Towel day in Japan oder 11 Wege, ein Handtuch zu nutzen

toweldayKennst du den Towel Day oder Handtuchtag?

Das ist kein Japanischer Feiertag! Der Towel Day wird auf der ganzen Welt gefeiert, indem die Menschen sich mit ihrem Handtuch zeigen.

Als ich zum ersten Mal davon erfuhr, dachte ich: „Das haben sich bestimmt die Japaner ausgedacht!“. In Japan begegnet mir das Handtuch nämlich ständig.

Bevor ich dir die Bedeutung des Baumwoll-Frottee Tuches in Japan aber etwas genauer erkläre, willst du sicher wissen, was es mit dem Towel Day auf sich hat.

Per Anhalter durch die Galaxis

Der Towel Day ist ein Gedenktag an den britischen Autor Douglas Adams. Er verstarb mit nur 49 Jahren. Von seiner satirische Science-Fiction ReiheThe Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ hat vielleicht jeder schon mal etwas gehört (BBC Hörspielreihe), gelesen (Romanreihe) oder gesehen (Fernsehserie, Kinofilm, Computerspiel, Theaterstück, Musical, Comicbuch).

Darin wird eigentlich nur kurz erwähnt, dass ein Handtuch „so ziemlich das Nützlichste“ für Reisen per Anhalter durch die Galaxis ist.

Auf der Seite von kuriose-feiertage.de findest du alles und noch ein bisschen mehr zum Towel Day und zu „Per Anhalter durch die Galaxis“.

Es gibt zwei einfache Dinge, die du zum 25. Mai wissen solltest:

1. Trage an diesem Tag dein Handtuch bei dir.
2. „Don’t Panic!“ – was soll schon groß passieren? Du hast ja dein Handtuch dabei.

Towel Day: Zwei Dinge, die du zum Towel Day wissen solltest - ich mit meinem Handtuch um den Kopf | Nipponinsider

Japaner und ihr Handtuch

In Japan ist jeder Tag Towel Day. Viele Japaner haben eigentlich immer ein Handtuch dabei! Ich rede jetzt nicht von so einem monstergroßen Sauna-Handtuch, das in der Waschmaschine nicht mehr viel Platz für andere Schmutzwäsche lässt.

Die gut organisierte Japanerin trägt in ihrer Handtasche immer ein kleines quadratisches Handtuch. In Deutschland würden wir dazu wohl Waschlappen oder Stofftaschentuch sagen.

Was man alles mit einem Handtuch machen kann, möchte ich dir hier gerne erklären.

11 Wege, ein Handtuch zu nutzen, wie die Japaner

Towel Day: Handtücher an der Wand hängend, so wie wir sie kennen | Nipponinsider

Handtücher, so wie wir sie kennen

1. Nach dem Händewaschen

Wer will sich schon auf Papiertücher in einer öffentlichen Toilette verlassen? Ist es da nicht praktisch, ein eigenes kleines Handtuch dabei zu haben, um sich die Hände zu trocknen?

2. Zum Schweiß abwischen

Im Sommer ist es heiß – in Japan kommt noch die hohe Luftfeuchtigkeit dazu. Da braucht man sich kaum zu bewegen und schon fließt der Schweiß in Strömen. Viel dagegen tun kann man eigentlich nicht, außer sich von Zeit zu Zeit den Schweiß abzuwischen.
Womit? – mit einem Handtuch!

3. Als Sonnenschutz um den Kopf gebunden

Towel Day: Das Handtuch als Kopftuch | Nipponinsider

Dass man seinen Kopf vor direkter Sonneneinstrahlung schützen soll, hast du sicher schon mal gehört. In Japan ist das nicht anders.

Menschen, die in der Sonne arbeiten müssen, sieht man da häufig mit einem hellen Handtuch um den Kopf gewickelt. Schütz vor Sonnenstich und fängt den Schweiß auf, damit er gar nicht erst in die Augen treten kann.

4. Als Schal

Towel Day: Mein Handtuch als Schal um den Hals getragen | Nipponinsider

Bei einer Luftfeuchtigkeit von 90% und Temperaturen um die 35 Grad, ist der japanische Sommer nicht gerade die angenehmste Jahreszeit. Man schwitzt, ohne sich zu bewegen.

In allen geschlossenen Räumen arbeitet die Klimaanlage unermüdlich. Die extreme Kühlung in Japan empfinde ich persönlich viel unangenehmer als die Hitze. Nicht nur, dass die Klimaanlagen die warme Luft aus den Räumen nach draußen tragen und es damit in engen Städten wie Tokyo unerträglich wird. Mein Körper ist ständig einem großen Temperatur-Unterschied ausgesetzt.

Ich trage daher in Japan immer eine leichte Strickjacke bei mir, für die überkühlten Räume und Züge. Dazu trage ich ein Handtuch als Schal. Damit kann ich den kühlen Schweiß abwischen und meinen Hals wärmen.

Mein lachsfarbener Schal aus einem japanischen Outdoor-Laden ist mein allerliebstes Stück, schon uralt, mittlerweile mein Markenzeichen und eigentlich nur ein Frotteetuch mit Fransen.

5. Als Werbegeschenk

Towel Day: Ein grünes Handtuck als Werbegeschenk mit Aufdruck | Nipponinsider

てぬぐい • Tenugui oder タオル • Taoru mit Werbeaufdruck

Das klassische Handtuch heißt auf Japanisch タオル• Taoru (vom englischen Towel) und ist etwa 30 cm breit und 90 cm lang. Es ist sehr einfacher dünner Frotteestoff.

Oft siehst du in Japan irgendwelche Schriftzeichen aufgedruckt. Werbung!

Denn so ein Handtuch mit Firmenname ist ein beliebtes Werbegeschenk zum neuen Jahr. Da gehen die Unternehmer zu ihren Kunden, im Gepäck oft ein Kalender oder ein praktisches Taoru.

6. Als Waschlappen

Towel Day: Das Handtuch als Waschlappen verwendet | Nipponinsider

Diese werbetragenden Handtücher werden in unserer Familie immer als Waschlappen verwendet, da sie schön lang sind und man so auch die schwierigen Stellen am Rücken gut erreichen kann. Oft bezeichnet als てぬぐい• Tenugui, wird das längliche Stück Stoff bei der Körperreinigung eingesetzt.

Achtung! In Japan niemals seinen Körper in der Badewanne waschen!!! Alte Hautschuppen schruppt man sich vor dem Eintritt in die heiße Wanne ab. Das japanische Badezimmer ist eigens zu diesem Zweck konzipiert: die Nasszelle ist vergleichbar mit einer riesen Dusche, mit kleinem Hocker und einer Badewanne darin. Baden ist einfach nur Sitzen und Entspannen. 

7. Als Erinnerungsstück an den Onsenbesuch

Bei einem Besuch in einem japanischen Hotel mit Onsen (heiße Quelle) bekommst du eigentlich immer ein Handtuch mit Aufdruck des Hotelnamens. Die großen Handtücher des Hotels sind zum Abtrocknen nach dem Bad und dürfen nicht nach Hause genommen werden.

Die kleinen weißen Handtuch-Waschlappen sind dagegen immer neu und aus hygienischen Zwecken werden die auch nicht wieder verwendet. Daher kannst du sie einstecken und hast ein tolles Souvenir und eine Erinnerung an den erholsamen Besuch einer heißen Quelle.

Vorteil dieser dünnen Handtücher, die ich auf Reisen sogar als Tuch zum Abtrocknen nehme:

  1. sehr leicht
  2. sehr klein
  3. trocknen sehr schnell

Die kleinen てぬぐい• Tenugui sind daher für jeglichen Einsatz mit Wasser und Schweiß optimal.

8. Als Decke – an heißen Sommertagen

Ein richtig großes Saunahandtuch hat bei uns die Funktion einer Bettdecke im Sommer bekommen. Mit meinen 162cm kann ich mich komplett mit so einem Handtuch zudecken.

9. Als Kopfkissen-Schutz  gegen den Schlafschweiß

Handtuch Tag: Kopfkissen mit einem Handtuch umwickelt als Kissenschoner | Nipponinsider

Der Einsatz des Handtuches als Kissenschoner war mir nicht bekannt, bis ich nach Japan kam.

Vielleicht, weil ich beim Schlafen nicht so doll am Kopf schwitze, wie mein Mann. Ob das an seinem dicken japanischen Haupthaar liegt?
In Japan ist es üblich, ein großes Handtuch um sein Kissen zu schlagen. So kann man in der Nacht richtig schwitzen.

Am Ende kann man das Handtuch einfach waschen, während das Kissen für einige Stunden in der Sonne liegt und so von Keimen befreit wird.

Auch die Bettdecke und die dünne Futon-Matratze wird an sonnigen Tagen von der Kraft der Sonnenstrahlen gereinigt, egal ob im Sommer oder im Winter.

Der Anblick von einem Futon vor dem Fenster einer Wohnung in Japan ist für mich so richtig typisch japanisch.

10. Oshibori – das kleine ausgewrungene Handtuch

Towel Day: Ein kleines ausgewrungenes Handtuch wir gereicht. | Nipponinsider

おしぼり • お絞り • Oshibori

Ein heißes Handtuch, dass Gästen gereicht wird, um sich die Hände zu reinigen, das kenne ich vom Fliegen. Dass es in vielen japanischen Restaurants zum normalen Alltag gehört, finde ich toll. Besonders, wenn es draußen richtig kalt ist. Da ist so ein heißes Handtuch einfach wunderbar.

Männer reinigen damit sogar ihr Gesicht (was aber nicht unbedingt zum guten Ton gehört, hab ich mir sagen lassen). Frauen sollten darauf verzichten, allein schon, weil sie danach ihre Schminke komplett neu auftragen müssten.

Das ausgewrungene Tuch kannst du ganz leicht selbst machen: Einfach einen kleinen quadratischen Waschlappen unter heißes Wasser halten und gut auswringen. Fertig!!!

Oft bekommt man, sobald man im Restaurant platz genommen hat, ein zweites frisches Oshibori. Am Tisch hat das Handtuch noch ein paar weitere Funktionen:

11. Als Serviette, als feuchter Lappen,…

Towel Day: Tisch abwischen mit einem ausgewrungenen Handtuch, dem Oshibori | NipponinsiderSo eine feuchte Serviette an seinem Platz zu wissen, ist unglaublich praktisch – besonders, wenn man gekleckert hat. Da kann man schnell mal seinen Platz in Ordnung bringen. Es muss ja schließlich nicht jeder mitbekommen, dass mit den Stäbchen das ein oder andere Missgeschick passiert ist.

Wer mal mit der Hand essen möchte – das darf man bei Sushi durchaus – kann seine Finger zwischendurch immer mal wieder am feuchten Lappen abwischen.

Auch in der Küche liegt bei uns eigentlich immer so ein feuchtes Handtuch bereit.

Towel Day: Hand abwischen am feuchten Lappen | Nipponinsider

Oshibori – praktischer Helfer in der Küche

Du siehst, so ein Handtuch ist unglaublich nützlich. Ich benutze es täglich für die verschiedensten Dinge und trage es fast immer bei mir.

Trägt ein asiatisch aussehender Mensch ein Handtuch um Kopf oder Nacken, dann weißt du also jetzt – es handelt sich wahrscheinlich um eine Japanerin, um einen Japaner oder um einen großen Doug Adams Fan.

Towel Day - Handtuchtag: Danke an mein geliebtes Handtuch/Schal | NipponinsiderMein lachsfarbendes Handtuch mit Fransen ist auch mein Glücksbringer. Endlich habe ich mal die Gelegenheit, mich für die letzten 10 Jahre zu bedanken – bei meinem Handtuch. Denn was soll mir schon passieren? Ich habe ja mein Handtuch dabei…

P.S.: Der Towelday ist in Japan genauso bekannt oder unbekannt wie bei uns in Deutschland. Hilf dabei, ihn bekannter zu machen, in dem du meinen Artikel mit anderen teilst!

Welche Einsatzbereiche für ein Handtuch kennst du noch? Schreib mir dazu gerne deine Erfahrungen in die Kommentare.

14 Kommentare

  1. Cool, das war sehr interessant, ich brauch nun dringen mehr Handtücher, vorallem kleine für überall, und so ein Glückshandtuch is natürlich super

    • Ja, vielen Dank.
      Glückshandtuch stimmt bei mir wirklich. Heute ohne aus dem Haus (passte farblich nicht) und ZACK – einen Platten am Fahrrad auf halber Strecke. 🙁

  2. Kleines Geheimnis aus der Kimonowelt: Kimonoträgerinnen verwenden die 90×30-Handtücher oft als Körperformen-Polster. Da die ideale Figur für einen Kimono bei Frauen zylindrisch sein sollte, polstert man möglichst alle Kurven weg. Dafür gibt es heutzutage fertig vorgeformte Polsterkissen. Diese sind allerdings recht teuer, daher verwenden wir stattdessen gerne die kleinen japanischen Handtücher an verschiedenen Stellen, z.B. in der Taille, im Hohlkreuz oder an den Schultern. Je nach Zweck werden sie dann mehrfach gefaltet und festgebunden.
    Je kurviger – desto mehr Handtücher.
    Auch beim Binden des Obi (Kimonoschärpe) kommt für besseren Halt oder mehr Volumen immer mal eine Handtuchrolle zum Einsatz. Von außen ist nichts davon zu sehen. 😉

    • Vielen Dank für den super Kommentar. Daran hatte ich gar nicht mehr gedacht. Aber ich erinnere mich jetzt wieder an die vielen Handtücher unter dem Kimono.

  3. Erinnert mich an die Halstücher bei Cowboys, die kann man zur Not auch als Halfter verwenden. Spannend, was man noch alles damit machen kann!

  4. Handtuch + Don’t Panic… daraus wurde bei mir das DON’T PANIC Towel

    Im Jahr 2005 habe ich im Rahmen eines Artist in Residence Aufenthaltes in Innsbruck das Projekt ‚The Physcal HoT Spot‘ produziert. Neben der Audio Installation die sich auch mit D. Adams beschäftigt, habe ich für die Aussenraumgestaltung eine Serie von Handtüchern bedruckt. Diese wurden damals mit dem guten Rat ‚DON’T PANIC‘ bedruckt. Ergänzt wird dieses Zitat von den Initialen von Douglas Noel Adams, DNA und den GPS Daten von Innsbruck dem Ort an dem D. Adams die Idee für ‚The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy‘ hatte.

    Aus den erste Serie mit Siebdruck wurde ein professionell gewebtes Handtuch, für das es einen eigenen Shop gibt: Den DON’T PANIC Towel Shop und Kunden aus über 42 Ländern 🙂

    • Wow, ein Handtuch extra für den Handtuchtag. Wäre interessant zu erfahren, wie sich das DON’T PANIC Towel verkauft.

  5. Bei meinem letzten Tokyo Aufenthalt habe ich mir auch ein kleines Handtuch mit niedlichen Bärchen drauf gekauft.
    Es ist wirklich praktisch, wenn man bei über 30 Grad durch Tokyos Straßen läuft.
    Ein wenig feucht gemacht und du hast ein erfrischendes Tuch gegen die Hitze.
    Es wird dieses Jahr auch das erste Teil sein, wenn ich meinen Koffer packe.

    • Bei den vielen Motiven, die es in Japan gibt, fällt die Wahl nicht leicht, oder? Man kann sich in Deutschland die Hitze in Tokyo-Sommer ja nur sehr schwer vorstellen. Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen hier geteilt hast.

  6. wie heissen die mini Handtücher (microfaser) die Japan frau in der Handtasche dabei hat – habe den namen vergessen

    • Microfaser Handtuch? Ein einfaches タオル • Taoru (vom englischen Towel) oder ein längliches Baumwolltuch: てぬぐい • Tenugui. Oder ein kleiner Waschlappen, den mann auch oft in Restaurants gereicht bekommt おしぼり• Oshibori? Ansonsten kenne ich noch das sogenannte マイクロファイバータオル • Maikurofaiba-taoru. Oder meinst du vielleicht ein gewöhnliches ハンカチ • Hankachi, das Taschentuch!?

  7. Hallo,
    das man in Japan so ein Handtuch immer dabeihaben sollte, hätte ich letztes Jahr vor meiner ersten ( hoffentlich nicht letzten ) Reise wissen sollen, da es Oktober war, hatte ich keine Probleme mit Schweiß oder Sonnenstich, allerdings gab es, zumindest in Kyoto, in keiner Toilette Handtücher. Die Japaner hatten natürlich Handtücher, endlich hab ich die Typische Anime Handwaschszene mit dem Taschentuch im im Mund verstanden, aber der dumme Ausländer musste die Hände immer an der Hose abwischen :-), naja beim nächsten mal hab ich sicher eins bei,
    Gruß
    Michael

    • Hallo Michael.

      Gott der Dank kann man die kleinen Handtücher ja überall in Japan für wenig Geld kaufen.

      Das stimmt ja, die Szenen aus den Filmen mit dem Handtuch um Mund hatte ich total vergessen. Jetzt wo du es sagst.

      Liebe Grüße
      Daniela

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