Mein grünes Japan oder Japan feiert den Tag der Natur | みどりの日

Bild zum japanischen Feiertag: Midori no Hi, der Tag der Natur |nipponinsider japanblog

[Update 2017]

Wenn ich ein Bild von Japan zeichnen müsste, dann wäre das grün.

Das liegt nicht daran, dass ich keine rosa Kirschbaumblüte zeichnen kann. Japan ist für mich einfach grün. Hat sich so in meinen Kopf gebrannt:

Wir sitzen im Zug und fahren durchs Land. Ich schaue aus dem Fenster und staune nicht schlecht. Standen da nicht gerade noch Hochhäuser in den Randbezirken von Tokyo? Jetzt schaue ich links und rechts auf grüne Reisfelder, auf saftiges Grün unter blaue Himmel.

Das ist mein Japan-Bild. Das geht nicht mehr weg.

Mein grünes Japan

Immer wenn ich mit dem Zug durch die Reisfelder fahre, dann kribbelt plötzlich alles in mir. Dann habe ich dieses zufriedene Gefühl:
Hier bin ich richtig.
Hier gehöre ich hin.

Grün wirkt so positiv und optimistisch.
„Rot ist die Liebe und Grün ist die Hoffnung“, sagte meine Oma früher immer. Vielleicht hat sie mir damals, als ich noch ein Kind war, den Japan-Floh schon ins Ohr gesetzt?

Jetzt willst du wissen, was das mit dem Feiertag zu tun hat? Gar nichts. Oder vielleicht alles.

Bild zum Midori no Hi dem Tag der Natur. Ich stehe dabei in den Reisfeldern von Tohoku | nipponinsider japanblog

©2008 by nipponinsider | in den Reisfeldern von Tokoku

Midori ist keine Farbe

Midori • 緑 • みどり – wird im Allgemeinen mit Grün übersetzt. Und vieles in Japan ist grün:

  • Telefonzellen und öffentliche Telefone sind grün, aber trotzdem nicht midori
  • Japans erste Klasse in den Zügen nennt sich Green Cars
  • Japan ist bekannt für seinen Grünen Tee 緑茶 • りょくちゃ • Ryokucha

Nur eines ist nicht grün in Japan – die Farbe an den Ampeln. Die ist Ao. In Japan heißt es „Bei Rot stehen, bei Blau gehen!“. Auch in der Beschreibung von technischen Geräten heißt es nicht etwa „…wenn das grüne Lämpchen brennt…!“. Selbst wenn es sich tatsächlich um ein grünes Lämpchen handelt, ist die Rede immer von dem blauen Lämpchen.

Als ich danach fragte, warum das so ist, da verstand man zunächst meine Frage nicht. „Midori ist Midori. Das ist keine Farbe, das ist die Natur! Und das Licht der Ampel ist blau, nicht grün!“.

Japaner sehen in Midori mehr als nur eine Farbe. Wenn sie die Farbe Grün meinen, dann sagen sie oft Ao oder Aoi, was wir mit Blau übersetzen oder sie sprechen einfach von guriin • グリーン.

Midori ist …

Bild zum japanischen Feiertag: Midori no Hi, Tag der Natur. Bild: japanischer Garten | nipponinsider japanblog
Warum wird der Tag der Natur gefeiert?

Als ich in Japan lebte – von 2003 bis 2009 – da feierte man den Midori no Hi anfangs noch am 29. April. Heute ist das der Showa no Hi. Was es mit diesem Tag auf sich hat, habe ich im Artikel HIER erklärt.

Entstanden ist der Feiertag, weil der mittlerweile verstorbene Showa Tenno am 29. April Geburtstag hatte. Er liebte die Natur und als er starb machte man ihm zu Ehren aus dem 29. April ganz einfach den Tag der Natur oder Midori no Hi.

2007 wurde der Midori no Hi auf den 4. Mai verlegt. Das war keine große Sache und fiel den wenigsten Japanern auf, denn es gibt eine Feiertags-Regel, die besagt, wenn ein Tag zwischen zwei Feiertage fällt, wird er automatisch zu einem arbeitsfreien Tag.

Der 3. Mai ist Verfassungsgedenktag und der 5. Mai nennt sich Kodomo no Hi oder Tag des Kindes. Der 4. Mai wäre demnach ohnehin frei gewesen, ob nun mit dem Midori no Hi oder ohne.

Wie wird gefeiert?

Eigentlich wird gar nicht gefeiert. Vielleicht werden irgendwo symbolisch ein paar Bäume gepflanzt. Das kann gut sein. Da bietet sich der Midori no Hi ja als gutes Omen an. Eventuell gibt es dazu sogar eine kleine Feier oder Zeremonie in einem Tempel. In erster Linie ist es einfach mal wieder ein freier Tag für viele.

Die Hauptreisezeit in Japan ist als Golden Week bekannt und der Tag der Natur ist ein Teil davon. Wer frei hat, genießt die Zeit und erholt sich. Viele fahren in den Urlaub, reisen ins Ausland, machen Sightseeing im eigenen Land, fahren zum Shoppen vielleicht in eine größere Stadt oder machen einen Tagestrip nach Tokyo Disneyland oder zu den Universal Studios Japan nach Osaka. Es muss nicht unbedingt Natur sein, am Tag der Natur. Dabei hat die Natur für Japan eine ganz besondere Bedeutung.

Japaner und die Liebe zur Natur

Neben dem Buddhismus ist der Shintoismus eine der zentralen Religionen in Japan. Der Shintoismus ist eine Naturreligion und hat ihren Platz in vielen Details des Alltagslebens in Japan gefunden. Vereinfacht gesagt: Alles Leben entsteht aus der Natur und nach dem Tod bleibt Mensch und Tier unter uns.

Die Natur in Japan ist außergewöhnlich schön, an vielen Stellen unberührt und unbewohnt. So groß die Städte in Japan auch sind, der Weg raus in die Natur, in die Wälder, auf die Berge, zu den heißen Quellen oder an die Küste ist nie weit.

Die Natur in Japan ist aber nicht nur einzigartig, sondern auch sehr gewaltig:

  • Erdbeben und Tsunamis
  • Taifune
  • rauchende Vulkane
  • viel Regen
  • Schnee in Masse

Dass man die Natur niemals bezwingen kann, ist jedem Japaner klar. Man lebt damit, lernt damit zu leben. Mein Schwiegervater erklärte mir das einmal so: „Erdbeben gibt es hier nun einmal viele – jammern hilft da auch nichts. Stattdessen freuen wir uns über die vielen heißen Quellen.“

Soviel Optimismus kann ich gut ertragen. Ich bin ein wirklich positiv denkender Mensch und vielleicht fühle ich mich deshalb in Japan so wohl.

Bild zum japanischen Feiertag Midori no Hi tag der Natur, zeigt einen japanischen Garten | Nipponinsider Japanblog

Der nächste Feiertag ist am 5. Mai:
こどもの日 • Kodomo no Hi • Der Tag des Kindes

Und dann kommt erstmal lange nichts!

Diese Artikel könnten dir auch gefallen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.