ersten Woche hörten übrigens schlagartig auf, als Daisuke eines Abends erklärte, dass ich wohl noch ein paar Monate bleiben würde.

Nach diesem Abend wurde alles anders – keine Touren mehr durch die Gegend, stattdessen ging es mit der Mutter zum Einkaufe. Kochen, Putzen, Wäschewaschen… die alltäglichen Arbeiten wurden ein Teil meines Aufenthaltes. So wurde ich vom Gast zum Familienmitglied.

Als Daisuke ein eigenes Auto hatte, führte unsere erste Tour in die Bandai-Azuma Berge, wo wir dann erwartungsvoll zum Krater des Vulkans hoch liefen.

Die Aussicht war wunderschön, aber im Inneren des Vulkans sah es enttäuschend langweilig aus – nichts zu sehen.

Der Azuma Kofuji von oben. mit blick in den Krater und den Kraterweg. Yama no Hi, der Tag des Berges 山の日 | Nipponinsider

©2004 by Nipponinsider | Nicht direkt auf dem Kraterweg beim Umrunden, aber mit tollem Blick auf den Azuma

山 = YAMA = der Berg

Eines der ersten Zeichen, die ich im Japanischen lernte, war dieses Zeichen: 山

Es sieht ja schon aus wie ein Berg, oder nicht?

Auf Japanisch wird  = Yama gelesen oder als Suffix = -san, wie z.B. bei dem Wahrzeichen Japans, dem Fuji-san • 富士. Dabei handelt es sich, wenn man es genau nehmen will, um einen Vulkan.

Berge sind toll

Ich mag Berge, vor allem der Anblick von einem mit Schnee überzogenen Berg lässt mein Herz höher schlagen.

Aufgewachsen bin ich bergfrei im platten Land Ostwestfalens. Deshalb war das Größte für mich während meiner Zeit in Japan, morgens die Vorhänge vor dem Fenster zu öffnen und auf die Berge zu schauen.

Blick aus dem Fenster auf die Berge von Fukushima | 福島市。 Herrliches Wetter im Dezember. Klarer blauer Himmel und Sonnenschein

©2004 by Nipponinsider | Blick aus dem Fenster auf die Berge bei Fukushima-Stadt | 福島市

Die Natur ist mächtig, das wird mir auf Bergen immer klar. Es gibt Pflanzen und Lebewesen, die sich an die rauen Bedingungen, dem kräftigen Wind und an die kühle Höhe gewöhnt und angepasst haben.

Einen Berg zu besteigen fordert mich heraus. Das mag ich.

Durchhaltevermögen ist gefragt und selbst wenn man unterwegs denkt „Scheiße, warum tue ich mir das eigentlich an?“ stehe ich am Ende oben und weiß warum!

Der Blick von oben lässt alles andere plötzlich unwichtig erscheinen und setzt Energien frei, die einem das Gefühl geben, alles im Leben erreichen zu können. Probleme können bewältigt werden, nicht ohne Anstrengung, aber am Ende lohnt sich, wie auch im Leben, der harte Weg.

Das macht Berge für mich zu etwas Einzigartigem. Und daher freue ich mich über diesen neuen Feiertag am 11. August ganz besonders.

Der Tag des Berges kommt auch ganz praktisch daher

Das der 11. August 2016 ein Donnerstag ist, hat einige Vorteil. Auch 2017 verlängert er praktischerweise das Wochenende um einen Tag.

Aber  was passiert wohl in zwei Jahren?
Wenn der 11. August auf einen Samstag fällt, wird der Feiertag doch bestimmt wieder auf einen Wochentag verschoben, oder?

Meine Schwiegermutter findet den neuen Tag übrigens klasse, auch wenn sie keinen Drang verspürt, auf Berge zu klettern.

Das hat mit einem buddhistischen Brauch zum Obon-Fest zu tun, an dem die verstorbenen Vorfahren geehrt werden.

In der Familie meines Mannes ist das ein sehr wichtiges Fest.

Mein Schwager, Daisukes jüngster Bruder, lebt mittlerweile in Kyoto und hat kaum Zeit. Zwei Mal im Jahr fährt er zu seinen Eltern zurück nach Fukushima, zum Neujahrsfest im Winter und zum Obon im Sommer.

Alle freuen sich ganz besonders, wenn „der Kleine“ mal wieder nach Hause kommt. In den letzten Jahren ist er mit dem Nachtbus Samstags angereist und am Sonntag schon wieder mit dem Shinkansen zurück.

Dank des neuen Feiertages, reist er in diesem Jahr schon am Mittwoch an und verlässt Fukushima erst am Montag wieder Richtung Arbeit.

Meine Schwiegermutter ist überglücklich. Jetzt fehlen nur noch wir und die Familie wäre endlich mal wieder komplett. Aber in diesem Jahr wird das leider wieder nichts.

Dabei wäre ich so gerne mal wieder im Sommer nach Japan gekommen, um endlich den Fujisan zu besteigen.

Zum Abschluss

Ein bekanntes Sprichwort in Japan:

富士山に一度も登らぬ馬鹿、二度登る馬鹿

Du bist ein Idiot, wenn du den Fuji-san nicht einmal bestiegen hast,
du bist ein Idiot, wenn du ihn zweimal besteigst.

Auf meiner Facebook-Seite NIPPONINSIDER findest du übrigens jeden Mittwoch einen japanisches Sprichwort, eine Weisheit oder einen japanischen Spruch. Oder suche einfach mal nach dem Hashtag immermittwochs

#immermittwochs

Den nächsten nationalen Feiertag gibt es am 19. September:
敬老の日 • Keiro no Hi • Der Tag des Respekts vor den alten Menschen

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