Wie die Kirschblüte mir das Leben rettete

Wie die Kirschblüte mit mein Leben rettete. Bild von einer Frau, die mit ihrem Smartphone Fotos von einer Kirschblüten-Spiegelung in einer Pfütze macht. | Nipponinisder

Ziemlich dramatisch hört sich das jetzt an.

Ich weiß!

Aber heute will ich mal Klartext reden und dir von meiner Krankheit erzählen.

Dieses wird wahrscheinlich mein persönlichster Post – mein traurigster und erschreckendster Artikel.

Es fällt mir wirklich nicht leicht, darüber zu schreiben.

Aber vielleicht helfen meine Erfahrungen auch anderen, die sich hier wiederfinden können.

Die heimtückische Krankheit: Depression

Es ist jetzt ein paar Jahre her, als ich die Diagnose erhielt: Depression.

Viel damit anzufangen wusste ich damals allerdings nicht. Nur wie es sich anfühlte, als plötzlich nichts mehr funktionierte. Als ich nicht mehr so funktionierte, wie ich wollte.

Ich weiß, dass ich nicht allein mit dieser Krankheit bin.

In meinem Umfeld begegnen mir immer wieder Menschen, die auch unter Depressionen leiden.

Eine heimtückische Krankheit (anzuerkennen, dass es eine Krankheit ist, hat mich bereits Jahre gekostet!).

Und ich rede nicht gern darüber, wie die meisten.

Weil es mir peinlich ist, nicht mehr zu funktionieren. Und weil es mir schwerfällt, die passenden Worte zu finden.

Wer Depressionen kennt, der weiß jetzt genau, was ich meine: Du triffst auf Unverständnis und Hilflosigkeit bei anderen, die diese Krankheit nicht kennen. Die können sich kein Bild davon machen, wie es tatsächlich in dir aussieht. Es überfordert sie und sie wissen nicht, wie sie angemessen darauf reagieren können.

Mich selbst hat es jedenfalls überfordert. Als ich noch nicht wusste, wie sich das anfühlt.

Damals habe ich mich schrecklich hilflos gefühlt und glaubte tatsächlich, mit einem „Kopf hoch! Das wird schon wieder. So schlimm ist das Leben nicht!“ – hätte ich mein Bestes getan.

Später, als es mich selbst erwischt hatte, dachte ich nur:

„Ich erzähle das lieber nicht, will auch kein Mitleid und aufmunternde Worte kommen ohnehin nicht bei mir an. Ich möchte keine schlechte Stimmung verbreiten, ziehe andere vielleicht mit meiner Stimmung runter und möchte auch niemanden mit meinen Problemen belasten.“

„Also tue ich lieber so, als sei alles Bestens. Und meide es einfach, in dieser Zeit unter Leute zu gehen (ein böser Kreislauf ist das, denn es macht alles nur noch schlimmer).“

„Und die depressiven Phasen gehen ja auch irgendwann wieder vorbei. Dann bin ich auch wieder ‚erträglich‘.“

Aber vor diesen dunklen Wochen habe ich mich immer gefürchtet.

Als das Leben plötzlich keinen Sinn mehr zu machen schien und es unendlich viel Kraft und Energie kostete, morgens aus dem Bett zu kommen. Als ich ganz allein war mit mir und meinen traurigen Gedanken.

Und immer diese Gedanken, gegen die ich nicht ankam:

Dass mir das Mal passiert.

Das passt doch gar nicht zu mir! (Na ja. Zu wem passt es schon, krank zu werden?)

Wo kommt das plötzlich her? Was ist das? Wie geht das wieder weg?

Ich bin doch immer so schrecklich optimistisch und gehe allen mit meiner positiven Einstellung auf die Nerven.

„Alles wird gut!“

Mein Spruch, der mich jahrelang begleitet hat und an den ich bis heute fest glaube.

Heute hab ich ihn allerdings ein wenig abgeändert:„ Alles wird schon seinen Sinn haben!“

Lange wollte ich es trotzdem nicht wahrhaben:

„Ich bin nicht krank. Ich brauche keine Hilfe. Ich schaffe das alleine. Es geht doch auch wieder vorbei. Es sind doch nur Gedanken in meinem Kopf, die mich gerade runterziehen. Die kann ich doch selbst beeinflussen! Das geht doch, oder? Das kann doch nicht so schwer sein.“

Oh doch. Es kann schwer sein. Es kostet unglaublich viel Kraft. Denn es ist eine ernst zu nehmende Krankheit. Und wie bei jeder Krankheit gibt es eine medizinische Erklärung.

Was ist eine Depression?

Bei Depressionen gibt es zu wenig Botenstoffe – z.B. Serotonin oder Noradrenalin. Auch kann die Übertragung gestört sein, sodass wichtige Botenstoffe im Gehirn nicht dahin kommen können, wo sie hinsollten (mal ganz vereinfacht ausgedrückt).

Medikamente helfen, die Übertragung der Botenstoffe wieder zu gewährleisten und in der Psychotherapie schaut man auf die Ursachen und lernt Strategien, die Krankheit und den Gedanken besser begegnen zu können.

Ich weiß gar nicht so richtig, wie ich das beschreiben kann und ich spüre auch jetzt noch, wenn ich daran denke, wie es mir die Kehle zuschnürt.

Der Moment, als ich zum ersten Mal den Gedanken hatte: Ich möchte nicht mehr. Will nicht mehr leben. Hab ich nicht schon genug tolle Momente in meinem Leben gehabt. Reicht das nicht?

Umbringen wollte ich mich nie, aber ich verspürte einfach keine große Lust, weiterzuleben.

Weil mir die Energie fehlt? Vielleicht.

Weil ich keine Kraft mehr in mir spürte? So in etwa.

Früher in jungen Jahren gingen solche Moment schnell vorbei.

Dann hab ich nicht groß drüber nachgedacht und einfach etwas Schönes gemacht.

Meistens bin ich auf’s Fahrrad gestiegen und einfach so durch die Gegend gefahren. Da konnte ich am besten über alles nachdenken.

Nicht sinnlos grübeln, sondern Lösungen finden. Wenn meine Beine in Bewegung waren, kamen mir die besten Gedanken. Und danach ging es mir wieder gut.

Alles war dann wieder gut. Alles wird eben immer gut!

Bis ich eines Tages die Gedanken nicht mehr abstellen konnte und es nicht mehr gut wurde.

Wenn nichts mehr geht

Etwas Schönes machen?

Mir fiel nichts, aber auch gar nichts ein.

Auf’s Fahrrad steigen? Undenkbar. Dann würden alle mein verheultes Gesicht bemerken.

Nichts wird gut. Wie denn auch? Wenn sich alles nur noch Scheiße und hoffnungslos anfühlt!

Vor allem an kalten Wintertagen, diese schrecklich dunklen Tage, an denen es nie so richtig Tag wurde.

An denen ich mich morgens aus dem Bett gequält habe, um meine Arbeit zu verrichten, die sich so nutzlos anfühlte. Wozu das Ganze?

Als ich jeden Moment das Gefühl hatte, grundlos in Tränen ausbrechen zu müssen, weil ich das ganze Leid der Welt in mir trug. Die Gedanken kreisten immer nur um Sinnlosigkeit und alles erschien unendlich hoffnungslos.

Es wurde immer schlimmer.

Es begann bei mir mit Schwindelanfällen, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwächen und Übelkeit. Eine 24-Stunden anhaltende Übelkeit, die sich über Monate hinzog.

Dann eines Morgens, ich werde den Tag wohl nie vergessen, brach ich zusammen.

Nichts ging mehr.

Scheinbar grundlos habe ich nur noch vor mich hin geweint.

Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren und keinen klaren Gedanken mehr fassen. Immer nur dieses: „Ich will nicht mehr!“ Ich kann nicht mehr! Was soll ich bloß machen?“.

Ich bin dann total verheult zum Arzt.

„Sie sind krank. Sie leiden unter Depressionen.“

„Ich bin doch nicht krank, nur weil ich weinen muss! Ich will einfach nur nie wieder mein Bett verlassen!“

Es folgten Untersuchungen, Gespräche mit Psychologen, Psychotherapie, irgendwann ein Antidepressivum, welches anfangs alles nur noch schlimmer machte: Ich konnte nichts mehr essen, weil mir schrecklich übel davon wurde. Und ich wurde müde. Ganz schrecklich müde. Innerhalb weniger Tage hatte ich 2 Kilo abgenommen und keine Kraft mehr, irgendetwas zu tun. Ich war innerlich so zittrig und kraftlos, dass ich es nicht mehr schaffte, das Passwort für meinen Computer einzugeben (das waren die Tage, als plötzlich keine Artikel mehr veröffentlicht wurden).

Verschiedene „Diagnosen“ bekam ich zu hören: Depressive Verstimmungen, mittelschwere Depression, ADS, manische Depression (Bipolare Störung), Hochsensibilität, Migräne, Burn Out,… und ich weiß nicht, was mir sonst noch alles gesagt wurde.

Bis heute kann ich das, was da mit mir passiert war, nicht benennen.

Ist mir aber mittlerweile auch egal.

Ich habe mein „persönliches Psychologie-Studium“ abgebrochen, keine Bücher mehr zu dem Thema gelesen und mir stattdessen ein paar Strategien zurechtgelegt, um aus den dunklen Löchern rauszukommen. Denn irgendwie muss es ja weitergehen.

Und mittlerweile bin ich sogar dankbar, dass alles so gekommen ist, wie es kommen sollte, musste, kam.

Die Depressionen haben mich gezwungen, mein Leben noch mal zu überdenken. Ich musste mich in dieser Zeit endlich mal wieder mit mir selbst beschäftigen, mit mir selbst ins Reine kommen.

Alles hat wohl seinen Sinn gehabt – irgendwie!

Strategien, die mir helfen

Das Schreiben hilft mir.

Täglich schreibe ich auch heute noch alles auf, was mir im Kopf herumgeistert. Dann bin ich es erst mal los. Ich schreibe auch alles auf, was mir guttut und mich glücklich macht, was ich geschafft habe und wofür ich dankbar bin.

Musik hilft mir.

Morgens beginne ich den Tag einfach mit guter Musik, zu der ich laut mitsinge, manchmal auch tanze. Mein Gehirn hört dann auf, irgendwas zu denken. Muss sich auf die Melodie konzentrieren und danach geht es mir viel besser.

Bloggen hilft mir.

Wer hätte das gedacht? Aber ich habe eine Aufgabe, die mich davon abhält, stundenlang nachzudenken. Der Gedanke: Da draußen sind Leute, die wieder etwas über Japan erfahren möchten, denen ich vielleicht helfen kann. Und von allein veröffentlichen sich die Artikel ja leider nicht. Also habe ich eine Aufgabe, in der ich mich stundenlang verlieren kann.

Vielleicht erinnerst du dich noch an den Unboxing-Kalender vor Weihnachten.

Da hatte ich mir vorgenommen, jeden Tag einen Artikel zu veröffentlichen.

In einer Phase, in der es mir gar nicht gut ging, war das eine ziemliche Herausforderung für mich, die sich aber einfach anhörte: eine Sache aus meiner Kiste von meinen Schwiegereltern in die Hand nehmen und vorstellen. Einfach losschreiben. Nichts Weltbewegendes. Nur ein paar Dinge aus Japan präsentieren.

Ich habe das damals wirklich nicht ganz uneigennützig gemacht.

Damit schaffte ich wieder eine Struktur in meine trostlosen Tage.

Morgens um 8 aufgestanden, den Rechner hochgefahren und meinen Artikel gepostet. Damit hatte ich eine wichtige Routine in mein Leben gebracht, die mich davon abhielt, einfach liegen zu bleiben und mich mit meinen negativen Gedanken zu beschäftigen.

Außerdem lernte ich, dass ich auch etwas schaffen – erschaffen konnte – selbst wenn es mir mal nicht gut ging.

Strukturen im Alltag helfen mir also auch.

Sport hilft mir.

20 Minuten durch die Sonne laufen, spazieren oder joggen.

Oder mit dem Fahrrad fahren.

Egal ob Regen oder Sonnenschein.

Hauptsache ich muss mich nicht mit anderen in eine volle Bahn quetschen. Hauptsache, meine Beine sind in Bewegung.

Das Aufraffen ist schwer. Aber Verabredungen haben mir geholfen.

Nicht drüber nachdenken, einfach einen Termin in den Kalender tragen und dann los!

Hilfe suchen.

Eine Psychotherapie zu finden, ist nicht immer ganz leicht und mit in Berlin mit langen Wartezeiten verbunden.

Der Schritt, mir Hilfe von Außen zu suchen oder ein Medikament zu nehmen, fiel mir damals unglaublich schwer, habe ich doch immer gedacht: Ich schaff‘ das alleine!

Vielleicht, aber warum? Wenn es doch Experten auf diesem Gebiet gibt, die mir helfen können. Und Möglichkeiten, die Depressionen schneller zu bekämpfen.

Dank Therapie und Medikament geht es mir mittlerweile wieder gut und ich habe die schlimmste Zeit überwunden. Jetzt weiß ich auch, was ich tun kann, wenn es mir wieder schlecht geht.

Denn schlechte Tage und dunkle Momente hab ich natürlich auch heute noch.

Aber in meinem Kalender stehen jeden Tag fünf Dinge, die ich tun möchte oder tun muss, manchmal auch nur winzige Aufgaben, die ich erledigen kann. So habe ich eine Struktur für den Tag und baue auch schöne Dinge ein, die mir guttun.

Und diese Tage, an denen es mir nicht so gut geht, haben auch was Gutes.

Sie zwingen mich, innezuhalten und mir Ruhe zu gönnen. Dann mache ich was richtig Schönes und freue mich über’s Leben.

Immer nur Leistung bringen? Das hält kein Mensch auf Dauer durch. Auch ich nicht. Obwohl ich das lange dachte.

In Japan war alles besser

Das stimmt leider so nicht.

Auch dort litt ich unter depressiven Stimmungen – ohne sie genau benennen zu können.

Mein Leben fühlte sich manchmal so „ausgelebt“ an.

All die schönen Erfahrungen, die ich täglich machen konnte und die vielen tollen Momente. Was sollte da noch kommen?

Vor allem mein unerfüllter Kinderwunsch damals hat mir schwer zu schaffen gemacht. Ich sah die Lösung in einem vollkommen Leben darin, ein Kind zu bekommen. Weil es aber nicht sein sollte, fiel ich in ein böses schwarzes Loch, in dem ich mich verkroch.

Da lebte ich nun in einem aufregenden Land, von dem so viele träumten. Und mir fehlte plötzlich die Motivation, raus zu gehen und alles aufzusaugen und mich daran zu erfreuen.

Ich kann nicht immer aufsaugen. Wozu auch?

 

Selbstportraint in Japan. Frau steht auf einer Straße in Japan

Eine Pause von Japan

War ich schon damals depressiv? Genau konnte ich es damals nicht sagen.

Jetzt wo ich weiß, wie es sich anfühlt, sage ich: Ich war einfach nur müde und häufiger krank.

Mein Magen machte mir in Japan ständig zu schaffen.

Ich ließ mich gründlich untersuchen, mit Magen- und Darmspiegelung und gründlichen Checks. Verzichtete eine Weile auf Miso. Stellte Stühle auf, weil die Ärzte vermuteten, dass mir die Nahrungsaufnahme, auf dem Boden hockend, mit meinem europäischen Verdauungstrakt nicht bekömmlich sein könnte.

Am Ende lautete die Diagnose allerdings: Stress!

Stress, auf den jeder Ausländer in Japan ganz unbewusst im Alltag trifft, so behaupteten die japanischen Ärzte damals.

Ich hielt es für Quatsch.

Mein Alltag fühlte sich so gar nicht stressig an. Ich hatte in Deutschland schließlich oft 16-Stunden am Tag gearbeitet, mit Zeitdruck und Bereitschaft in der Nacht und am Wochenende. Stress kannte ich also.

Ich war einfach nur müde. Ich brauchte einfach mal eine kleine Pause von allem.

Denn das Leben in einem Land mit fremder Kultur und fremder Sprache, das forderte viel mehr von mir, als ich dachte. Vielleicht hatten die Ärzte ja doch gar nicht so unrecht?

Es gab Zeiten – davon habe ich bisher noch nie geschrieben, weil langweilig – da habe ich mich unter unseren Kotatsu (dem beheizten Wohnzimmertisch) verkrochen und alles war mir zuviel: bitte nichts mehr lernen und bitte keine neue Herausforderungen. Bitte nur noch leichte Berieslung!!!

Ich habe mir dann haufenweise DVDs geliehen und tagelang Serien geguckt (wir hatten damals keinen Internetanschluss!) – meine Flucht vor dem japanischen Alltag.

Der einzige Grund für mich, die Wohnung zu verlassen, war, in die Videothek zu laufen, um mir die nächsten Folgen von „Friends“ zu holen.

Als ich damit durch war, fühlte ich mich erleichtert.

Endlich konnte ich mich wieder dem Leben widmen.

Dieses „Zuhause mit Serien verkriechen“, damit war ich nicht allein.

Anderen Ausländern ging es ähnlich.

Die Arbeit wurde dazwischen gepackt, ohne große Leidenschaft wurde die irgendwie bewältigt.

Dass wir uns damit in einen bösen Kreislauf katapultierten, merkten wir nicht mal.

Denn alles fühlte sich plötzlich so sinnlos an, wir hatten nicht viel geleistet und ärgerten uns über uns selbst, unsere wertvolle Zeit in Japan so zu vergeuden.

Mit Freunden verabreden und uns gegenseitig aus dem trostlosen „Loch“ ziehen, so lange rumnerven, bis der andere zur Radtour, dem Onsenbesuch oder einem gemeinsamen Mittagessen einwilligte – so haben wir uns gegenseitig zu neuer Energie verholfen.

Sich aufraffen, sich wieder mit Japanisch herumschlagen und neue Herausforderungen meistern, das war zwar anstrengend und kostete Kraft, aber bereut haben wir die Aktionen am Ende nie, im Gegenteil.

Und der schönste Nebeneffekt dabei: Dabei lernte ich fast automatisch wieder neue Leute kennen und konnte neue Freundschaften schließen.

Das ist etwas, was viele unterschätzen, die allein nach Japan gehen und dort ihren Traum verwirklichen wollen: Du bist dort erst mal ganz allein. Alle deine Freunde sind daheim.

Jetzt liegt es an dir, Menschen kennenzulernen und Freunde zu finden.

Mir fällt es generell nicht schwer, auf Menschen zuzugehen, aber echte Freundschaften, damit tue ich mich schwer. Gerade in Japan, als ich viele Ausländer traf, die nur für einen begrenzten Zeitraum dort lebten, war dieses ewige „Kennenlernen…immer gleiche Gespräche… sich auf einen lieben Menschen einlassen… und wieder Abschied nehmen…“ auf Dauer verdammt anstrengend. (Verlustangst – sicher auch ein Punkt, den ich mal genauer analysieren sollte…).

Japanische Freunde hatte ich auch, aber für ein spontanes Treffen oder einen Ausflug hatten die oft keine Zeit.

Die Kirschblütenzeit…

Und dann kam der Frühling und Sakura kündigte sich an.

Plötzlich kletterten die Temperaturen auf 15 Grad, die Sonnenstrahlen wärmten mein Gesicht, der Himmel strahlte in schönstem Blau und die Kirschbäume blühten.

An solchen Tagen bleibt man nicht zuhause.

Schließlich blühen Kirschbäume nur kurz und wäre es nicht schade, das Blütenmeer zu verpassen?

Als ich zum ersten Mal vor einem blühenden Kirschbaum stand, ich weiß es noch ganz genau, da war ich sprachlos.

So etwas unendlich Schönes hatte ich noch nie gesehen.

Dieser trostlose Baum, der das ganze Jahr über nach nichts aussieht!

Für rund 10 Tage im Jahr strahlt er förmlich das ganze Glück in die Welt heraus.

Danach fällt er wieder zurück in seine unscheinbaren 355 Tage. Erholt sich für das nächste Mal. Für das nächste Jahr. Sammelt Energie. Nein, nicht für Früchte. Die japanische Zierkirsche trägt keine Kirschen.

Wie die Kirschblüte mir das Leben rettete

Wenn jemand Grund zu Depressionen haben sollte, dann der Kirschbaum. Muss er sich nicht unendlich nutzlos vorkommen?

Nein. Tut er nicht.

Er hat seine kurze und dennoch so unglaubliche Aufgabe, die Menschen zu verzaubern.

Stell dir nur mal vor, 365 Tage im Jahr Sakura?

Mal abgesehen davon, dass der Baum gar nicht die Kraft und Energie hätte für eine immer volle Blütenpracht.

Wir Menschen wären um den einen besonderen Moment gebracht, wenn wir die ersten Knospen entdecken. Und könnten sie nicht erleben, diese Vorfreude auf den magischen Augenblick, in dem der Baum endlich in voller Blüte steht.

Das ist wirklich keine bahnbrechende Erkenntnis:

Yin und Yan, kein Glück ohne Unglück, keine Freude ohne Leid, keinen Sommer ohne Winter, Kein Hoch ohne Tief,…

Dieser Gedanke hilft mir immer sehr, wenn mir wieder schwer ums Herz wird.

Ich denke dann an den Kirschbaum.

So eine Aufgabe wünsche ich mir auch für mein Leben.

Nichts Großes.

Ich muss die Welt nicht verändern. Muss nichts Bahnbrechendes erreichen oder leisten.

Einfach für ein paar Tage im Jahr andere Menschen glücklich machen, verzaubern und bewundert werden. 1000 Fotos von mir im Internet, darauf kann ich allerdings verzichten.

Ein einfaches „Ach, wie schön dass es dich gibt!“ würde mich schon zufrieden machen.

Das würde mir schon reichen und mir das Gefühl geben:

Alles wird gut! Wenn auch nicht immer, ständig und überall! Manchmal eben nur für einen kurzen Moment!

Aber dieser Moment ist das Schönste, was das Leben zu bieten hat.

Und traurige Gedanken und schwere Herzen, die sind so schnell verweht, wie die Kirschblüten, nachdem sie von einem Windstoß auf die Erde fallen, wie Schneeflocken.

Dann steht der Baum für den Rest des Jahres blütenlos einfach wieder nur da rum.

Ganz ohne schön oder etwas Besonderes zu sein.

Es reicht, wenn er weiß, dass er etwas Besonderes IST, etwas ganz Besonderes kann und seine Zeit wieder kommen wird.

Tragen wir nicht alle unsere Kirschblüten in uns?

Ich fühle mich mit dem Kirschbaum so sehr verbunden. Nicht weil er das Wahrzeichen Japans ist, sondern weil er mir Hoffnung gibt und IKIGAI.

Und deshalb rettet mir die Kirschblüte das Leben, jedes Jahr auf’s Neue.

Sakura bedeutet für mich Japan, steckt voller Erinnerungen und gibt mir jedes Mal wieder das Gefühl: Es ist so weit! Raus mit dir! Der harte kalte Winter ist vorbei. Jetzt beginnt das Leben.

Die Vorfreude auf Sakura

Gerade ist April und Frühling in Berlin.

Alle begeben sich raus in die Sonne. Sitzen mit ihrem Mittagessen auf den Bänken in der Sonne, haben ihre Decken in den Parks ausgebreitet, lesen, spielen mit ihren Kindern in der Sonne.

Es ist herrlich. Alle scheinen wieder ein bisschen glücklicher zu sein. Der Winterschlaf scheint vorbei.

Der Frühling in Deutschland muss sich vor dem japanischen wirklich nicht verstecken.

Ich sitze da und denke: Jetzt kann es eigentlich losgehen.

„Kirschbaum – ich wäre dann soweit.“

„Mach jetzt mal hinne!“

Ich bin schon voller Vorfreude.

Ungeduldige fahre ich zu den mir bekannten Plätzen und suche die Bäume ab, nach den ersten Knospen. Vielleicht schon ein paar einzelne Blüten.

Ich kann sie kaum erwarten, die Kirschblütenzeit.

Sie erfüllt mich mit Leben.

Sie erinnert mich an das, was ich kann und was in mir steckt.

Und damit ich sie auch ja nicht verpasse, bin ich jetzt wieder täglich unterwegs auf meinem Rad durch die Stadt. Die Beine wieder in Bewegung. Wie damals.

Die dunklen Zeiten, die Depressionen – was war das noch mal?

Kann mich vor lauer Glückshormonen gar nicht mehr daran erinnern.

Meine persönliche Challenge nach diesem harten Winter steht also fest: So viele Kirschbäume entdecken wie möglich. Dazu hab ich eine Liste aufgestellt, die ich abarbeiten möchte:

Einen großen Kirschblüten Guide für Berlin und Umgebung

Damit ich auch ja keinen verpasse.

Meine Sakura-Momente gibt es dann unter dem viel zu langen Hashtag #sakurachallengeberlin18 auf Instagram.

Vielleicht hast du Lust, mich zu begleiten? Mit dem Fahrrad auf Kirschblütensuche gehen? Dann gib mir Bescheid und wir machen gemeinsam die Berliner Kirschblüten-Szene unsicher.

Denn zusammen macht es doppelt Spaß.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass es vielen so geht wie mir.

Dass sie nur einen kleinen Schubser brauchen, um zu erkennen, wie schön das Leben doch tatsächlich ist. Den Mund fusselig reden hilft da aber wenig.

Rausgehen und Vitamin D in der Sonne tanken, sich die Kirschblüten ansehen und ein wenig von Japan träumen ist eine super Glücks-Therapie.

Fotoshooting von Kirschblüten mit dem Smartphone | Nipponinsider

Lange habe ich überlegt, ob ich diesen Artikel wirklich veröffentlichen soll.

Ob es klug ist, so offen darüber zu sprechen?

Ich fühle mich gerade aber so unendlich erleichtert.

Denn ich muss mich wirklich nicht schämen oder mich schlecht fühlen, nur weil ich nicht immer gut drauf bin, einfach mal eine Pause brauche und mit mal wieder ganz bewusst Zeit nehme, für schöne Augenblicke.

Kirschblüten sind solche Augenblicke, sind etwas ganz Besonderes und gehören zu meinen persönlichen „Schönes-Leben-Momenten“.

Hast du auch solche Momente, solche Bilder, die dir manchmal „das Leben retten“ (vielleicht weniger dramatisch) und die du vielleicht mit mir teilen möchtest?


Wichtige Information

Ich schildere hier meine persönlichen Erfahrungen mit meiner Depression. Die Krankheit hat viele Gesichter und verläuft bei jedem Menschen anders. 

Bei Anzeichen einer Depression solltest du dir unbedingt professionelle Hilfe suchen! Denn eine Depression ist eine ernst zu nehmende Erkrankung und heilbar.  

 

Wer steckt hinter Nipponinsider? Fotostrecke 3 mal Daniela

 

21 Kommentare

  1. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich super selten Blog-Beiträge kommentiere, aber ich möchte, dass du weißt, dass hier am anderen ende wirklich Leute sitzen, die sich auf deine Beiträge freuen und denen du damit immer ein paar tolle Momente gibst! Ich kann mir vorstellen, dass es nicht leicht ist dies zu schreiben und sich so verletztlich zu zeigen. Ich habe ehrlichen Respekt davor und möchte dir alles Gute für die Zukunft wünschen! Ich finde du hast für dich gute Wege gefunden damit umzugehen und finde die Bedeutung der Kirschblüte für dich wirklich wunderschön. Es regt zum Denken an und wir mir im Kopf bleiben. Dankeschön!

    • Liebe Jenny,

      Vielen Dank für deine Wundervollen Kommentar.
      Die Kirschblüte ist schon etwas ganz Besonderes, nicht wahr. So richtig zu schätzen habe ich die aber erst, nach einem harten kalten Winter in Japan. In Deutschland hatte ich die zuvor nie richtig bemerkt.

      Deinen Kommentar werde ich mir auf jeden Fall wieder durchlesen, wenn es mir mal nicht so gut geht. Solche Worte helfen total. Großes Dankeschön.

      Deine Daniela

  2. Hallo, sehr mutig offen darüber zureden. Alle Achtung!
    Ich habe zwei Katzen, die besten Stressvernichter aller Zeiten .

    Wer die schlechten Seiten des Lebens nicht kennt, kann auch nicht die schönen Seiten schätzen. Man darf sich nur nicht im Kreis mit den Gedanken drehen, das zieht einen immer weiter in ein dunkeles Loch. Deshalb ist mein Motto jetzt erst recht. Ist aber verdammt schwierig. Daher einmal mit den Katzen schmusen und die Kraft ist da (haha).

    LG
    Stefan

    • Lieber Stefan,

      Sich in den Gedanken zu verlieren ist wirklich eine große Gefahr.
      Ein Haustier ist eine tolle Möglichkeit, sich nicht so allein zu fühlen, wenn man denkt, niemand versteht mich. Habe auch schon darüber nachgedacht, aber weil ich gerne spontan Reise, ist es mit einem tierischen Familienmitglied nicht ganz einfach. Zum Kuscheln habe ich auch noch meinen Mann 😉
      Viele Dank für deinen schönen Kommentar.

      Deine Daniela

    • Ich kann Katzen halten weil meine Verwandten aufpassen, wenn ich verreist bin.

      Schnurrt dein Mann auch? 😉 Das beruhrigt wirklich sehr.

      „Außerdem reagiert das menschliche Gehirn auf Schnurren mit der Ausschüttung des Wohlfühlhormons Serotonin. „Wenn ich nach einem anstrengenden Arbeitstag mit meiner Katze auf dem Sofa kuschele, fällt jede Anspannung von mir ab“, sagt Katzenhalterin Diana Bartl. Ihr macht das sonore Schnurren gute Laune.“

    • Das hab ich nicht gewusst. Danke für’s Teilen. Ich frag mal meinen Mann, ob er auch Schnurren mag, ansonsten suche ich nach einer App. Gibt es bestimmt mittlerweile auch 😂

  3. Liebe Daniela,
    vielen Dank für diesen Artikel. Ich wünschte jeder, wirklich jeder würde diesen Beitrag lesen. Ob nun selbst betroffen oder nicht, es gibt einfach zu wenig Verständnis (oder bei Betroffenen auch Eingeständnis) für dieses Thema. Wie auch, sagst du zurecht. Aber ich denke dieser Artikel füllt den leeren, dunklen Raum mit einem kleinen Lichtblick 🙂
    Fühl dich herzlich gedrückt!

    • Liebe Jessica,

      Es ist immer noch ein sehr schwieriges Thema, dabei steigen die Zahlen an Betroffenen und damit auch die Zahl an Angehörige und Freunde.
      Ich Dabke dir sehr für deine lieben Kommentar und das Mitgefühl.

      Deine Daniela

  4. Liebe Daniela,

    danke, dass du deine Erfahrungen mit der Depression hier so offen schilderst!
    Ich weiß, dass das viel Mut braucht und ich denke, es ist wichtig, dass immer mehr Betroffene diesen Mut aufbringen, damit die Krankheit als das gesehen werden kann, was sie ist: nämlich eine Krankheit.
    Auch ich tue mich schwer damit, darüber zu sprechen. Ich befürchte dann, dass es als „Anstellerei“ gewertet wird. Mir geht es genauso wie dir, dass die grauen, langen Wintermonate mir immer sehr zu schaffen machen.
    Daher lass uns jetzt gemeinsam über den Frühling, die Blüten und die Sonne freuen!

    Liebe Grüße
    Gina

    • Liebe Gina,

      Damit hast du so recht. Der kleine feine Unterschied zu einem schlechten Tag und Wochen, in dem plötzlich nichts mehr geht, kann man von außen auch kaum bemerken. Und professionelle Hilfe rate ich mittlerweile jedem, denn Feunde allein können nur unterstützen, aber auf Dauer nicht helfen.

      Vor Winterdepressionen sind wir erst mal sicher. Jetzt heißt es: Frühling wir kommen.

      Ein dickes Dankeschön für deinen offenen und aufmunternden Kommentar.

      Deine Daniela

  5. Liebe Daniela,
    Vielen Dank für deinen wundervollen Artikel! Jedes Mal weckst du wieder die Sehnsucht nach Japan und Erinnerungen meiner Zeit dort. Ich finde es wirklich mutig, wie offen und ehrlich du schreibst. Ich kann mir aber die Erleichterung auch sehr gut vorstellen. Oftmals ist die eigene Angst vor den Reaktionen anderer viel schlimmer als es dann wird.

    Ich möchte dir auch noch sagen, dass ich das Gefühl habe, dass sich dein Schreibstil sehr weiter entwickelt hat! Der Artikel liest sich sehr gut und ich höre deine Stimme im Ohr! Im Vergleich zu ganz alten Artikeln hast du jetzt einen ganz individuellen Stil, der sehr durchdacht und bewusst geschrieben ist! Ich würde gerne mal ein Buch von dir lesen 😉

    UND ich will mit auf sakura Jagd! Letztes (oder vorletztes?) Jahr saßen wir im Regen, aber jetzt ist es schöner!

    Alles Liebe
    Marty

    • Liebe Marty,

      ja, unser Picknick unter den Bäumen war schon etwas ganz Besonderes. Dieses Wochenende bin ich leider nicht in Berlin, aber ich habe einen neuen Platz gefunden, der sich richtig gut für ein Picknick eignet und wo die Kirschblüte momentan noch nicht soweit ist. Am nächsten Wochenende 21./22.4. solltes es perfekt sein.

      Vielen Dank für dein Feedback zu meinem Schreibstil. Das hoffe ich aber auch, dass das von Artikel zu Artikel besser wird. Schließlich lerne ich immer weiter dazu und schreibe momentan viel (und ein Buch, dass im Herbst erscheinen wird).

      Lass uns die Daumen drücken, dass sich das Wetter hält und wir wieder gemeinsam Onigiris unter den Bäumen verdrücken können.

      Deine Daniela

  6. ulrike Krumpen

    Liebe Daniela, ich folge dir schon eine Weile, aber noch nie konnte ich mich dir im Geiste so nahe fühlen, wie mit diesen Zeilen… Mein Gott, das ist nicht so pathetisch gemeint, wie es klingt . Abgesehen von deinen Japan Erfahrungen (Asien – ich kenne nur Vietnam und Kambodscha ein ganz kleines bisschen) sprichst du mir mit so vielem aus der Seele…Ich wünsche dir einen wundervollen Frühling,.mit vielen guten Gedanken. Liebe Grüße Ulli

    • Liebe Ulrike,
      das klingt nicht pathetisch, sondern wunderschön.
      Es ist schon erschreckend, wenn man feststellt, wie viele Menschen früher oder später ähnliche Erfahrungen machen müssen und sich sogar in unmittelbarer Umgebung befinden. Man könnte sich gegenseitig mit Erfahrungen viel besser unterstützen. Danke für deine lieben Worte. Lass es dir gut gehen.
      Deine Daniela

  7. Liebe Daniela,

    danke für diesen schönen Artikel. Ich mag deinen Schreibstil auch sehr gerne und wünschte ich könnte meine Gedanken so einfach in Worte fassen wie du. Dein Artikel hat mich sehr bewegt und nachdenklich gemacht.
    Wenn man einmal einen Schicksalsschlag oder eine Krankheit hat/te sieht man die Welt oft mit anderen Augen. Man hat eine andere Wertschätzung für Dinge und Momente. Mir geht zumindest so. Auch bei der Kirschblüte. Diese Zeit empfinde ich auch als sehr kostbar, weil sie eben so limitiert ist. Genauso freue ich mich z. B. über den Herbst, weil ich die Laubfärbung sehr genieße.
    Als ich 13 Jahre alt war, hatte ich eine Hirnblutung von der ich mich zum Glück vollständig erholt habe. Seit dem ich diese Erfahrung gemacht habe und weiß, dass es Menschen gibt bei denen dies nicht gut ausgegangen ist, schätze ich meine Gesundheit viel mehr. Man weiß manchmal erst was man hat, wenn man einmal nicht mehr hat. Darum sollte man das Leben mit all seinen kleinen Glücksmomenten genießen. Für mich ist das z. B. mein Kaffee morgens. Auf den freue ich mich wirklich immer. 🙂 Und natürlich auf viele schöne Beiträge von dir.

    In diesem Sinne liebe Grüße,
    Sarah

    • Liebe Sarah,
      Danke für dein Feedback und deine offenen Worte. Hirnblutung hört sich schon sehr dramatisch an. Da hätten wirklich schlimme Folgen zurückbleiben können, richtig? Herbstfärbung mag ich auch sehr, allerdings bevorzuge ich da wirklich die Japanische. In Deutschland ist es weniger bunt. Deshalb freue ich mich gleich doppelt über tiefroten Ahorn oder orangene Blätter in Deutschland. Leckeres Essen weiß ich mittlerweile Dank Japan und dem Leben mit einem Japaner auch sehr zu schätzen. Die kleinen Freuden des Lebens halt.
      Liebe Grüße
      Deine Daniela

  8. Liebe Daniela

    Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der es sehr viele Krankheiten gibt, sowohl körperlicher als auch psychischer Natur, daher weiss ich, wie wichtig es ist, darüber zu sprechen. (Und wie schwierig es sein kann.)
    Für mich sind psychische Krankheiten genau das, Krankheiten. Leider wird man viel zu oft verurteilt wenn man sich nicht Gesellschaftskonform benimmt oder halt gewisse Dinge anders erledigt, verarbeitet oder anders damit umgeht. Das muss nicht immer eine Krankheit sein, aber wenn es der Fall ist, finde ich es wichtig, das auch so zu kommunizieren. Denn sonst wird man ungerecht behandelt, obwohl man gar nichts dafür kann.
    Trotzdem sollte man einfach jeden so akzeptieren wie er ist. Wenn du krank bist, macht dich das nicht zu einem schlechteren Menschen. Es sagt einfach aus, dass du gewisse Dinge vielleicht etwas anders angehen musst als andere und vielleicht für manches auch etwas mehr Zeit benötigst. Daran ist nichts Falsches!

    Ich finde es toll, dass du diesen Artikel veröffentlicht hast. Er zeigt auf, dass es auch ein Licht am Horizont gibt und kann damit anderen Menschen helfen. Ich bin seit Jahren unter Dauerstress und momentan merke ich besonders, wie wichtig es ist, dass ich lerne abzuschalten und mich zu erholen. Wie du sagst, man kann nicht immer Funktionieren, und man muss es auch nicht! Was bringt es, wenn ich alles durchzwinge und am Ende vergesse zu leben?

    Ich werde deinen Beitrag auch noch zwei anderen Leuten zeigen, denen es im Moment nicht gut geht. Du merkst also… deine Krankheit ist zwar nicht schön, aber dadurch, dass du deine Geschichte so offen teilst, kannst du anderen Menschen helfen!

    Bestimmt werde ich jetzt öfters an dich und die Kirschblüten denken, wenn ich eine Blüte sehe 😉

    Liebe Grüsse
    Sarah

    • Liebe Sarah,
      So ein toller Kommentar. Vielen Dank. Wäre schön, wenn ich damit wenigstens anderen ein wenig helfen könnte, dann würdevoll sm Ende wenigstens doch alles Sinn machen.
      Liebe Grüße
      Deine Daniela

  9. @Daniela,
    Ja, Hirnblutungen können tödlich sein oder nicht selten Folgeschäden (Epilepsie, Lähmung, Sprachstörung …) zur Folge haben.
    Die Botanik habe ich auf meiner Japanreise sehr genossen. Ich kann mir vorstellen, dass die Herbstfärbung in Japan viel schöner ist. 🙂 Dafür versuche ich die Jahreszeiten in unserem Garten und die Bonsai meines Mannes zu genießen.

  10. Stadtkoenigin

    Liebe Daniela,
    das ist ein sehr schöner, offener Artikel. Denn Depressionen sind eine öffentliche Angelegenheit, eigentlich wird schon behauptet, dass fast jeder mal welche hatte. Es liegt auch eine Menge mit daran, dass wir oft suggeriert bekommen, selbstbewusst sein zu müssen, irgendwomit ja mal Geld verdienen zu müssen etc.
    Wenn man nicht reinpasst, kriegt man ganz früh suggeriert, dass man nicht gut genug ist.
    Mir ging es so in der Schule, weil ich ADS habe. Irgendwie dachte ich immer, ich sei sehr intelligent, aber die Noten stimmten nie so richtig damit überein. Dann wurde ich in ein Leben entlassen und dachte eigentlich, dass ich nichts wirklich kann. Also habe ich dieses Leben mit Depressionen begonnen. Aber dann wurde es immer besser, auch wenn es lang dauert. Das Studium hat besser gepasst und das Leben danach erst recht.
    Mir geht es oft umgekehrt wie dir, ich hatte immer das Gefühl, zu wenig erlebt und gelebt zu haben (im Grunde genommen war es meine Schulzeit über ja so, wenigstens konnte ich in den vielen Unterrichtsstunden mein Zeichentalent trainieren).
    Ich finde übrigens auch, dass der Frühling in Berlin sehr besonders ist. Neulich war er noch gar nicht da, und trotzdem habe ich gespürt, dass er kommt. Es war abends und noch Wintertemperaturen, aber die Menschen sind draußen verweilt und haben sich unterhalten.
    Ein Tipp noch gegen die schweren Wintermonate. Ich merke sie weniger und weiß auch den Winter sehr zu schätzen, weil ich einfach bei jedem Wetter rausgehe. Gerade in Berlin kann man sich Wandergruppen suchen oder alleine lostigern. Egal wo, man kann sich einfach mal zur Aufgabe zu machen, unbekannte, unverhofft naturbelassene oder skurrile Gegenden aufzusuchen. Die Stille der im Winter schlafenden Landschaft zu genießen. Einen Wanderweg zu gehen, den man sonst üblicherweise im Sommer geht. Ich habe sogar Gegenden, die ich im Herbst/Winter viel spannender finde als im Frühling/Sommer.
    Also, alles Gute
    Tina

  11. Victoria D.

    Liebe Daniela,

    eigentlich bin ich nur zufällig über Deine Blogs gestolpert. Ich liebe Japan und alles derartige unwahrscheinlich. Derzeit plagt mich wieder mein Japan-weh, was mich zu Deinen Blogs führte.

    Das ich dann ausgerechnet über das Thema Depression stolpere, fühlte sich fast schon wie eine Art Bestimmung an.

    Ich selbst leide auch unter Depressionen. Gerade im Moment, seit ein paar Wochen, überwältigen mich diese starken Emotionen. Bzw. das teilweise fehlen dieser. Antriebslosigkeit, Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit prägen meinen Alltag ganz entscheidend.

    Aber auch die Vorwürfe, dass man so empfindet. Man hat eigenlich alles, was man sich gewünscht hat und genießt es gedanklich eigentlich auch. Aber dennoch ist da das Gefühl in einem Loch festzustecken. Nicht mehr heraus zu kommen. Eigentlich will ich raus, mir fehlt aber die Kraft, der Antrieb dazu. Kein schönes Gefühl.

    Es tröstet mich zu lesen, dass es anderen Menschen auch so geht. Ich bin nicht so wahnsinnig „unnormal“ damit. Aber auch der Gedanke, dass Du einen Wege finden konntest, um solchen Phasen die Stirn zu bieten, gibt mir das Gefühl von Hoffnung

    Ich bin derzeit auch in psychotherapeutischer Behandlung und hoffe sehr, dass ich da auch einen Weg für mich finde, um passabel mit diesen düsteren Tagen umgehen zu können.

    Ich möchte Dir danken, dass Du so viel Kurage an den Tag gelegt hast und über Deine Erfahrungen diesbezüglich berichtet hast.

    Ich wünsche Dir alles Gute.
    Victoria

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