40 umgangsprachliche japanische Ausdrücke | Onomatopoesie Teil 2

Japanisch ist gar nicht so schwer, wie man immer denkt.

Neben dem Schulbuch-Japanisch gibt es viele umgangsprachliche japanische Ausdrücke, die man ständig hört oder im Manga liest.

Im Alltag in Japan sind mir die damals ständig begegnet. Dank ihres Klanges konnte ich sie mir aber relativ leicht merken.

Die Ausdrücke werden der Onomatopoesie zugeordnet und hier stelle ich sie einmal gesammelt vor.

Im 1. Teil habe ich bereits eine Liste mit japanischen Tierlauten zusammengestellt. Die decken allerdings nur einen kleinen Teil der Onomatopoesie ab.

Onomatopoesie – Was ist das?

Das sind Wörter oder Wortfolgen, die den Leser oder Zuhörer daran erinnern sollen, wie der Laut oder Ton, den sie beschreiben, tatsächlich klingt.

Das ist echte Onomatopoesie und wird daher mit dem Oberbegriff von Giongo • 擬音語 bezeichnet. Darin steckt das Kanji 音für Ton.

Im Deutschen haben wir, neben Tierlauten, ebenfalls solche Wörter: Tick-Tack, Klack, Summsumm, Platsch, Plopp, Quietsch, Peng, Hachi…

Aber auch die Babysprache, wie „Das ist BAH!“ gehört dazu. Hier fehlt das eigentliche Geräusch aus der Realität.

Die gibt es auch im Japanischen. Sie fallen unter die „unechte“ Onomatopoesie.

Diese Ausdrücke versuchen mit ihrem Klang, der so nicht existiert, weil es sich dabei um ein Gefühl oder eine Bewegung handelt, die Bedeutung des Wortes möglichst gut widerzuspiegeln oder nachzuahmen. Eine Art Bildsprache mit Klängen.

Aus diesem Grund wird die Onomatopoesie auch oft treffender mit dem Begriff Klangwort oder Lautmalerei übersetzt.

Oft sind japanische Onomatopoetika Ausdrucksformen, die eine Wortdopplung enthalten, aber das ist nicht immer zwingend notwendig.

Im Japanischen werden diese Ausdrücke in der Regel in der Silbenschrift Hiragana geschrieben.

Die Katakana-Schreibweise sieht man speziell in Mangas. Japaner sehen das nicht so eng, wenn es um die Schreibweise geht. Tatsächlich passen die Katakana-Zeichen mit ihrer kantigen Form sehr viel besser zu den ausdrucksstarken Ausdrücken, die oft in dem bildlastigen japanischen Manga verwendet werden.

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Giseigo • 擬声語

Das sind kurz gesagt Laute, die von Lebewesen ausgehen und mit der Stimme erzeugt werden. Hierunter fallen auch die Tierlaute.

Das Schriftzeichen 声 steht dabei für Stimme.

Ein Beispiel? Der bellende Hund macht wauwau oder im Japanischen wanwan.

Im 1. Teil gibt es bereits eine Sammlung unterschiedlicher japanischer Tierlaute. Daher werde ich in diesem Artikel nicht weiter auf Tierlaute eingehen.

Aber weitere Laute, die mit der Stimme erzeugt werden, gibt es schon:

フワー • fuwaa

Bedeutung: langes Gähnen in der Mangasprache.

Und das hört sich dann so an: FHUAAAAAA!


ごほん • ゴホン • gohon

Und? Irgendeine Ahnung, was das bedeuten könnte?

GOHON wird in Manga verwendet, wenn jemand stark hustet. Ab jetzt weißt du auf jeden Fall, wie man auf Japanisch hustet. Sprechen wird ohnehin überbewertet 😉

Das einfache Hustengeräusch habe ich mal mit カ- in einem Manga gesehen oder auch wahlweise mit かっ. Spricht sich ganz einfach ka.

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Giongo • 擬音語

Beschreibt Naturlaute oder akustische Phänomene.

Hier wird ein Ton in einem Wort nachgeahmt, daher nennt man den Oberbegriff Giongo für diese Art von Wörtern auch Nachahmungs-Ton-Sprache und sie gehört zur echten Onomatopoesie. Das Kanji 音bedeutet übersetzt nichts anderes als Ton.

Der ursprünglichen Definition nach, handelt es sich hierbei um Laute von nicht lebenden Wesen, aber da Giongo auch als Oberbegriff gilt, tauchen in meiner Auflistung auch Ausdrücke auf, die von Lebewesen stammen:

ぱちぱち • パチパチ • pachipachi

Ich gebe zu, dass sich das jetzt ein bisschen so anhört, als hätte ich mir das ausgedacht.

Aber nein! Das Klatschen der Hände nennen Japaner tatsächlich pachi pachi (gesprochen wird es patschi patschi).

Das Wort entstammt dem Geräusch der Hände. Ist das nicht süß? Also ein Ton, der in der Realität existiert und mit dem Wort wiedergegeben werden soll.

Und endlich weiß ich auch, woher das „Patschehändchen“ kommt!!!


ぱちぱち • ザーザー • zaazaa

Gerade in der Regenzeit begegnete mir dieser Ausdruck immer wieder.

Wenn es in Strömen regnet, dann ist das nicht einfach nur „es regnet“ (Ame ga futte iru – 雨が降っている), dann kann man das noch treffender ausdrücken mit „Ame ga zaazaa futte iru“ (雨がザーザー降っている).

Da regnet es dann bindfadenähnlich und man wird bis auf die Unterbuchse nass. Keine Seltenheit im japanischen Sommerregen, wenn die Temperaturen aber immer hoch bleiben und es selten richtig abkühlt, wie wir das bei Regen gewohnt sind.

Hier wird der Ton eines Naturphänomens nachgeahmt. Beim nächsten Mal muss ich doch noch mal genauer hinhören. Aber definitiv sind da Geräusche, wenn der Regen auf den Asphalt platscht. Platsch finde ich eigentlich besser getroffen.

Ausgesprochen wird zaazaa übrigens mit einem sehr weichen S: sahsah.


どんどん • ドンドン • dondon

Stell dir vor, es klopft an der Tür.

Und jetzt stell dir vor, es klopft ganz heftig an der Tür.

Der Unterschied ist hörbar und wird auch im japanischen Satz sehr bildhaft durch das kleine Wörtchen DONDON verstärkt.

Manche Dialekte verwenden auch ein TONTON, was noch wesentlich stärker nach lautem Klopfen oder Schlagen klingt.


ばたばた • バタバタ • batabata

Eine Fahne, die im Wind weht, macht ganz besondere Geräusche. Unverkennbar. Batabata wird im Japanischen dazu gesagt.

Die flattert dann so hektisch herum, dass man das Wort batabata im Japanischen auch verwendet, wenn Menschen hektisch herumwirbeln.

Ich bin zum Beispiel so eine Person, auf die batabata hervorragend zutrifft. Vor allem, wenn ich viele Aufgaben zu erledigen habe und sich der Stress langsam breit macht. Wenn ich nicht weiß, wo ich anfangen soll und am liebsten alles auf einmal in Angriff nehmen möchte. Ich bin dann schrecklich batabata. Allerdings manchmal komplett lautlos.

Hier wird beispielsweise gerne das Wort in der Katakana-Schreibweise verwendet, da die kantige Form noch mal mehr dem Geräusch der schnellen Bewegung Ausdruck verleiht.

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Gitaigo • 擬態語

Das sind Wörter, die etwas nicht Hörbares beschreiben.

Kurz gesagt: Wörter, die Zustände oder Beschaffenheiten nachahmen.

Daher ist Gitaigo streng genommen keine echte Onamatopoesie. Warum? Mit ein paar Beispielen wird es gleich deutlicher.

GITAIGO ist auch der Oberbegriff für die nachfolgenden Kategorien, denn es handelt sich dabei immer um Ausdrücke, die einen Sound nur symbolisieren sollen, der leicht mit einem lautlosen Zustand assoziiert werden kann:

ふわふわ • フワフワ • fuwafuwa

Ach, kennste das?

Es gibt Wörter, die einfach schön sind.

In diesem Fall gewinnt dieses deutsche Wort bei mir: FLUFFIG.

Oder ist es das Gefühl von Weichem, Flauschigem, Fluffigem, dass ich so mag? Kleine Kätzchen, Zuckerwatte,…

Auf Japanisch hört sich das auf jedem Fall so an, wie man sich das vorstellt und wie es sich anfühlt, aber ein flauschiges Fell oder ein flauschiges Material kann man nun mal nicht hören.

Ausgesprochen wird es übrigens nicht fuwa fuwa, sondern mit einem lautlosen W: fhua fhua.


きらきら • キラキラ • giragira

Bedeutung: grell, blendend.

Ob nun die Autoscheinwerfer des entgegenkommenden Fahrzeug oder die grelle Sonne, giragira ist tut immer ein bisschen weh im Kopf und man sieht für einen einen Moment Sterne, die funkeln dann aber nicht giragira, sondern:


きらきら • キラキラ • kirakira

Bedeutung: funkelnd, glitzernd

Wenn du jetzt spontan raten müsstest, was kira kira bedeuten könnte, würdest du da auf glitzern oder funkeln kommen?

Schon? Oder?

Kira kira das kann der glitzernde Diamant am Ring sein oder die Sterne am Himmel.

Es ist in jedem Falle ein Zustand, der beschrieben wird und der in der Realität keinen Laut von sich gibt. Oder hast du einen funkelnden Diamanten schon mal gehört?

Vielleicht wird jetzt der Unterschied zwischen Giongo und Gitaigo langsam deutlicher?


ぎりぎり • ギリギリ • pikapika

Bedeutung: glänzend, blitzeblank, brandneu, funkelnd.

Wer sich fragt, woher das Pokémon Pikachu seinen Namen hat, hier die Erklärung: es wurde dabei weniger an eine blitzblankes und sauber geschrubbtes Taschenmonster gedacht, sondern vielmehr an ein funkelndes Wesen, im Sinne von Funken sprühend. Hä?? Ich hab’s mir nicht ausgedacht.

Mit pikapika wird generell alles bezeichnet, welches den Eindruck macht, blitzeblank geputzt zu sein, so dass es glänzend funkelt. Nicht von sich aus funkelt, wie es bei kirakira der Fall ist, sondern durch Handarbeit funkelnd sauber gemacht.

Diesen Zustand haben in der Regel auch neue und noch unbenutzte Dinge, daher werden nagelneue Sachen auch gerne mit einem pikapika bezeichnet.


ぎりぎり • ギリギリ • girigiri

Es passt gerade so, ist ganz schön knapp … es ist girigiri.

Eine enge Parklücke, ein voller Terminkalender, in den man noch einen Termin quetscht, eine Prüfung, die man trotz geringer Punktzahl doch noch bestanden hat, eine Hose, in die man immer hineingepasst hat und plötzlich ist sie girigiri.

Ich liebe dieses Wort.

Hauptsache am Ende ist alles noch mal gut gegangen, oder?

Hörbar ist dieser Zustand nicht, wenn die enge Gasse doch nicht girigiri war, dann wirst du es allerdings deutlich hören können!


ぼろぼろ • ボロボロ • boroboro

Wenn etwas unordentlich, durcheinander, dreckig, chaotisch oder kaputt ist, dann passt das boroboro immer super.

Als wir von unserer einjährigen Weltreise nach Japan kamen und mit unseren verstaubten Rücksäcken zwischen den ganzen Anzug- und Kostüm-tragenden Japanern und Japanerinnen in der U-Bahn saßen, kamen wir uns so richtig boroboro vor.

Ein Outfit kann also genauso boroboro sein, wie eine Wohnung.

Warum hab ich den Begriff bloß so oft sagen hören?


べたべた • ベタベタ • betabeta

Wenn etwas klebrig ist, dann ist das betabeta.

So einfach kann Japanisch sein.

Wenn man das Wort sagt, dann hört man das klebrige schon, oder geht nur mir das so?

Das ist Gitaigo! Bungabunga würde hier nicht passen, oder was meinst du?


ぴりぴり • ピリピリ • piripiri

Scharfes, dass den Mund verbrennt, ist piripiri.

Generell ist japanisches Essen ja weniger scharf, sondern eher süßlich. Aber das ein oder andere scharfe Gericht gibt es dann doch. Ein bekannter Snack ist Kaki No Tane, die kleinen länglichen Dinger sehen ein wenig wie abgebrochene Salzstangen ohne Salz aus, sind aber unerwartet scharf.

Oder denk einfach an die scharfe grüne Wasabipaste, die zum Sushi gereicht wird.

Schon mal was Japanisches gegessen, wo das Wort PIRIPIRI angebracht gewesen wäre?


ちらちら • チラチラ • chirachira

Bedeutung:  leicht fallen, erscheinen und dann schnell wieder verschwinden, kurz aufflackern, aber auch wiederholt einen kurzen Blick erhaschen

Die ersten Schneeflocken, die ganz leicht und sanft zu Boden fallen und dann dort sofort wieder verschwinden, machen chirachira (ausgesprochen wird es tschillatschilla)

Auch die Blütenblätter, die langsam durch den Wind von den Bäumen geweht werden chillen erst einmal eine Runde in der Luft, bevor sie auf die Erde treffen.


びしょびしょ • ビショビショ • bishobisho

Solche heftigen Regenschauer wie in Japan haben wir in Europa ja nur selten, aber wer mal bis auf die Unterhose nass geworden ist, der sollte sich dieses Wort merken.

Hört sich irgendwie süß an, aber pitschnass, klitschnass, patschnass oder klatschnass kann da auf jeden Fall mithalten, oder?


ぐしょぐしょ • グショグショ • gushogusho

Bedeutung: durchweicht, triefend nass

Ich stelle mir dabei gerne das Geräusch eines Turnschuhs vor, mit dem man richtig schön in eine tiefe Pfütze getreten ist und der jetzt bei jedem Schritt so ein komisches Geräusch macht, das durchaus ein gushogusho sein könnte.


つるつる • ツルツル • tsurutsuru

Bedeutung: rutschig, glatt

Man hört es nicht, man sieht es manchmal nicht mal. Aber wenn etwas richtig schön glatt ist, dann verwenden Japaner gerne das Wort tsurutsuru, dass die Beschaffenheit eines Gegenstandes beschreibt.


ぷにぷに • プニプニ • punipuni

Bedeutung: elastisch-weich (im entfernten Sinne also moppelig oder pummelig)

Manchmal ist die japanische Sprache einfach großartig. Die Beschaffenheit eines weichen Balles wird beispielsweise mit punipuni beschrieben. Genauso wie die kleinen Speckröllchen um die Hüfte oder der schwabbelige Bierbauch, der ja auch elastisch weich sein kann.

Deshalb ist es dann nicht verwunderlich, dass moppelige Menschen mit eben diesem niedlichen Ausdruck liebevoll beschrieben werden.

Als ich von meinem 3-monatigen Heimaturlaub aus Deutschland zurück nach Japan kam, wurde ich mit „punipuni da“ begrüßt und wunderte mich erst mal, warum meine Reisschüssel plötzlich nur noch zur Hälfte gefüllt wurde.

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Giyougo • 擬容語

Das sind genau genommen Wörter, die eine Form beschreiben.

Wörter, die in ihrer Erscheinung, Bewegung oder in ihrem Ausdruck beschrieben werden, fallen unter diese Kategorie, die der Einfachheit halber auch allgemein als eine Unterkategorie von GITAIGO aufgeführt werden.

Töne, die man nicht hören kann? Keine leichte Aufgabe fallen diesen Ausdrücken zu.

Im Japanischen ist das ganz gut geglückt. Überzeuge dich aber selbst:

ぺらぺらペラペラ • perapera

Als ich nach Japan kam, begann ich fleißig Japanisch zu lernen und hockte täglich stundenlang über den Büchern. Ziemlich frustrierend fand ich allerdings, dass ich immer wieder Wörter hörte, die nicht in meinen Büchern standen, mir aber ständig um die Ohren flogen.

Obwohl mein Japanisch noch nicht sonderlich gut war, verstanden es Japaner, mich zu motivieren und lobend anzuerkennen, wie gut mein Japanisch doch sei: „perapera des ne!“ hörte ich dann immer wieder, wenn es um meine Sprachfähigkeit ging.

„Du sprichst echt fliessend“, sollte das bedeuten und allein schon, weil ich anfangs keine Ahnung hatte, was man mir gerade gesagt hatte, war klar: hoffnungslos übertrieben.

Als Japanisch-Lernender bleibt einem nur eines übrig: Japanische Bescheidenheit, selbst wenn du schon perfekt sprichst oder sprichst wie ein Japaner: „a – mada mada des“ (noch lange nicht!!!) Dazu eine abwehrende Haltung mit den Händen und einen bedauernden Gesichtsausdruck (in meinem Falle ehrlich gemeint) und du bist angekommen im Umgangsspachen-Japanisch-Himmel!


もぐもぐ • モグモグ • mogumogu

Bedeutung: kauen, vor sich hin murmeln, Worte verschlucken

Ich mag den Gedanken, dass man Worte kauen und verschlucken kann und seit ich den japanischen Ausdruck dafür kenne, höre ich ständig vor sich hin murmelnde Menschen mogumogu sagen.


ニコニコ • nikoniko

Aber warum bedeutet NIKONIKO lächeln, fragst du dich jetzt vielleicht?

Dazu schau noch mal genau auf die Katakana-Schreibweise, neige deinen Kopf dazu zu linken Schulter und dann müsstest du es eigentlich schon sehen können, das Lächeln =) 🙂

Mit Klang hat es also hier ausnahmsweise wenig zu tun.

„Itsumo nikoniko des ne!“ (Du lächelst immer, oder?)

Wer lächelnd durch die Gegend läuft und damit auffällig wird, der bekommt diesen Satz von Japanern zu hören.

Viel zu viele Lehrbücher vernachlässigen diese nützlichen Ausdrücke, die im japanischen Alltag allgegenwärtig sind. Vor allem Frauen verwenden sie gerne, weil sie sich immer irgendwie niedlich anhören.


げらげら • ゲラゲラ • geragera

Eine weitere Form des Lachens: das besonders fiese und hämische Lachen, bei dem immer ein wenig Schadenfreude mitschwingt.

Das Wort GERAGERA sieht man auch oft in Mangas immer im Zusammenhang mit exzessiv lachenden Gesichtern, daher wird gerne die Katakanaform verwendet. Die sieht auch wesentlich böser aus.


いちゃいちゃ • イチャイチャ • ichaicha

Ein etwas harmloserer Begriff statt rummachen wäre hier vielleicht rabu rabu (=love love).

In Japan ein eher ungewöhnlicher Anblick, wenn zwei Verliebt in der Öffentlichkeit rummachen oder heftig flirten, so dass es jeder mitbekommt.

Knutschen in der Öffentlichkeit kommt in Japan (und auch in viele anderen asiatischen Ländern) nicht so gut.

Warum?

1. Gehört in den Privatbereich, den niemanden etwas angeht.

2. Das Umfeld könnte durch solche Szenen peinlich berührt sein

3. Ein kleines Küsschen ist vielleicht nicht so schlimm, wobei ich auch das selten sehe, aber innige Küsse, gehören einfach ins Schlafzimmer (oder ins Lovehotel) und sind Teil des Vorspiels. So hat man mir das zumindest mal erklärt.

Ist bei uns eigentlich nicht anders, oder?

Hören kann man das ichaicha manchmal. Mit ichaicha soll aber tatsächlich eher ein Ton nachgeahmt werden, der einen äußeren Zustand beschreibt.


うろうろ • ウロウロ • urouro

Bedeutung: ziellos umherirren, im Kreis laufen.

Ein gutes Beispiel für eine Beschreibung von Bewegung, die aber nicht zum Ziel führt. Das ziellose Herumlaufen ist besonders bei japanischen Jugendlichen in Kaufhäusern zu beobachten und daher kein seltener Ausdruck im Manga.


くるくる • クルクル • kurukuru

Bedeutung: drehen (um sich selbst)

Das Wort habe ich im japanischen Kinderfernsehen gelernt.

Da wurde ein Lied gesungen in dem kuru kuru kuru kuru gesungen wurde und die Kinder ihre Arme dabei gegeneinander drehen mussten. Das konnte ich mir gut merken, denn das Drehen passt hervorragend zu dem Wort.

Manchmal auch als guruguru gezeichnet, ist mir dieser Ausdruck immer wieder begegnet.

Als ich da auf meine eine kuru-kuru-Angewohnheit angesprochen wurde. Nichts Schlimmes: Ich drehe meine Haare manchmal um meine Finger.

Als Jugendliche hatte ich einen ganz besonderen Lieblingstanzstil, bei dem ich mich minutenlang um meine eigene Achse drehen konnte, ohne dass mir richtig schwindelig wurde.

Also auch kuru kuru – auf Japanisch – andere bezeichneten mich auch als balla balla – auf Deutsch. Mittlerweile habe ich dieses einzigartige Talent verloren. Heute falle ich nach 2 Minuten böse auf die Nase. Schade eigentlich.

Allein auf Lebewesen kann man das Wort allerdings nicht anwenden, sondern auch auf Gegenstände, daher ist es einfach dem Oberbegriff Gitaigo zuzuordnen.


ごろごろ • ゴロゴロ • gorogoro

Bedeutung: faulenzen, genüsslich schnurrend, einrollen, kullern, aber auch Magenknurren oder donnern

Schnurrend wäre dann wohl eher ein Fall von Giseigo, und ein grummelnder Magen, der schon fast vor Hunger schmerzt macht ebenfalls gorogoro, also ganz klar ein Ausdruck der dem Giongo zugeordnet werden kann. Auch leises Donnergrollen wird mit gorogoro bezeichnet.

Bei gorogoro denke ich zunächst an eine Katze, der es richtig gut geht. Die schnurrend auf der Couch liegt und nichts macht, außer es sich gut gehen zu lassen. Vielleicht alle Viere von sich gestreckt da liegt, und verwöhnt werden will.

Aber…

Weil wir Menschen, wenn wir faul auf der Couch liegen, aber selten Hände und Füße weit von uns strecken, sondern gerne eingerollt da liegen, bezeichnet man das Faulenzen und Relaxen ebenfalls mit gorogoro.

Kleine Babys kullern vergnügt durch die Gegend und auch das wird gorogoro genannt.

Allgemein gesprochen ein äußerst positives Erscheinungsbild eines Lebewesens, zumindest fühlt es sich gut an untätig und nichts tuend irgendwo rumzuliegen.

Wenn der Magen knurrt, dann wohl, weil man zu faul zum Essen ist und wenn es draußen donnert, dann ist der Platz auf der warmen Couch doch mit Abstand der Beste, nur noch übertroffen vom Bett. Gorogoro geht auch dort. Kullern oder eingerollt vor sich hinliegen und nichts tun. Meine ganz eigene Interpretation von gorogoro – geräuschlos und daher auch der Kategorie Gitaigo / Giyougo zuzuordnen.


ぶらぶら • ブラブラ • burabura

Bedeutung: müßig, faul, träge, gemächlich

Das erinnert mich so sehr an das Bula Bula – den Willkommensgruß auf den Fiji-Inseln. Bula Bula heißt dort: Hallo! Willkommen! Schön dich zu sehen! Auf Wiedersehen! „Mach mal ganz ruhig und bloß keinen Stress. Wir haben hier auf den Fijis jede Menge Zeit!“

Ob sich die Japaner dieses Wort tatsächlich von den Fijis abgeschaut haben, weiß ich allerdings nicht. Merken kann ich es mir trotzdem super, zumal das japanische burabura auch eher wie ein bulabula ausgesprochen wird.


ぴょんぴょん • ピョンピョン • pyonpyon

Ein sehr süßes japanisches Wort, mit dem man das Hüpfen ausdrückt.

Ein Kaninchen, das den Weg entlang hoppelt, zum Beispiel. Oder ein Frosch.
Auch auf hüpfende Kinder trifft das Wort zu. Eigentlich auf alles, was süß aussieht und hüpft.


ぐでんぐでん • グデングデン • gudenguden

Wer richtig betrunken ist, auf den passt dieses Wort.

Eine lautlose Erscheinung? Eher ein Zustand, der niemals lautlos ist, oder doch?

Gröhlen gehört eben nicht unbedingt zwangsläufig zu den Erscheinungsbildern betrunkener Japaner.

Na, ich weiß trotzdem nicht so recht, ob ich das hier richtig einsortiert habe?

Kenichi Hagigawa sing dazu ein schönes Lied: Guden Guden – ein echter Oldie-Klassiker!!!

Sich in Japan nach Feierabend ordentlich zu betrinken, ist nichts Ungewöhnliches und durchaus gesellschaftsfähig. Selten habe ich so viele besoffene Menschen in der letzten U-Bahn gesehen, wie in Tokyo. Auch in Bars wurde der ein oder andere seriös aussehende Anzugträger schon herausgetragen von seinen Kollegen, mit einer Selbstverständlichkeit, die mich immer wieder erstaunt.


ぺこぺこ • ペコペコ • pekopeko

Bedeutung: hungrig sein, verhungern

Wenn ich mich recht erinnere, war das mein erstes Wort, dass ich von einem der kleinen Kinder im japanischen Hort lernte. Die quengelten immer rum und schrien pekopeko. Erst dachte ich, die wollen etwas spielen. Aber tatsächlich wollten sie nur essen und taten dabei meistens so, als seinen sie kurz vorm Verhungern.

Deshalb hab ich das pekopeko als Kleinkindersprache bei mir abgespeichert und verwende es selbst nicht gerne.

Wenn ich Hunger habe dann sage ich Hara hetta (wörtlich: der Bauch ist leer).


ふらふら • フラフラ • furafura

Bedeutung: erschöpft, kraftlos, matt, ausgelaugt.

Wieder eines dieser Wörter, welches gerne in Manga verwendet wird, um den Gemütszustand einer Person treffend auszudrücken.

Gar nicht schlecht, das zu kennen, wenn man in Japan ist. Denn furafura ist dort jeder früher oder später.

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Gijougo • 擬情語

Eine weitere Unterkategorie von GITAIGO, weil auch hier nicht hörbare Laute nachgeahmt werden. Mit den Ausdrücken sollen Gefühle und Emotionen assoziiert werden.

Ist es den Japanern gelungen? Was denkst du?

どきどき • ドキドキ • dokidoki

Bedeutung: Herzklopfen

Wie macht ein heftig klopfendes Herz?

Richtig: DOKI DOKI

Kann man doch eigentlich hören, wenn einem das Herz bis zum Hals schlägt, dachte ich immer. Tatsächlich wird dieser Ausdruck deshalb auch oft der hörbaren Kategorie Giongo zugeordnet.

Doch wer rennt schon mit einem Stethoskop durch die Gegend?

Viel mehr ist mit doki doki das Gefühl gemeint, aufgeregt zu sein (oder schrecklich verliebt). Immer dann, wenn das Herz verrückt spielt und zu rasen beginnt.


わくわく • ワクワク • wakuwaku

Bedeutung: vor Aufregung zittern, nervös sein (im positiven Sinne)

Wakuwaku kann durchaus mit dokidoki auftreten. In der Gegenwart einer Person, in die man vielleicht total verknallt ist, kann es durchaus zu heftigem Herzklopfen in Verbindung mit aufgeregtem Zittern kommen.

Bei mir äußert sich das wakuwaku meistens in wasserfallartiges Geplapper, ohne dass das Gehirn da in irgendeiner Weise involviert oder eingeschaltet ist. Denken kann ich nicht, wenn ich aufgeregt oder nervös bin. Also Vakuum im Gehirn, so hab ich mir den Ausdruck am besten merken können 😉


ちくちく • チクチク • chikuchiku

Spitze Nadeln machen chikuchiku. Man kann es förmlich fühlen DAS CHIKUCHIKU, oder? Daher habe ich es einfach mal den Gefühlen zugeordnet. Ob das richtig ist?

Auch kannst du CHIKUCHIKU im Herzen fühlen, wenn es sich anfühlt, als fügen dir da kleine Nadeln langsam Schmerzen zu. Ob nun physisch oder psychisch. Das klassische Liebeskummergefühl, dass nicht gleich über dich hereinbricht, sondern sich quälend schmerzhaft anfühlt – ganz geräuschlos eigentlich. AUTSCH!

Ausgesprochen wird es tschicku tschicku.


ぼけっと • boketto

Bedeutung: verträumt durch die Gegend gucken, nachdenklich sein.

Endlich mal ein Wort ohne Doppelung. Zwar könnte man meinen, mit boketto wird ein Zustand beschrieben, aber eigentlich ist damit eher das Gefühl gemeint, wenn man einfach mal in den Tag hineinträumt.

Für mich hört sich boketto aber eher nach einem Tanzstil oder nach einer Zigarrensorte an und weniger nach Träumerei.


いきいき • 生き生き • ikiiki

Bedeutung: Lebhaft, beschwingt, lebendig

Das Wort hat weniger mit dem Klang von Lebendigkeit zu tun, sondern leitet sich vielmehr vom japanischen Wort für leben ab: 生きる • ikiru. Passt dann am Ende aber doch sehr schön zu einer lebhaften Person. Ich stell mir die gleich so ikiiki vor.


がつがつ • ガツガツ • gatsugatsu

Bedeutung: gierig, essen herunterschlingen, vor Verlangen brennen

Auch dieses Wort sieht man häufig im Manga, wenn jemand dargestellt werden soll, der sein Essen ganz gierig verschlingt, ohne Luft zu holen. Dabei können schon mal recht merkwürdige Töne entstehen, wie gatsugatsu.

Dann allerdings hätten wir hier einen Fall von Giseigo, ein Wort, dass eine Stimme nachahmt und weniger das Gefühl von Gier und unbändigem Verlangen.

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Und kennst du noch weitere Ausdrücke, die hier noch fehlen? Hast du ein Lieblingswort? Dann hinterlasse mir doch gerne einen Kommentar.

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1 Kommentare

  1. Liebe Daniela

    Das sind alles sehr interessante Ausdrücke!
    Danke, dass du dir die Mühe gemacht hast, die alle herauszusuchen, zu definieren und zu erklären!

    Einige kannte ich schon, aber die grosse Mehrheit war neu für mich. Besonders das Pyonpyon in Zusammenhang mit dem Bild vom Känguru konnte ich richtiggehend hören beim Lesen 😀

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