Unsere Flitterwochen in Japan

Über unsere durch und durch unspektakuläre Hochzeit in Japan habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben.

Heiraten in Japan ♥ Unsere japanische Hochzeit

Heute geht es um die Reise, die nach so einer Hochzeit folgt:

Unsere Flitterwochen in Japan waren in etwa genauso spannend wie unsere Hochzeit, sodass ich lange überlegt habe, ob ich überhaupt etwas darüber schreiben soll.

Auch, weil es mir bis heute nicht leicht fällt, mich wieder daran zu erinnern.

Unsere Flitterwochen waren toll: Sehr entspannt und spaßig, aber im Nachhinein…

Warum mich meine Flitterwochen heute traurig machen

2005. Ist wirklich schon lange her. Ob ich das noch zusammen bekomme?

Die meisten erinnern sich mit einem Lächeln an ihre Flitterwochen zurück.

Mir gefriert das Lächeln immer bei dem Gedanken an unsere Reise.

Es waren wundervolle Tage. Eine tolle Reise, keine Frage.

Es ging ans Meer.

Ganz spontan mit dem Auto sind wir losgefahren.

Spontan mussten wir sein, weil Daisuke immer erst einen Tag vorher von seinem Arbeitgeber erfuhr, dass er mal frei machen konnte.

Dieses Mal hatte er gleich 3 Tage am Stück Urlaub bekommen.

Mensch! Das mussten wir ausnutzen. Los ging’s!

Hotelreservierungen im Vorfeld hatten wir also keine. Die waren aber auch nicht nötig. Wir hatten ja unser Zelt.

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Unsere Reise entlang der Küste

Wir fuhren die Küste von Fukushima hoch in den Norden nach Miyagi und Iwate.

Besuchten all die Orte, die ich 6 Jahre später in den deutschen Nachrichten von einer großen Welle überflutet sah.

Deshalb fällt es mir mit dem Erinnern so schwer.

Ich denke an diese wundervollen Orte und die vielen Menschen, denen wir dort begegnet sind und sofort frage ich mich „Ob die den Tsunami 2011 überlebt haben?“

Beim Lesen meiner alten Blogbeiträge denke ich jedes Mal: „Oh Mann, das Ramenrestaurant in Kesenuma wird’s wohl nicht überstanden haben, das war direkt am Hafen.“ Dort hatte ich die besten Seafood Ramen meines Lebens gegessen.

Ob der alte Mann an dem kleinen Fischstand auf der Halbinsel Oshima wohl am 11. März 2011 auch dort gestanden hat? Was hat er wohl gemacht?

Er gehörte zu den berühmt-berüchtigten „Walfängern“.

Hier erfuhr ich zum ersten Mal aus erster Hand vom traditionellen Walfang.

Man mag von Walfängern nun halten, was man möchte, ich hatte bei dem alten Fischer nicht das Gefühl, dass es ihm ums Geldmachen und wahlloses Abschlachten von Tieren ging.

Und das tolle Tempura-Restaurant in Ofunato? Da saßen wir am Fenster und schauten auf’s Meer, als wir unsere kalten Soba-Nudeln schlürften und in die knusprig-heiße Garnele bissen.

Als ich all die Ortsnamen nach dem Tsunami in den Nachrichten hörte, da schnürte es mir regelrecht die Kehle zu. Besonders hart getroffen hatten es tatsächlich all die Orte, die damals auf unserer Route lagen.

Wieder und wieder schaute ich mir die vielen Amateurvideos im Internet an und konnte nicht richtig begreifen, was da geschah:

Da sah ich den Parkplatz, auf dem wir gestanden hatten, der plötzlich von der verdammten Welle aus dem Meer überschwemmt wurde.

Ich sah die Küste, die wir im Sonnenaufgang fotografiert hatten.

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Die Orte leben in meiner Erinnerung

Ganz ehrlich, habe ich Angst, dahin zurückzukehren.

Auf meiner Liste mit Dingen, die ich in Japan machen und Orte, die ich bereisen möchte, stehen sie trotzdem.

Ich reise eigentlich nicht gerne zweimal an denselben Ort.

Dafür ist Japan wirklich zu groß und ich habe noch so vieles nicht gesehen. Es bleibt noch so viel für mich zu entdecken.

Aber ich vermute, dass die Orte nicht mehr dieselben sind, die sie 2005 einmal waren.


Meine Eindrücke von unserer Reise stammen heute mal aus dem alten Online-Tagebuch von damals. Das ist mittlerweile nicht mehr im Netz zu finden.

Mal was anderes, hab ich mir gedacht.

Einen etwas anderer Stil hatte ich damals schon. Aber es sind ja mittlerweile auch einige Jahre vergangen.

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Aus meinem alten Tagebuch

So. Jetzt bin ich also unter der Haube und meine “Flitterwochen” liegen auch hinter mir.

“Flitterwochen” in Anführungsstrichen, da es sich nicht um “Wochen” handelte und nicht so romantisch war, wie du jetzt vielleicht denken magst.

Das Ende des Abukuma Gawa suchen

Es ging für drei Tage mit dem Auto einfach Richtung Norden, immer dem Fluss Abukuma entlang.

Der fließt durch unsere Stadt Fukushima und dann irgendwann zwischen den Städten Iwanuma und Watari in der Präfektur Miyagi ins Meer.

Der Fluß ist 240 km lang und der zweitlängste Fluss der Tohoku-Region. Seine Quelle liegt auf dem Berg Asahi (旭岳 • Asahi-dake).

Dort wo der Fluss ins Meer fliesst, wollten wir gerne Fisch essen und ein paar Fotos vom Strand machen.

Fisch ließ sich nicht finden und auch Strand war nirgends zu sehen. Stattdessen ein etwas schäbiger Hafen.

Aber zum Fotografieren hat es gereicht.

Weiter ging es nun die Küste entlang, am Flughafen von Sendai vorbei.

Wir durchfuhren Matsushima, Ishinomaki und Onagawa.

Nicht über die Autobahn, die ist recht teuer, sondern immer auf kleinen Nebenstraßen. So bekam ich einen guten Eindruck von den Küstenstädten, während wir mit dem Auto an den vielen Ampeln standen.

Irgendwann hatten wir die Prefektur Miyagi durchfahren und kamen in die Präfektur Iwate.

Endlich fanden wir auch unser Süppchen mit Meeresfrüchten (Kesenuma Ramen ist recht bekannt in Japan). Die besten Ramen, die ich jemals gegessen hatte. Kesenuma Ramen kann ich jedem nur ans Herz legen.

Zum Abend gaben wir die Suche in den Dörfern nach einem netten Restaurant auf und kauften uns eine Bento-Box im Konbini (allein die Suche nach einem Convenience-Store, eigentlich alle 100 Meter zu finden, hat hier gute zwei Stunden gedauert).

Am Ende war es leider schon zu dunkel, um unser Zelt aufzubauen.

Also steuerten wir einen Aussichtsparkplatz auf der Halbinsel Oshima an.

Wir machten es uns, so gut es ging, auf den Sitzen unseres kleinen Rex “gemütlich”, aber lang wollten wir eh nicht schlafen, da wir uns den Sonnenaufgang über’m Meer mit atemberaubendem Blick auf die Felsformationen im Wasser anschauen wollten.

So ist das nun mal, wenn man mit einem Fotografen reist.

Oshima Peninsula 2005 | Kleines Auto, kleine Menschen, komische Frisuren

Die Halbinsel Oshima ist übrigens bekannt für seinen Wal- und Haifischfang.

Dieser, in der restlichen Welt verpönte Beruf, hat hier eine jahrhundertealte Tradition. Viele Fischer gibt’s allerdings heute nicht mehr.

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Zum Frühstück beim Walfänger

Aber wir haben morgens um 6 doch noch einen am Hafen finden können, der uns erzählte, dass er eigentlich nur zwei Wale im Jahr fängt. 

Als er erfuhr, dass wir gerade geheiratet hatten, holte er zu Feier des Tages extra für uns ein kleines Stück aus seinem gut behüteten Vorrat.

So sassen wir am Hafen und sahen dem Fischer zu, wie er unser Walsteak auf seinen kleinen Grill legte.

Als Deutsche habe ich mir jahrelang die Diskussionen um den japanischen Walfang angehört. Allerdings hatte ich da Bilder im Kopf, die so gar nicht zu dieser Situation passen wollten. Hintergrundgeschichten zum traditionellen Walfang hatte ich bisher noch nie gehört. Kein sinnloses Abschlachten, sondern ein respektvoller Umgang mit dem Meer und seinen Bewohnern.

Und weil der Fischer so eine große Sache daraus machte, konnte ich schlecht ablehnen. 

Wal wird eine potenzsteigernde Wirkung nachgesagt und auch, wenn Frischvermählte vielleicht nicht unbedingt darauf angewiesen seien, schaden könne es nicht, meinte er.

Wir erwähnten nicht, dass wir unsere Nächte in einem viel zu kleinen Auto verbringen würden (Das mit dem Zelt hatte sich erledigt, denn wir hatten die Luftmatratzen vergessen).

Als Beilage zu diesem etwas außergewöhnlichen Frühstück gab es dann noch gegrillte Austern.

Na, hört sich das nach Flitterwochen-Frühstück an?

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Auf Kappa Suche

Für uns ging es weiter nach Ofunato, wo wir die Küste verliesen, denn unser Ziel sollte Tōno •  遠野 sein. Eine der Touristenspots in Iwate.

Daisuke war vor einigen Wochen beruflich auf eine Klassenfahrt hergekommen und erzählte ganz begeistert davon.

In Tōno lebt Kappa – Wassergeister.

Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, was oder wer “Kappa” eigentlich ist und um es mal vorweg zunehmen, gesehen habe ich keines dieser grünen kröten-ähnlichen Wesen.

Dafür aber umso mehr Zeichnungen, mit der die Stadt vollgepflastert ist und eine Blume in der Hand hält. Das Maskottchen der Stadt trägt den Namen Karin-chan und ist natürlich, wie es sich für ein Maskottchen gehört, niedlich!

Angeblich wurden lebende Kappa hier mal gesichtet.

Wir hielten auf einen Parkplatz, zusammen mit fünf Reisebussen und folgten einfach mal stumpf den Massen.

Am Ende kamen wir an ein kleines Bächlein, an dem ein Steg angebracht ist, auf dem sich Leute stellen, um sich fotografieren zu lassen.

GENAU HIER hat man den kleinen grünen Kappa entdeckt (oder vielleicht war er auch riesiggroß?).

Es handelt sich hier um eine Legende, die in Japan jedes Kind kennt. Ein japanische Märchensammlung erwähnt die Geister / Kröten / Fabelwesen / Kreaturen.

Der Kappa hatte ein außergewöhnliches Hobby: Den Menschen böse Streiche spielen.

Kappas (wenn das die Mehrzahl ist?) haben aus unerfindlichen Gründen eine Platte auf dem Kopf. Sie erinnern an Schildkröten, besitzen keinen Mund, sondern einen Schnabel, Schwimmhäute an Armen und Beinen und leben im Wasser. Sie sind grün und eine Schwäche für Gurken – auch grün. Damit soll man sie am besten Fangen können.

Jetzt weiß ich auch endlich, woher Kappa Maki, die mit Gurken gefüllten Reisröllchen, die bei uns als Sushi verkauft werden, ihren Namen haben.

Es gibt in Japan eine Sushikette, die sich Kappa-Sushi nennt und das grüne Schildkrötenwesen zum Logo hat. Alles klar!

Wieder was gelernt.

(An dieser Stelle wäre ein Foto super gewesen. Aber das habe ich damals dem Profi überlassen. Der hat leider mit seiner ollen Filmkamera geknippst – sowas von 2005! Leider haben wir versäumt, die ganzen Dia mal nachträglich zu digitalisieren.)

Mehr über Kappa erfahren? Dann schau einfach mal auf Wikipedia.)

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Kirschbäume

Über Yamagata ging es wieder Richtung Heimat.

Aber irgendwann am Abend war Daisuke so müde, hielt auf einem hellen, lauten Parkplatz direkt an der großen Straße, stellt den Sitz in Liegeposition und war eingeschlafen.

Unsere zweite “romantische Nacht” im Auto. Ich war hellwach, drehte mich auf meinem Sitz hin und her und schlief erst gegen morgen ein.

Es ging wieder zurück nach Fukushima, allerdings ganz langsam.

Wir schauen uns die Gegend um den Berg Zao in der Prefektur Yamagata an.

Yamagata ist berühmt für seinen Kirschen-Anbau und da gerade die Kirschbäume hier in voller Blüte standen, gab es viel zu sehen.

Es gibt viele verschiedene Kirschbaum-Sorten in Japan.

Die hier in Yamagata tragen Früchte und stehen auf Plantagen in einer schönen Reihe. Sie sind recht klein.

Die meisten Kirschbäume, für die die Japaner so schwärmen sind Zierkirschbäume, die keine Früchte, dafür aber wunderschöne volle rosa, weiße oder pinke Blüten tragen.

Auch die fanden wir natürlich noch hier und da.

So entstand dann auch unser einziges gemeinsames Foto auf unseren legendären Flittertagen in Tohoku:

Nein, schärfer wird es leider nicht!!!

Fokus wäre super gewesen, aber die Erinnerung zählt, nicht wahr?

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8 Kommentare

  1. Tja, Romantik ist halt nicht jedermanns Sache 😂 Eine Hochzeitsnacht gab es dann hoffentlich nach eurer Rückkehr?!

    Was deine traurigen Erinnerungen angeht: Alle die Orte, die du erwähnst, haben wir letztes Jahr gesehen. Und nein, da willst du wirklich nicht hinfahren, wenn du sie vorher besucht hast. Wir waren sehr bedrückt und haben spontan unsere Route geändert, um da schnell wegzukommen…

    Tohoku ist wunderschön, aber die Ostküste möchte ich in den nächsten Jahren nicht noch mal sehen 😓

    LG
    Jenny

    • Liebe Jenny,
      Hochzeitnacht hatten wir bestimmt, habe da nur kein Tagebuch zu geführt 😂.

      Danke für die Vorwarnung. Ich muss das noch mal überdenken.

      Liebe Grüße Daniela

  2. Liebe Daniela,
    Deine Gefühle kann ich sehr gut verstehen, aber dass es Dir die Erinnerung gerade an die Flitterwochen vermiest, ist natürlich absolut schade! Meine eigenen waren ähnlich spontan und kurz, allerdings Wien…
    Mit der Küste Miyagis / Iwates bin ich verabeitungsmäßig allerdings noch nicht durch… bin zwar Silvester 2016 die Küste von Hachinohe hinuntergefahren bis Minami-Sanriku ( Neujahr war in Kesennuma im Hotel), aber ich hatte mir viel zu wenig Zeit genommen… Daher im Oktober, wenn ich wieder mit Sohnemann unterwegs bin, der Weg von Süden nach Norden mit mehr Zeit auf dem Weg.
    Liebe Grüsse,
    Rainer
    PS: Es freut mich, dass Dir in meinem Heimatstädtchen gefallen hat 😊

    • Lieber Rainer,

      Da bin ich aber gespannt, was du im Oktober erzählst. Deine Heimat Wolfenbüttel hatte ich total unterschätzt. Ich hatte dort echt tolle Begegnungen. Es ist so schnuckelig. Vielleicht kommen wir da mal zusammen hin, wenn die Baustellen alle weg sind.

      Liebe Grüße Daniela

  3. Sarah Steffen

    Liebe Daniela

    Ich kann verstehen, dass dich die Erinnerungen an die Flitterwochen bedrücken, wenn du daran denkst, was einige Jahre später passiert ist…

    Allerdings finde ich es schön, dass du noch die ursprüngliche Gegend kennst. Heute redet und kennt man die Gegend meist nur noch wegen dem Tsunami. Ich denke für die Menschen, die da leben/lebten, ist es schön, wenn es ausser ihnen auch noch andere gibt, die wissen, wie es vor der Katastrophe war.

    Liebe Grüsse
    Sarah

  4. Die zerstörerische Kraft hat damals denke ich jeden erschüttert. Ich saß zumindest geschockt vorm TV.
    Sind die Orte aufgrund der Strahlenwerte den überhaupt besuchbar? Also wirklich absolut unbedenktlich?

    • Liebe Marion,

      Der Besuch von vielen Orte in. Der Präfektur ist unbedenklich. Der meisten Strahlung ist man bei einer Japanreise auf dem Flug ausgesetzt. In die evakuierte Zone muss man ja nicht unbedingt reisen, da gibt es schönere Orte in Japan.

      Liebe Grüße Daniela

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