Das 7-Kräuter-Fest in Japan: Nanakusa no Sekku | 七草の節供

Als aufmerksame Leserin oder Leser meines Blogs und meiner Artikel zu den japanischen Feiertagen ist es dir vielleicht schon aufgefallen.

Da fehlt doch ein Fest!

Und das schon seit Jahren.

Zwar hab ich das schon mal kurz erwähnt, aber ansonsten taucht das nirgendwo im gesamten Blog auf:

Das Sieben-Kräuter-Fest: Nanakusa no Sekku

Gerade war es wieder soweit. Gerade wieder verpasst!

Auch in diesem Jahr wollte ich den Tag ignorieren, einfach übergehen – den 7. Januar einfach 7. Januar sein lassen.

Es ist kein Feiertag, an dem die Japaner frei haben. Und daher fällt er kaum auf, vor allem nicht nach den ganzen Festtagen zum Neujahr.

Tatsächlich ist es so, dass das Nanakusa no Sekku am 7. Tag des neuen Jahres ganz offiziell die Neujahrsfeierlichkeiten in Japan beendet. Jetzt sollten alle Neujahrskarten / Nengajo verschickt worden sein und die Dekoration wird wieder abgenommen.

Warum ich nichts zu dem Fest der sieben Kräuter schreiben möchte!

Das hat ganz persönliche Gründe!

Ich kann da nichts – aber auch gar nichts – zu erzählen!

Außer natürlich das, was ich bei Wikipedia und in anderen Blogartikeln gelesen habe.

Schau dir dazu einfach die Nanakusa no Sekku Artikel an von

Warum hab ich das 7-Kräuter-Fest eigentlich nie gefeiert?

Beim letzten Telefonat mit meiner Schwiegermutter habe ich sie mal ganz direkt gefragt:

„Ihr hab mir ja viel über Japan erzählt und mir alle Feiertage so genau erklärt. Was ist eigentlich mit dem Nanakusa No Sekku. Von dem habt ihr mir nie erzählt, oder? Feiert ihr das gar nicht?“

„Klar, haben wir das gefeiert! Da haben wir Nanakuza Gayu gegessen, Reis-Porridge mit den sieben Frühlings-Kräutern!“

„Ach so! Das war’s schon? Das war alles? So genau kann ich mich da jetzt gar nicht mehr dran erinnern!“

Tatsächlich erinnere ich mich nicht mehr an jedes einzelne Gericht, dass ich in Japan gegessen habe. Aber an Reisbrei natürlich schon oder Reissuppe, wie ich es nenne, mit Gemüse und Kräutern.

Das essen wir übrigens nicht nur einmal im Jahr am 7. Januar.

Bei uns gibt es Reissuppe immer, wenn wir krank sind oder uns krank fühlen!

Wenn bei uns jemand erkältet ist, Halsschmerzen, Bauchschmerzen oder an sonstigem Energieverlust leidet, dann gibt es Reisporridge mit Kräutern und Gemüse.

Reisbrei mit Gemüse und Kräutern

Gemüse, Kräuter und bereits vorgekochten Reis in einer Brühe aufkochen, bis alles schön weich ist. Mit feinen Frühlingszwiebelringen garnieren. Fertig!

Da muss ich jetzt kein Rezept raus machen, oder?

Tatsächlich hab ich das auch gestern gegessen:

Es war Sonntag. 7. Januar, ich fühlte mich nicht so gut und der Kühlschrank gab nur wenig her.

Also übrig gebliebener Reis vom Vortag mit Möhren, Petersilie, Sellerie und Frühlingszwiebeln aufgekocht in Hühnerbrühe. Dazu hab ich noch ein verquirltes Ei in dem heißen Brei gerinnen lassen und mit Salz abgeschmeckt und mit fein geschnittenen Frühlingszwiebelringen (Negi) garniert.

Die sieben japanischen Frühlingskräuter hatte ich nun nicht zur Hand. Mit der Gesundheit hat es trotzdem geklappt. Heute geht es mir schon wieder gut.

Welche Kräuter werden traditionell verwendet?

Bild aus meinem Haushaltskalender 2018

Die Links führen zu entsprechenden Bildern der einzelnen Kräuter auf die japanische Wikipedia Seite.

  • セリ • Seri (eine Art japanischer Petersilie) •
  • ナズナ • Nazuna • 
  • ゴギョウ • Gogyo • 御形
  • ハコベラ • Hakobera (Hirtentäschelkraut – das mit den mit den herzförmigen Blättern) • 田平子
  • ホトケノザ • Hotokenoza (eine Art Taubnessel) • 仏座
  • スズナ • Suzuna (die Blätter des Kabu / runde weiße Speiserübe) • 
  • スズシロ • Suzushiro (die Blätter des Daikon / Winterrettich) • 清白

Anfang des Jahres gibt es die in  Japan überall zu kaufen.

Meine Schwiegermutter erwähnte gestern am Telefon auch noch, dass es die mittlerweile in einem Set, dem Nanakusa-setto, zu kaufen gibt. Außerdem findet man seit Jahren gefriergetrockneter Nanakusa no Sekku Kräuter im kleinen Tütchen, für den Singlehaushalt und für alle Faulen.

Zum nächsten Jahr werde ich mir so ein Tütchen auf jeden Fall von meiner Schwiegermutter schicken lassen 😉

Wie der Name Nanakusa no Sekku schon verrät, handelt es sich hier um eines der fünf Sekku Zeremonien:

Was bedeutet Sekku oder Go Sekku?

Go Sekku • 五節句
Das sind die fünf Zeremonien im Jahr, die für die Jahreszeitenwechsel stehen.

Sie widmen sich der Gesundheit und dem Abwenden von Unheil. Denn ein Wechsel der Jahreszeiten bedeutet sowohl für den Körper, als auch für die Natur eine Herausforderung.

Für die Landwirtschaft bedeutet das Unheil, welcher irgendwie mit dem unglücklichen Datum von zwei ungeraden Zahlen zu tun haben soll – Frag bitte nicht genauer, so richtig habe ich den Aberglauben nicht verstanden. Kommt aus China und hat was mit Ying und Yang zu tun!

Um den ungünstigen Ereignissen „dieser Unglückstage“ entgegenzuwirken, gibt es am kaiserlichen Hofe des Tenno noch immer die fünf Zeremonien oder Veranstaltungen, 節会 • Sechie genannt:

1.1. Kochōhai • 小朝拝: die Neujahrszeremonie am Hofe
3.3. Kyokusui • 曲水の宴: Zeremonie an der Strömung
5.5. Ayame no hi • 菖蒲の日: Tag der Japanischen Iris
7.7. Kikkoden • 乞功奠 ursprünglich, aber mittlerweile nur noch unter Tanabata 七夕 bekannt.
9.9. Chōyō no en • 重陽: die wiederholende Zahl

Die Tage liegen eigentlich dem Mondkalender zugrunde, weil sie ursprünglich aus China kamen.

Von den Japanern adaptiert und weg vom Mondkalender rein in den gregorianischen Kalender, entstanden mit der Zeit die wesentlich bekannteren Zeremonien, die auch in den Familien gefeiert werden:

Die fünf Feste zum Jahreszeitenwechel in Japan heute

7.1. 人日 • Jinjitsu oder Sieben-Kräuter-Fest • 七草の節供 • Nanakusa no sekku.
3.3. Hinamatsuri • 雛祭り• das Puppenfest.
5.5. Tango no Sekku • たんごの節供 oder Der Tag des Kindes • こどもの日 • Kodomo no hi.
7.7. Shishiseki oder Tanabata • 七夕 • das Sternenfest.
9.9. Kiku no Sekku • 菊の節供 • das Chrysanthemenfest.

7. Januar: Jinjitsu – Der Tag der Menschen

In  meinem japanischen Kalender gibt es neben der Wochentage und den Festen noch einen zusätzlichen Eintrag, den ich dir hier nicht vorenthalten  möchte:

Jinjitsu • 人日

Der Tag des Menschen / der Menschen oder der Tag der Menschheit.

Das ist wieder eine Bezeichnung aus dem Chinesischen. Also alles nicht ganz einfach mit den Feiertagen und den vielen Namen.

Bestimmt habe ich dich jetzt total verwirrt.

Und da fragst du dich, warum ich mich um diesen Artikel so lange gedrückt habe???

Aber eine letzte Frage, die mir neulich gestellt wurde, möchte ich zum Ende noch beantworten:

Bis wann darf man sich in Japan ein frohes neues Jahr wünschen?

Ich frag mich das auch in Deutschland immer. Wie lange geht das eigentlich noch?

Bis zum 6.1., den heiligen drei Königen, sagen die einen. In der ersten Woche ist es ok, sagen die anderen. Wieder andere sagen, der ganze Januar ist für die Neujahrsgrüße noch akzeptabel.

Genauso unschlüssig sind auch die Japaner. Selbst wenn am 7. das Neujahr offiziell vorbei ist, darf man auch am 23. noch Freunden ein neues Jahr wünschen, wenn man sich zum ersten Mal im neuen Jahr trifft. Alles ziemlich easy.

Dazu gibt es auch in Japan keine Regel. Einfach dem Gefühl folgen 😉


Der nächste Japanische Feiertag ist am 8. Januar:
成人の日 – Seijin no Hi – Tag der Volljährigkeit

2 Kommentare

  1. Liebe Daniela,

    das ist ein Fest ganz nach meinem Geschmack – schön unprätentiös und ohne großes Pom-Pom, dafür aber mit einem eigenen Gericht :). Sehr geil auch Deine Rezeptbeschreibung, haha, das spricht für Deine ebensolche praktisch orientierte Art, die ich an Dir und Deinem Blog so schätze.
    Reisporridge habe ich also schon das ein- oder andere Mal genau so gekocht, ohne zu wissen, dass ich da was japanisches kreiert habe 😉

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