5 Dinge, die typisch japanisch sind

Bild mit Zabuton und Füßen: Typisch japanisch, was ist das? | nipponinsider
Das gute alte Spiel Stadt, Land, Fluss kennst du sicher noch, oder? Sabine vom Reiseblog Ferngeweht.de hat zu Stadt, Land, Fluss – XXL Runde aufgerufen und ich habe die Patenschaft für das J wie Japan übernommen.

Nippon Insider ist ja quasi ein J. Aber EINEN Japan-Artikel soll ich jetzt schreiben. Einen einzigen zum Thema Japan. Wie soll ich das denn machen? Das hatte ich mir wirklich einfacher vorgestellt.

Jedes Land hat seine Eigenarten, seine Macken, aber auch das besondere Etwas.

Natürlich sind die Menschen eines Landes Individuen und jeder hat seine eigene Persönlichkeit. Da kann ich unmöglich alle über einen Kamm scheren. Ich steh auch nicht auf Stereotypen und möchte Menschen nicht in Schubladen stecken.

Als ich meinen Mann Daisuke kennenlernte, behauptete er von sich, er sei typisch japanisch: Schwarze Haare, dunkle Augen, kurze Beine und immer mit einer Kamera um den Hals!

Das Aussehen ist eine Sache, aber da muss es doch noch etwas anderes geben, was „japanisch sein“ erklärt. Das will ich genauer wissen. Was bedeutet eigentlich „typisch japanisch“?

Fast ahne ich die Antwort, als ich Daisuke nach seiner Meinung frage:

tatami: nihonshoku - was ist das? | Nipponinsider

Japanisches Essen

Kaum ein Tag vergeht, an dem Daisuke sein geliebtes japanisches Essen nicht vermisst. Und so geht es allen Japanern im Ausland. Früher oder später drehen sich die Gespäche ums Essen.

Japaner lieben es zu essen, Essen zu fotografieren, sich essen anzuschauen…
Wer einmal kurz durch das japanische Fernsehprogramm zappt, weiß, wovon ich spreche. Hier werden nicht nur kuriose Restaurants vorgestellt, Gerichte gekocht, regionale Spezialitäten vorgestellt oder einfach ein Essensmarathon veranstaltet. Bei jeder Reise, die im Fernsehn vorgestellte wird, geht es neben Sightseeing immer auch ums Essen.

Ich erinnere mich noch gut an unsere vielen Reisen durch den Norden Japans – Tohoku und auch Hokkaido. Mit dem Auto ging es von einer regionalen Köstlichkeit zur Nächsten.

Die japanische Küche ist unglaublich vielfältig, mit einer eigenen Philosophie und ganz eigenen Regeln. Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wenn ich hier ins Detail ginge.

Eine Übersicht zur kulinarischen Harmonie findest du HIER, wo erklärt wird, warum Nihon Shoku • 日本食 (oft auch Wa-Shoku • 和食 genannt) 2013 zum Weltkulturerbe wurde.

Ein kleiner Tipp von mir an dieser Stelle:
Solltest du in Japan mit Japanern essen, ist eines zu beachten: ESSEN IMMER LOBEN!!!!!
Ein „Oishii“ oder „Umai“ sollte unbedingt nach dem ersten Bissen erfolgen und darf gerne während der Nahrungsaufnahme wiederholt werden. Japaner werden ihre Köpfe aus den Schüsseln heben und dir anerkennend zulächeln. Sie werden denken „Da hat mal einer verstanden, wie wir Japaner ticken!“ Denn Japaner lieben gutes Essen und die Wertschätzung guten Essens ist ihnen sehr wichtig!

 

tatami: ganbaru - was ist das? | Nipponinsider

Den Kampfgeist ansprechen

  • immer sein Bestes geben
  • niemals aufgeben
  • durchhalten

Wer sein Fußballteam anfeuern will, der schreit GANBARE!!!“ und appelliert an den Kampfgeist des Teams.

Beim Japanisch lernen erkläre ich immer wieder, dass ich mich sehr bemühe, dranbleibe und fleißig lerne, obwohl die Sprache so schwer ist: ganbarimasu!“.

Wenn ich jemandem viel Glück für die Prüfung wünsche, sage ich Ganbatte!“, bekomme als Antwort kein Dankeschön, sondern ein „Ganbarimasu, ein „ich-werde-mein-Bestes-geben!“.

In Situationen, wo man Menschen Mut zusprechen möchte, wie etwa nach einer Katastrophe, steht Ganbare!!!“ für „Ihr schafft das! Haltet durch! Wir glauben an euch und sind in Gedanken bei euch!“

Ein „Yes, we can!“ übersetze ich ebenfalls mit Ganbarou“ Wir schaffen das!

 

tatami: gaman - was ist das? | Nipponinsider

In einer schlechten Lage

  • etwas erdulden
  • ertragen
  • aushalte
  • geduldig sein

Wenn Daisuke unbedingt frischen Fisch essen will, aber es stattdessen wieder mal nur „Kartoffeln mit Bratwurst“ gibt, dann kommentiert er das wahrscheinlich mit Gaman!“

Wenn ich Bauchschmerzen habe, aber nicht zum Arzt möchte, sondern meine Schmerzen einfach ertrage – auch das ist Gaman“.

Der Job ist scheiße, aber wenigstens bringt er Geld und irgendwann wird was Besseres kommen, daher heißt es, Geduld haben oder Gaman“.

tatami: shoganai - was ist das? | Nipponinsider
„Was sollen wir dagegen ausrichten?“

Man nimmt es an, wie es ist:

  • Was soll’s?
  • Ist halt so!
  • Man muss damit leben!
  • Es gibt nichts, was wir dagegen tun können.

Wenn Daisuke unbedingt frischen Fisch essen will, aber es stattdessen wieder mal nur „Kartoffeln mit Bratwurst“ gibt, dann kommentiert er das wahrscheinlich zuerst mit „Gaman!“ und wird ein Shoganai“ hinzufügen. In Berlin gibt es halt keinen frischen Fisch! Was soll’s, dann eben Wurst.

Als ich nach der großen Erdbeben-Katastrophe 2011 mit meinen Schwiegereltern in Fukushima sprach, bekam ich immer wieder die gelassen wirkende Antwort Shoganai“. So ist die Situation nun einmal. Es lässt sich nicht mehr ändern und wir müssen jetzt zusehen, wie wir damit leben – will dieses kleine Wörtchen sagen.

Diese ruhige Haltung und das Akzeptieren der Situation bewundere ich so sehr.

Ich bin Deutsche und das bedeutet: erstmal meckern und sich beschweren, sich groß aufregen und das Herz zum pumpen bringen, Panik schieben und verzweifeln. Und das alles, weil das Wetter schlecht ist.
Warum der ganze Stress? „Shoganai!“

 

tatami: mottainai - was ist das? | Nipponinsider

„Was für eine Verschwendung!“

Wenn man die Verschwendung einer Sache bedauert oder etwas nicht richtig genutzt wird:

  • nichts verschwenden
  • alles möglichst gut nutzen
  • Spirit of „Reduce, Re-use, Recycle“

Als ich trotz meine „überragenden Englischkenntnisse“ (aus japanischer Sicht) lieber in einem Café im Service arbeiten wollte, hörte ich das immer wieder: „Mottainai!“ Meine Fähigkeiten ungenutzt lassend.

Wenn Wohnungen leerstehen:“Mottainai“.

Dass es so viele praktische Dinge in Japan gibt, hat sicher auch etwas mit dem „Mottainai-Gedanken“ zu tun. Warum sich das Leben unnötig schwer machen, wenn man doch einfach etwas erfinden kann, welches ein Alltagsproblem löst.

Typisch Japanisch bedeutet also…

… wenn der vermeintlich frische Fisch stinkt, aber wegschmeißen? „Mottainai“.
Eine Fischvergiftung bedeutet in dem Fall dann eben: „Gaman“.
Oder eben keinen Fisch: „Shoganai“.
Ich mach mich jetzt besser auf die Suche nach einem wirklich leckeren Fisch:„Ganbarimasu!“
damit es endlich heißt: „Oishii!“

Diese 5 Begriffe sind mir in Japan ständig über den Weg gelaufen. 5 Begriffen, die mich gleich „typisch japanisch“ denken lassen.


Willst du mehr zum Thema Essen erfahren: WASHOKU – Japanisch kochen zuhause*

Autorin: Kimiko Barber
Titel: Washoku
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Hädecke Verlag
Sprache: Deutsch
Originaltitel: Cook Japanese at Home* (2016)

Ab dem 30. April 2017 auch auf Deutsch im Handel!

Traditionelle und moderne Rezepte von Dashi und Ramen bis Sushi und Tonkatsu.
Besteller-Autorin Kimiko Barber ist für ihre leicht umsetzbaren Gerichte bekannt.

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Was denkst du?
Typisch japanisch
– was heißt das für dich?

28 Kommentare

  1. Meine 5:

    Alles ist niedlich (kawaii!)

    Alles, was das Gegenüber sagt, ist wahr (sou desu ne!)

    Vieles ist erstaunlich (eeeeee?)

    Die Freundlichkeit in Läden ist gross, aber uniform (irasshaimaseeee! In Frauenkleidergeschäften zusätzlich: douzo goran kudasaaai)

    Und der wichtigste Punkt:
    Frauen sprechen höher, als sie müssten, Männer tiefer

    • Haha, sehr schön. Vielen Dank für deine 5!

      So eine ähnliche Liste hab ich auch zuerst im Kopf gehabt, aber dann hab ich mir meinen Mann angeschaut: bis auf Punkt 3 stimmt da nichts bei ihm. Und seine Stimme ist alles andere als tief! Er versucht es gar nicht erst.

  2. Ich habe zwar keine Liste parat, aber dennoch finde ich das in die Länge ziehen der Vocale richtig attraktiv.

    Nehmen wir einfach mal das klassische „Sugooooooooi!“ oder wie oben schon erwähnt, „Kawaiiiiiiii!“ 😀

    Das erste was ich zu hören bekam war „Sumimaseeeeeeeen!“ (Das war in einem Fischrestaurant in Shinjuku. Jemand wollte wohl ein Bier bestellen)

    Ich finde das in die Länge gezogene recht witzig für’s Ohr und somit hatte ich das recht schnell angenommen und beibehalten.
    Mit dem Effekt, das wenn ich auf Bekannte treffe sie schon im Vorfeld anfangen zu lächeln, weil sie ganz genau wissen das jetzt wieder etwas in die Länge gezogenes kommen wird. Und sei es einfach nur ein „Konnichiwaaaaaa!“ 😉

    • Unbedingt!!! Japan ist ein unglaubliches Reiseerlebnis. Sag mir Bescheid, wenn es soweit ist oder wenn du Tipps brauchst!

  3. Bei uns gab es Neuschnee heute morgen = Gaman, oder?

    @Schreibmaschine Japanische Männer sprechen tiefer? Lach mich grad halbtot, wenn ich mir die damaligen Austauschstudenten mit noch höheren Stimmen vorstelle 😉

    • Und hier regnet es und ich muß mit dem Fahrrad los und… Ach, was soll’s SHOGANAI

  4. Das nenne ich mal einen wirklich hilfreichen Artikel! Toll! Ich habe aktuell Japan nicht auf meiner Liste stehen aber sollte sich jemand in meinem Bekanntenkreis für eine Japanreise interessieren, werde ich ihn in jedem fall auf diesen Artikel verweisen.

  5. Ich bin bis jetzt stille Leserin gewesen, aber dieser Artikel gefällt mir besonders gut. Einige Ausdrücke kannte ich auch schon (Ganbare!) und viele noch nicht. Ein schöner Artikel! Ich bin selber ein großer Fan der japanischen Kultur, wobei ich leider (noch!) nicht in Japan war.

    Ich habe eine Freundin die gebürtige Japanerin ist. Auch wenn wir viel deutsch miteinander reden, merke ich an der Wortwahl, Gestik und Mimik eine Art japanischen Stil. Besonders finde ich z. B. den Ausruf „Wirklich?!“ als Pendant zu „Honto ni?“. Oder bei einer Bejahung, das wiederholte Nicken. 😀

    • Ich freu mich sehr, dass dir der Artikel gefallen hat.
      Ja, das mit dem „Honto ni?“ stimmt tatsächlich oder „sosososososo“, wenn man seine absolute Zustimmen dazu geben will.

    • Viel Dank, liebe Sabine. Es füllt sich ja langsam mit wirklich tollen Artikeln. Gibt es tatsächlich keinen Fluss mit F – für den jemand die Patenschaft übernehmen möchte? Also in Japan gäbe es den Fuji-kawa…

  6. Pingback: Stadt, Land, Fluss - die XXL-Runde - Ferngeweht

  7. Ich habe als eine Japanerin überdacht, was typisch japanisch ist. Vielleicht „Otsukare(sama)“!? Das Wort kann „Hallo“ heißen, wenn man das benutzen, wann sie/er jemandem begegnet. Das kann „Tschüs“, wann sie/er nach Hause von Arbeit gehen. Das kann auch „Gut gemacht“, wann jemand etwas geschafft hat.

    Sehr toller Artikel, Daniela!

    • Vielen Dank für deine Ergänzung und für das liebe Kompliment. „Otsukare sama“ – das ist wirklich so typisch japanisch. Wir benutzen das ständig. Das kommt auf jeden Fall auf die Liste mit den häufig verwendeten Ausdrücken.
      Liebe Grüße aus Berlin,
      Daniela

  8. Hallo Daniela,

    eins vorweg, ergänzen kann ich leider nichts, da ich noch nie in Japan war.

    Ich zufällig über Deinen Blog gestolpert und habe mich viel länger als ich wollte bei Dir umgesehen, da ich Japan für mich gar nicht auf dem Schirm hatte.
    Das hat sich nun durch Nipponinsider und diesen wirklich toll geschrieben Artikel geändert. Ich fühle mich sogar schon etwas vorbereitet.

    Vielen Dank dafür!

    • Liebe Annik,

      das hast du aber schön gesagt. Freue mich, dass es dir gefällt. Und über ein so schön gesagtes Kompliment freue ich mich ganz Besonders.

      Einen ganz lieben Dank,
      deine Daniela

  9. Ein hochinteressanter Artikel, Daniela. Vieles erinnert mich da an meine japanische Freundin, mit der ich fast zwei Jahre zusammen gelebt habe. Sie hat allerdings nicht den frischen Fisch vermisst, sondern Reis. Und den gab’s bei uns dann zwei Jahre lang – morgens, mittags und abends 🙂

    • Oh, 3 mal am Tag Reis. Das wird selbst mir zuviel – mittlerweile, hier in Deutschland im Land des Brotes. Da bist du ja schon fast japanisiert 😉

  10. Hallo,

    ich bin eine Hafu (oder auch eine Hanbun wie mich mal eine Ausländerin in Tokyo liebevoll genannt hat ^^). Auch ich bin rein zufällig auf diese Seite gestossen, habe daraufhin ein bisschen rumgestöbert und muss sagen: Ich finde Deinen Blog ganz wunderbar!
    Eine Ergänzung hätte ich noch: Tadaima bzw. Okaeri. Ich liebe die Bedeutung dieser beiden Wörter und werde sie auf jeden Fall in meiner zukünftigen Familie weiter pflegen (falls ich denn mal eine eigene Familie gründen sollte)! Ich benutze ja zumindest Tadaima auch jetzt schon bei meinen Haustieren.. ^^
    Ganz ganz lieben Dank an Dich, dass Du diesen Blog erschaffen hast und immer noch dabei bist!

    LG, Kiki

    • Liebe Kiki,
      Vielen Dank für deine lieben Worte. Musste doch sehr lachen „hanbun“ – haha, das hätte auch von mir kommen können…

      Tadaima und Okaeri sind bei uns auch fest integriert. Genau wie Itekimasu und Iterashai. Keine anderen Wörter drücken das Zuhause-Gefühl schöner aus.
      Ganz liebe Grüße
      Daniela

  11. Pingback: Tokyo und seine tausend Gesichter | Tiny Traveler

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