„In welcher Sprache unterhaltet ihr euch eigentlich?“ | FAQ

FAQ-Wie feiert ihr eigentlich Weihnachten? | Nipponinsider

Oft werden wir das gefragt.

Mein Mann ist Japaner, ich bin Deutsche.

Wie das bei bi-nationalen Beziehungen nun mal so ist, muss man sich früher oder später auf eine Sprache einigen, damit es mit der Kommunikation klappt.

Muss man das eigentlich?

Unsere Kennenlern-Sprache

Kennengelernt haben wir uns auf Reisen in China.

Englisch war zu der Zeit unsere Kommunikationssprache – mit den Chinesen (mehr oder weniger) und mit anderen Reisenden. Also haben wir uns „auf Englisch kennengelernt“.

(Wie wir uns kennengelernt haben, ist eine andere ewig gestellte Frage. Die habe ich dem Artikel  mit dem provokativen Titel Wie ich mir einen Japaner angelte erzählt.)

Allerdings lief das mit der Unterhaltung anfangs sehr schleppend.

Denn Daisukes Englisch war…

…eher japanischer Durchschnitt. Also nicht so dolle.

Das sollte sich aber mit den Monaten ändern, zumal wir fast ein halbes Jahr in einem „englisch-sprachigen Land“ reisten: in Indien.

Unsere Beziehungssprache in Japan

In Japan haben wir zunächst weiterhin Englisch miteinander geredet.

Dort hörte ich Daisuke auch zum ersten Mal in seiner Muttersprache.

Mann war das ein Schock!!!

Wusstest du, dass sich die Stimme verändert und sich einer Sprache anpasst?

Der Mann war mir plötzlich fremd. An seiner Stimme konnte ich ihn plötzlich nicht mehr erkennen.

Ufff. Daran musste ich mich erst mal gewöhnen.

Und weil es mit meinem Japanisch nur sehr schleppend voran ging, blieben wir vorerst beim Englisch.

Daisuke fand es sogar ganz gut, Englisch zu sprechen. Er kam sich irre cool vor, der kleine Angeber 😉

Alle bewunderten ihn, denn mittlerweile sprach er fliessend. Erstaunlicherweise ganz ohne indischen oder deutschen Akzent.

„Super Idee! Ich hätte auch gerne eine ausländische Freundin / einen Freund aus dem Ausland. Dann könnte ich auch endlich mein Englisch verbessern!“ Solche Sätze hörten wir damals oft von seinen Freunden. Die Wahrheit dahinter behielten wir lieber für uns 😉

Für uns war das Englisch aus einem ganz anderen Grund ganz praktisch: fast wie eine Geheimsprache, konnten uns die Japaner nicht bei unseren Gesprächen belauschen.

Denn wir sprachen kein normales Englisch!!!

Immer wenn wir Leute trafen, die Englisch-Muttersprachler waren, bemerkten wir etwas Seltsames: Die verstanden uns manchmal gar nicht.

Daisuke und ich sprachen tatsächlich unser ganz eigenes Englisch.

Unterwegs auf Reisen hatte es oft keine Möglichkeit für uns gegeben, etwas nachzuschlagen (Smartphones und Google-Übersetzer gab es 2002 noch nicht).

Also erfanden wir einfach eigene Wörter, wenn wir nicht weiterwußten.

Wir sprachen Dai-Dani-glisch.

Es gab noch einen weiteren Grund, warum wir uns auch in Japan weiter auf Englisch miteinander unterhielten. Den möchte ich nicht verschweigen.

Daisuke fand es sehr anstrengend, mir nach 12 Stunden Arbeit zuhören zu müssen. Ein Phänomen, dass auch Paare gleicher Muttersprache teilen mögen.

Ich erzählte irgendetwas auf Japanisch und oft hatte er keine Ahnung, um was es eigentlich ging. Aber er wollte ja auch nicht unhöflich sein oder demotivieren. Aber er war müde von der Arbeit und hatte keine Lust auf Ratespiele.

Das half meinem Japanisch natürlich nicht.

Aber ich hatte Gott sei Dank noch viele andere Gelegenheiten, anderen damit auf die Nerven zu fallen.

Der Switch zu Dai-Dani-japaninglisch

Mit der Zeit wurde mein Japanisch dann Gott sei Dank besser.

Ich hatte unterschiedliche Jobs, mal musste ich Japanisch sprechen, mal Englisch.

Es kam der Moment, in dem ich „zweisprachig“ wurde.

Das ist der Moment, wenn man im Nachhinein nicht mehr sagen kann, auf welcher Sprache man sich unterhalten hat. Beide Sprachen existierten parallel in meinem Kopf.

Bei Daisuke überwog mittlerweile im Alltag natürlich das Japanische.

Er hatte Angst, sein hart erlerntes Englisch zu vergessen und so unterhielten wir uns meistens auf Daidaniglisch mit starken Japanisch-Einflüssen: dai-dani-japaninglisch könnte man sagen.

Es gibt einfach zu viele Wörter, die es nur im Japanischen gibt.

Warum sollten wir die übersetzen?

Ehrlich gesagt, ich kann heute nicht mehr genau sagen, welche Sprache wir am Ende des Tages am meisten verwendet hatten.

Aber eines kann ich mit Sicherheit sagen: Wenn wir gestritten haben, dann in Englisch.

Machen wir heute noch so.

Englisch ist unsere Streit-Sprache.

Da hatten wir auf Reisen schließlich ordentlich geübt. Was haben wir uns da oft gestritten! Aber so richtig: mit heulen, in unterschiedliche Richtungen laufen und dann denn anderen verzweifelt suchen in irgendeiner indischen Metropole (und ohne Handys).

Und noch etwas kann ich mit Sicherheit sagen: Mein Deutsch war damals grauenhaft.

Es gab Monate, in denen ich kein einziges deutschen Wort sprach, hörte oder schrieb.

Ich hatte alle deutschsprachigen Filme aus der Videothek auch irgendwann durch (das waren noch die Zeiten vor Netflix und YouTube). So habe ich am Ende sogar alle Staffeln von Cobra11 – die Autobahnpolizei gesehen, nur um mal wieder Deutsch zu hören.

Und jetzt in Deutschland?

Seit wir in Deutschland leben hat sich viel verändert.

Wir haben wieder einen kompletten Switch gemacht und reden nur noch Deutsch miteinander.

Nur in der Bahn oder im Restaurant, wenn wir wollen, dass uns niemand versteht, dann sprechen wir Japanisch.

Komischerweise auch, wenn wir miteinander telefonieren oder wenn wir uns einen japanischen Film ansehen.

Und ein paar Standards haben wir übernommen:

  • Itadakimasu (Guten Appetit)
  • Oishi (Lecker!)
  • Gochisousamadeshita (nach dem Essen)
  • Tadaima (Ich bin zuhause!)
  • Okaeri (Schön dass du wieder zuhause bist!)
  • Otsukare (nach getaner Arbeit!)
  • Oha (unsere Kurzform für Ohayo – Guten Morgen. Wir sind morgens beide mundfaul!)

Streiten tun wir aber nach wie vor auf englisch, oder besser gesagt: daidaniglisch.


FAQ Überblick

Es gibt ein paar Fragen, die uns immer wieder gestellt werden:

  • Warum seid ihr nach Deutschland gezogen?
  • Wo lebt ihr lieber? In Deutschland oder in Japan?
  • Was vermisst ihr an Japan am allermeisten?
  • Wie oft reist ihr nach Japan?
  • In welcher Sprache unterhaltet ihr euch?
  • Streitet ihr euch und wenn ja, in welcher Sprache?
  • Wie habt ihr euch kennengelernt?
  • Wollt ihr noch mal auf eine große Reise gehen?
  • Werdet ihr irgendwann nach Japan zurückgehen?
  • Wo wollt ihr als nächstes leben?
  • Warum habt ihr unterschiedliche Nachnamen?
  • Gab es zu Anfang eurer Beziehung auch mal große Missverständnisse?
  • Wieso bist du am Ende so lange in Fukushima geblieben?
  • Warum habt ihr nicht in Tokyo gelebt?
  • Als was hast du in Japan gearbeitet?
  • Wie hast du deinen Job in Japan gefunden?
  • Was haben eure Eltern zu der Beziehung gesagt?
  • Wo und wie habt ihr geheiratet?
  • Wie feiert ihr eigentlich Weihnachten?
  • Hat Daisuke in Deutschland schnell einen Job gefunden?
  • Wie hat Daisuke Deutsch gelernt?
  • Wie und wo hast du Japanisch gelernt?
  • Was stört dich an Japan am meisten?
  • Was stört Daisuke an Deutschland am meisten?

Deine Chance, mir noch eine gezielte Frage zu stellen!

Kategorie FAQ

13 Kommentare

  1. Hmm, wir sprechen nur Japanisch. Wir sind langweilig 🙂

    Mein Deutsch ist übrigens immer noch zum Teil sehr schlecht.
    In zwei oder mehr Sprachen sprechen ist schwierig.

    • Ob langweilig oder nicht. Hauptsache man kann sich überhaupt unterhalten, finde ich wichtig😉

  2. Interessant ist das schon, dass Ihr – dabei seid Ihr sicherlich nicht die einzigen – bestimmte Rituale (Du nennst sie „Standards“) in einer bestimmten Sprache macht. Das gehört dann einfach auch zum Ritual dazu.
    Witzig sind auch Freundeskreise, die quasi dreisprachig sind (also deutsch, englisch und japanisch) und man manchmal eben auch in einem Satz Elemente aus allen drei Sprachen verwendet – und keiner wundert sich darüber, weil es ihnen genauso „natürlich“ erscheint 😉
    LG aus Moabit,
    Rainer

    • Ja so SprachenMischmasch kenn ich auch. Am Ende ist nur wichtig, überhaupt miteinander zu reden, nicht wahr?

    • Ich habe schon voll nachgedacht, aber mir fällt bewusst keins ein. Wir müssten da erst wieder einen Muttersprachler zuhören lassen. Für uns hört sich das alles ganz normal an.

  3. Sehr gute Lösung für das Sprachproblem.
    Gefällt mir echt sehr gut das ihr da zum teil eure Geheimsprache habt & wirklich sehr schön das ihr trotzdem Standards übernommen habt in Deutschland

    • Wäre spannend zu sehen, ob wir in Japan auch deutsche Floskeln übernehmen würden und wie es wäre, wenn wir in ein Land ziehen würden, wo Englisch gesprochen wird 😉

  4. Sehr schöner Artikel, bei dem ich mich an vielen Punkten total angesprochen fühle. Ich glaube, ich habe ähnliche Erfahrungen unter anderen Bedingungen gemacht.

    Vor allem deine Beobachtung, dass sich die Stimme und irgendwie auch der Charakter ändert, wenn eine andere Sprache gesprochen wird.
    Ich empfinde die unterschiedlichen Sprachen manchmal wie eine andere Frequenz. Der Zugang zu meiner japanischen Frau fühlt sich ganz anders an, je nachdem ob ich Japanisch oder Deutsch spreche.

    Beispielsweise habe ich irgendwann (nach tausend Jahren) festgestellt, dass ich Streit vermeiden kann, wenn ich ein Problem auf Japanisch schildere. Das scheint besser annehmbar für sie zu sein.

    • Hallo Florian.
      Freut mich. Aus eigener Erfahrung kann ich dir da aber auch nur zustimmen. Andere Sprache andere Wahrnehmung. Wahrscheinlich arbeitet unser Hirn dann irgendwie anders. Das haben Wissenschaftler sich mal ganz genau untersucht. Wäre interessant, das mal etwas fundierter nachzulesen.

      Vielleicht finde ich dazu noch eine passende Lektüre zum Verlinken.

      dewa, mata
      Daniela

  5. Du hasts gut, meine Frau kann zwar ziemlich gut Deutsch, war aber immer zu faul um nach der Arbeit noch Deutsch zu reden, und ich lernte damals gerade Japanisch also sprachen wir im Prinzip immer Japanisch.

    Das mag ja meinem Japanisch geholfen haben, nur sprechen unsere Kinder jetzt leider auch kaum Deutsch. Schon schade.

    • Mit Kindern ist das alles noch mal eine ganz andere Geschichte. Das stelle ich mir gar nicht so einfach vor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.