Die Geschichte des Sternenfestes – Tanabata | 七夕

[UPDATE: 3. Juli 2018] 

Ab Juli siehst du sie überall in Japan: bunte langen Papierschlangen und Bambus-Zweige mit kleinen Zetteln daran.

Und vielleicht hast du dich auch gefragt, was steckt dahinter?

TANABATA – Was genau ist das eigentlich, das sich anhört, wie eine indische Truck-Firma?

Die Tanabata-Sage

Die Geschichte, die man sich so oder so ähnlich zur Entstehung von dem Sternenfest Tanabata in Japan erzählt, erinnert an eine Liebestragödie mit jährlichem Happy End.

Ursprünglich wohl aus China stammend, hörte ich folgende Geschichte:

Es war einmal eine fleißige Weberin namens Orihime 織姫 (frei übersetzt mit Textilarbeiterin), zufälligerweise die Tochter des Himmelskaisers oder vielleicht auch Himmelsgottes – auf jeden Fall der Chef da ganz oben!!!

Seine Tochter war ein sehr fleißiges Sternchen. Nun war ihr Papa vorrangig Vater und nicht Arbeitgeber, deshalb wünschte er sich ein wenig Abwechslung im Leben seiner Tochter.

Ein Mann musste her!!!

Da gab es den ganz hellen Rinderhirten Hikoboshi 彦星 (männlicher Stern). Im Himmel wird nicht lang gefackelt und so wurde die Tochter vom Big-Boss gleich mal mit Hikoboshi verheiratet.

Ob das alles Sinn macht, das will ich gar nicht hinterfragen. Es handelt sich schließlich um eine uralte Überlieferung. Und ich gebe die Geschichte hier einfach nur mit meinen eigenen Worten wieder.

Orihime schien von dem Hirten, der in meiner Vorstellung bestimmt braun gebrannt und muskelbepackt war, ganz angetan zu sein, und war so verliebt, dass sie jetzt gar nicht mehr an ihrem Webstuhl zu sehen war.

Hikoboshi kümmerte sich nach der Heirat intensiv um seine Ehefrau, was ich ja sehr begrüße, nur leider verwahrlosten seine Rinder immer mehr.

Das verärgerte den Himmelsgott am Ende so sehr, dass er die beiden Verliebten trennte: Hikoboshi sollte fortan auf der einen Seite eines großen Flusses seine Rinder hüten und seine Tochter Orihime sollte auf der anderen Seite des Flusses namens Milchstraße wieder fleißig weben.

Einmal im Jahr durften sie sich aber dann doch wiedertreffen.

In der 7. Nacht des 7. Neumondes konnten sie den Fluss überquert und die Japaner feiern das Zusammentreffen der Verliebten jedes Jahr mit einem Fest – mit Tanabata.

Über die Milchstraße kamen die Verliebten aber nur, wenn es nicht regnete. So hoffen Japaner natürlich immer auf eine regenfreie Nacht. Gerade zur Regenzeit kein ganz unüblicher Wunsch.

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Warum am 7. Juli?

Dass man das mit dem Datum nicht so genau nimmt in Japan, habe ich schon einige Male erlebt.

So wurde mein Geburtstag in meiner angeheirateten japanischen Familie oft einfach ein paar Tage vorverlegt, mit großem Dinner, Geschenke und Anstoßen auf mein voranschreitendes Alter. Als ich darauf hinwies, dass es in Deutschland Unglück bringt, vor dem eigentlichen Geburtstag zu gratulieren, winkte man gelassen ab: „Dein Geburtstag ist doch an einem Wochentag, da haben wir alle keine Zeit. Heute am Samstag passt es uns viel besser! Und nächste Woche feiern wir ja schon den Geburtstag von O-kasan (meiner Schwiegermutter).“ Praktisch denkende Menschen sind sie ja, die Japaner.

Ähnlich praktisch verhält es dich auch mit dem Tanabata-Fest, dem Sternenfest.

Tanabata • 七夕 heißt wörtlich übersetzt: der siebente Abend.

Gemeint ist damit der sieben Tage alte Mond des siebten Mondes im Jahr. Der japanische Mondkalender hängt unserem Kalender allerdings knapp einem Monat hinterher. Demnach müsste der 7. Tag des 7. Neumonds 2018 nach japanischen Berechnungen auf den 17. August  fallen und 2019 auf den 7. August.

Wenn ich einen Blick auf unseren Mondkalender 2018 werfe, sehe ich:
Der 7. Neumond ist am 13. Juli, demnach müsste man das Fest also eigentlich am 20. Juli stattfinden.

Im nächsten Jahr 2019 fällt der 7. Tag des 7. Neumondes auf den 9. Juli, zumindest nach unserem Mondkalender.

Aber wer kann sich schon den Mondkalender merken?

Richtig, das haben sich die Japaner auch gedacht und feiern einfach am 7. 7. – kann man sich gut merken – praktisch gedacht, wieder mal.

Um die Sache doch noch ein wenig komplizierter zu machen, findet das schönste und bekannteste Tanabata-Fest des Landes aber am 7. August statt. In Sendai, in der Präfektur Miyagi, der größten Stadt der Region Tohoku, in der wir lebten. Aber dazu komme ich später.

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Warum heißt es Sternenfest?

Erinnerst du dich noch an die Sage, die ich dir anfangs erzählt habe? Die beiden Verliebten Orihime und Hikoboshi, die getrennt wurden?

Die beiden kannst du sogar bei uns in Deutschland sehen.

An sternenklaren Nächten ist am nördlichen Sternenhimmel (sowohl in Japan, als auch in Europa) das Sommerdreieck deutlich erkennbar.

Der markante Stern Deneb im Sternbild des Schwans spielt bei der Geschichte allerdings keine Rolle.

Es geht um den hellen Stern, die Wega im Sternbild in der Leier (so heißt das bei uns auf deutsch – auf japanisch: 織女星 (しょくじょせい oder gesprochen: Shokudjo-sei) • Stern der Weberin. Die Wega als weiblicher Stern symbolisiert also die Weberin Orihime.

Der männliche Stern Hikoboshi 彦星 ist bei uns bekannt als Altair im Sternbild des Adlers und ist tatsächlich der 12. hellste Stern am Himmel. Zwischen diesen beiden Sternen verläuft die Milchstraße.

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Die verliebten Sterne Wega und Altair am Himmel

Ich gehöre zu den Frauen, der man nachts die Sterne zeigen kann und damit mein Herz erobert. Ich bin immer beeindruckt, wenn jemand alle Sternbilder kennt.

Noch beeindruckender fand ich allerdings eine kostenlose App, mit der man sein Smartphone in den Himmel hält und es werden einem die Sterne mit Namen und Bilder gezeigt. Zum Beispiel:

Ob ich davon ein Bildschirmfoto veröffentlichen darf?

Um auf der rechtlich unbedenklichen Seite zu bleiben, gibt es deshalb ein völlig harmloses – aber einzigartiges Sternbild von mir: hergestellt aus Pasta und Spaghetti auf unserem flauschigen Teppich.

Ursprünglich wollte ich die Pasta-Sauce zur Milchstraße machen, aber dann dachte ich an die große Sauerei, die ich damit auf unserem Teppich veranstalten würde…

Die Anordnung am Himmel könnte sich leicht von meiner unterscheiden. Finde es selbst heraus!

©2016 by Nipponinsider | ungefähre Nachbildung der Leier / Wega und des Adlers / Altair

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Tanabata – Das Fest der Hoffnung

Anfang Juli wirst du an verschiedenen Orten in ganz Japan kleine Bambusbäume oder beschmückte Bambusäste entdecken.

In Schulen, Kindergärten und öffentlichen Gebäuden, sogar bei uns im Bahnhof von Fukushima gab es riesige Bambuszweige, an denen man seine Wünsche und Hoffnungen auf buntes Papier schreiben und an die Zweige knoten konnte, in der Hoffnung, die Wünsche mögen in Erfüllung gehen.

Diese kleinen Wunsch-Kärtchen nennt man Tanzaku • 短冊 (gesprochen: tann-sack) und ich kann mich noch sehr gut an mein erstes Tanzaku erinnern. Damals wünschte ich mir:

日本語を上手に話せたい
Nihongo wo jouzu ni hanasetai!
= Ich möchte besser Japanisch sprechen!

Dafür erhielt ich sehr viel Lob von den mir über die Schultern schauenden Japanern, bis mir jemand erklärte, dass ich meinen Wunsch besser ausdrücken könnte, indem ich schreibe:

日本語を上手に話せますように
Nihongo wo jousu ni hanasemasu yo ni
= Ich wünsche mir, besser Japanisch zu sprechen.

Mit diesem ~yo ni kann man seine Wünsche viel besser ausdrücken. Meiner ging schon beim Schreiben des Wunschkärtchens ein Stückchen in Erfüllung.

Neben dem Wünschen wird aber auch noch richtig gefeiert.

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Das Tanabata Festival oder Tanabata Matsuri • 七夕まつり

In den Tanabata Hochburgen, wie der Stadt Hiratsuka • 平塚市 im Süden der Präfektur Kanagawa oder im mir besser bekannten Sendai • 仙台市 in der Präfektur Miyagi, finden anlässlich des Festes abends große Feuerwerke statt.

Japaner lieben Feuerwerke, die sie liebevoll Hanabi • 花火 • Blumen des Feuers nennen.

Im Juli und August kannst du eigentlich immer irgendwo in Japan ein Feuerwerk sehen.

Dazu geht es mit Freunden zum Picknicken auf einen großen freien Platz, es werden Planen und Decken ausgebreitet und während man sich die großen Kunstwerke der Pyrotechniker anschaut, wird gegessen und getrunken – meistens viel Alkohol.

Für gewöhnlich tragen die Japaner zu diesem Anlass auch ihre Yukatta, den japanischen Sommerkimono aus leichter Baumwolle, weil er sich so luftig trägt, in den oft sehr schwül-heißen Nächten.

So ein japanisches Feuerwerk ist ein echtes Erlebnis und wenn du die Möglichkeit hast, dann lass es dir nicht entgehen!

Hier eine Liste mit den größten Feuerwerken in der nächsten Zeit (englisch).

Tanabata Matsuri in Sendai

3 Tage im August – vom 6. 8. bis zum 8. 8.2018 – erlebst du die Stadt im Ausnahmezustand und beschmückt mit bunten Dekorationen.

3 bis 6 m lange Papierschlangen (Streamer) – die sogenannten Fukinagashi • 吹き流し – hängen von der Decke der Einkaufspassagen.

Aber auch Kimonos aus Papier oder andere Papierkunstwerke schmücken Sendai in diesen Tagen.

Es gibt unglaublich viel zu sehen und jedes Jahr kommen die Menschen aus ganz Japan zu diesem einzigartigen Spektakel.

Auf dem Festplatz Shimin Hiroba Square, direkt am Kotodai Park findest du neben vielen Essensständen auch eine Bühne, wo es spezielle Tanabata-Tänze zu sehen gibt. Wenn du am Hauptbahnhof ankommst, dann folge einfach den Menschenmassen.

Das große Feuerwerk findet in diesem Jahr übrigens am 5. August 2016  zwischen 19.00 Uhr und 20.30 statt (am Hirosegawa River im Nishi Park).

©2004 by Nipponinsider | Tanabata Matsuri in Sendai – Fukinagashi

Die Bedeutung der Dekoration

Die langen Papierstreifen, die an einer bunt geschmückten Kugel hängen, sind beliebtestes Fotomotiv in der Tanabata-Zeit.

Jeder macht wohl dieses Foto zwischen den Streifen. Ich natürlich auch!

Die herunterhängenden Papierschlangen werden als Fukinagashi • 吹き流し bezeichnet und lassen sich am besten mit Luftschlangen übersetzen.

Der Ball nennt sich Kusadama • 薬玉 und ist eine Erfindung eines Ladenbesitzer aus Sendei. Um auf seinen Shop aufmerksam zu machen hat er 1946 zum ersten Mal eine Kugel aufwendig dekorieren lassen. Seit dem haben sich Kugeln und Boxen bei der Tanabata-Dekoration durchgesetzt.

Fukinagashi werden in der Regel von den Ladenbetreibern in der Nähe finanziert und dekoriert. Wer genau hinschaut, kann die manchmal in den Luftschlangen noch den Namen des Sponsoren entdecken. Am Ende des Festivals werden sie an Interessierte verschenkt, manchmal einfach vor die Tür des Ladens gelegt.

Aber hat diese spezielle Dekoration eine bestimmte Bedeutung? Wie passen Luftschlangen zur  Geschichte mit den Sternen?

Dazu habe ich unterschiedlichste Antworten gehört:

Einige haben mir erzählt, dass die Dekoration den Wunsch nach einem langen Leben symbolisiert.

Andere erklärten, dass damit die Milchstraße abgebildet werden soll.

Und eine andere Legende besagt, dass die Papierstreifen-Deko früher mal den Weberinnen gewidmet war, die sich bessere Fähigkeiten wünschten und Fischer, die um volle Netze baten.

Am wahrscheinlichsten finde ich die Antwort der Ladenbesitzer:
„Keine Ahnung wie es entstanden ist. Weil es festlich aussieht und Touristen anzieht. Und das ist gut für’s Geschäft!“

Ein besonderes Wort oder Glückwünsche wie „Happy Tanabata“ gibt es übrigens nicht!

Tanabata gehört zu meinen liebsten Festen in Japan und eigentlich kann ich es auch hier in Deutschland feiern. Ich überlege mir jetzt mal meinen Wunsch und hänge ihn an meinen Bambusstrauch auf den Balkon. Ein Foto davon wirst du dann sicherlich später auf Instagram oder Facebook finden.

Was ist mit dir? Was würdest du auf dein Wunschkärtchen schreiben?

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Der nächste Feiertag ist am 16. Juli:

Japan feiert den Tag des Meeres – Umi no Hi | 海の日


Veröffentlicht am: 6. Juli 2016
Aktualisiert am: 3. Juli 2018


 

7 Kommentare

  1. 🙂 Werde langsam süchtig nach deinem blog! Und das Bild von deinem Wunschpunschpaum doch bitte auch hier! Danke für deine interessanten Geschichten! Würden wir noch homeschoolen, würden sie sofort zum Pflichtprogramm werden!

    • Tolles Kompliment. Vielen Dank. Das Foto werde ich später einbinden! Aber das mit dem „Deutschland im Finale“ ist leider nicht erfüllt worden. Naja, vielleicht hätte ich etwas präziser schreiben sollen, welches Finale es sein soll 😉

  2. Hallo Daniela – und wieder muss ich unbedingt einen Kommentar schreiben. Zum Tanabata Fest, das kannst Du nämlich tatsächlich hier feiern.
    In der weiteren Umgebung von Berlin gibt es den wunderbaren japanischen Garten von Gesine und Reiner Jochems.
    http://www.roji.de/veranstaltungen/
    Oh, ich sehe gerade, es ist dieses Jahr nicht Tanabata, sondern Obon-Fest. Aber es lohnt sich immer, sich diesen wunderbaren Garten mal anzusehen.
    Nochmal liebe Grüße von Renate

    • Liebe Renate.

      Zum Obon Fest werde ich in diesem Jahr noch einen kleinen Artikel verfassen. Da nehme ich deinen Tipp gerne mit auf.

      Liebe Grüße
      Daniela

  3. Pingback: Tanabata - das japanische Sternenfest - 7. Juli

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