Tag des Onigiri

 

Titelbild Onigiri Zeichnung mit Text Onigiri おにぎり und Omusubi おむすび

Weißt du, was heute für ein Tag ist?“, fragt mich Daisuke am Morgen des 17. Januars und lächelt mich an. „Klar, mein Geburtstag“, denke ich, tue aber dennoch so, als hätte ich den eigenen Geburtstag total vergessen.

Heute ist Onigiri-Tag!!! Jetzt weiß ich endlich, warum deine Onigiris so lecker sind! Du hast am Onigiri-Tag Geburtstag!!! (Aus dem Mund meines japanischen Ehemannes heißt das auf gut deutsch so viel wie: „Ich liebe dich!“)

Vom Onigiri-Tag oder おむすびの日 • Omusubi no Hi“ höre ich zum ersten Mal. Das will ich jetzt aber genau wissen!!! Was hat es mit diesem Omusubi no Hi auf sich?

 Aber ich muss jetzt mal ganz vorne Anfangen:

Onigiri – das sind Reisbällchen.

2015 in Berlin – die Reisbällchen erleben gerade einen totalen Boom, weil

  1. vegetarisch
  2. vegan
  3. super gesund
  4. super zum Abnehmen (Die Reisbällchen werden kalt gegessen und kalter Reis ist toll, um Diät zu machen. Das hat irgendwie mit der Stärke zu tun, die dann anders verarbeitet wird vom Körper, aber das muss ich nochmal etwas genauer recherchieren, da möchte ich mich gerade nicht so aus dem Fenster lehnen).

Reisbällchen in Japan nennt man おにぎり – Onigiri, おむすび – Omusubi oder von der älteren Generation auch 握り飯 – Nigirimeshi .

Vergleichbar sind Onigiri mit unserem Butterbrot,  unserer Stulle, dem Pausenbrot oder dem Schnittchen.

Onigiri – japanisches „Soulfood“ – alle lieben Onigiri

Während ich im Ausland irgendwann mein gutes deutsches Brot vermisse, geht es dem Japaner im Ausland ähnlich: er vermisst seinen Reis und träumt von einem einfachen Onigiri.

Trifft man mehrere Japaner im Ausland, dreht sich das Gespräch früher oder später IMMER um ESSEN. Und irgendwann fällt dann dieser Satz „Aaaahhh, Onigiri tabetai-na!“ (Ach, ich möchte jetzt so gerne ein Onigiri essen!)

Onigiri? Ist das wie Sushi?

NEIN!!!

Onigiri und Sushi, das ist was völlig anderes!!!

Warum, ist doch beides Reis und Nori?“ wirst du dich fragen (Nori ist der dunkelgrüne Seetang, den man oft um Maki-Sushi und um Onigiri gewickelt sieht).

Zubereitung und Geschmack sind aber völlig verschieden:

  • Sushireis ist leicht säuerlich, weil mit Reiswein-Essig vermengt (ursprünglich wurde der Reis so haltbar gemacht).
  • Onigiri schmeckt eher salzig, wobei Salz zur „Konservierung“ verwendet wird.

Kennst du schon meinen Artikel zum Thema REISKOCHEN mit dem Reiskocher?

Die vielfältige Welt der Onigiris

Den gepressten Reis gibt es in allen erdenklichen Formen, am bekanntesten ist die Form eines Dreiecks. So findet man sie auch in den meisten Supermärkten und in kleineren 24h Läden, den Convenience Stores (japanisch: Konbini). Auch Hello Kitty oder Micky Mouse Formen hab ich schon gesehen.

Die dreieckige Form gab es früher übrigens nicht, da waren Onigiris tatsächlich noch echte Reis-BÄLLCHEN.

Onigiri – jede Region hat ihre Eigenarten

Verlässt man den Großraum Tokyo und begibt sich in den Norden, z. B. in die Tohoku Region oder noch weiter nördlich in die Regionen am japanischen Meer gelegen, dann sind die Onigiris hier tatsächlich oft noch rund.

In den kälteren Regionen findet man auch oft die gegrillte Version: 焼きおにぎり • Yaki-Onigiri, Onigiri einmal in die Flamme des Feuers gehalten.

In Miyagi und der Sanriku Region (Tohoku) am Pazifischen Ozean, findet man hingegen ein großes Onigiri gefüllt mit einem kleinen Onigiri. Das war eine Art, Seetang zu sparen. Denn früher gab es hier einfach weniger Nori!

Nagano ist bekannt für seine Umeboshi Onigiri, Reisbällchen mit salzig/saurer Pflaume gefüllt. Aber anders als in anderen Regionen, ist in Nagano die Pflaume nicht weich, sondern knackig fest, fast schon knusprig. 

Oft werden Onigiri mit Nori (mit dünnem „papierartigem“ Seetang) umwickelt. Die einen benutzen gerösteten Seetang, die anderen getrockneten. In der Kansai Region geht der Seetang geschmacklich eher in die süßliche Richtung und in der Toyama Region wickelt man Konbu um das Onigiri. Konbu ist auch Seetang, aber in diesem Falle hauchdünn verarbeitet, nicht in Papierform, sondern in langen dünnen Fäden um das Reisbällchen gewickelt.
Unbedingt mal probieren!!!

Wer schon mal in Nagoya war, der hat bestimmt dort ein Onigiri gesehen, aus dem der Schwanz einer Garnele rausgeschaut hat. Hier wird das Onogiri mit frittierter Garnele gefüllt (天むす • Tenmusu), eigentlich stammt dieses Rezept aber aus der Mie-Region.

Im Süden Japans, in  Fukuoka gehören Onigiri und Udon (dicke japanische Weizen-Nudeln) zusammen. Weizennudeln und Reisbällchen sind hier eine Kombi, über die man in anderen Teilen Japans eher lächelnd den Kopf schüttelt. Andere Länder, andere Sitten.
So kommt es, dass man in Fukuoka im Udon-Laden auch immer Onigiri bestellen kann.

Onigiri – Geschmacksrichtungen

japanisches Reisb0ällchen | Onigiri mit eingelegter Rindfleischfüllung

©2015 by Dainikai | Onigiri mit eingelegter Rindfleischfüllung

Der Phantasie beim Füllen eines Onigiris sind keine Grenzen gesetzt, habe ich manchmal das Gefühl.

Alles, was in der japanischen Küche vorkommt, wurde auch schon mal in einen Reisball gestopft. Aber nicht jede Füllung hat es in die Supermarktregale geschafft!

Der Klassiker ist und bleibt wohl die Umeboshi, die saure Pflaume. Im Sommer hat die saure oder eher salzige Pflaume auch noch den tollen Nebeneffekt, den Reis nicht so schnell schlecht werden zu lassen.

Ich mag am liebsten – und da bin ich wahrscheinlich „typisch Ausländer“

#1 TunaMayo – Tunfisch mit Mayonnaise – übrigens eine 7eleven Erfindung!!!
#2 mit gebratenem Lachs gefüllt
#3 Umeboshi, die salzige Pflaume – der Klassiker

andere beliebte Füllungen für Onigiri sind

  • Konbu (Seetang)
  • Ikura (Kaviar vom Lachs, mariniert)
  • Hähnchen mit Mayonnaise
  • Garnele mit Mayonnaise
  • Takana (eingelegtes Gemüse)
  •  Okaka (Bonito-Fischflocken mit Soyasoße)

Wenn der Reis richtig gut und lecker ist, dann schmeckt aber auch ein ganz einfacher Reisball, nur mit schwarzem oder geröstetem Sesam sehr gut.

Viele Infos aus dem heutigen Beitrag habe ich dem japanischen Artikel vom Townwork-Magazine entnommen!

Warum ist denn nun der 17. Januar der „Tag des Omusubi“?

Der Hintergrund ist ein tragischer:
1995 wurde die Region um Kobe von einem schweren Erdbeben getroffen. Bei der Hanshin Erdbeben-Katastrophe (
兵庫南部地震 Hyougo nambu jishin) starben über 4.500 Menschen, fast 15.000 Menschen wurden verletzt und 300.000 Menschen obdachlos. Viele helfende Hände waren im Einsatz und es wurden rund um die Uhr Onigiris zubereitet, von vielen tausend Helfern!

Denn die Reisbälle sind nicht nur gesund und sättigen. Sie können problemlos zubereitet und schnell und einfach verteilt werden.

Und so wurde aus dem 17. Januar der Onigiri-Tag oder Omusubi no Hi (kein offizieller Feiertag, kein besonderer Festtag – ich selbst habe gerade zum ersten Mal davon gehört!)

Wie magst du Onigiri am liebsten? Womit möchtest du dein Reisbällchen gerne mal gefüllt haben? Schreib mir dazu einfach in den Kommentaren.


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8 Kommentare

  1. Hallo Daniela, was bin ich froh, über deine Seite gestolpert zu sein.
    Endlich mal jemand, der Onigiri und Sushi nicht über einen Kamm schert. Davon mal abgesehen sind deine Berichte schön informativ und gut zu lesen.
    Klasse!
    Ich mag übrigens しゃけ am liebsten.
    Hast du schon mal die Onigiri von Rice up und Nigi Berlin probiert?
    Falls ja, wie findest du die?
    Liebe Grüße aus Berlin Buch,
    Mari

    • Danke Mari,
      solche Komplimente höre besonders gerne. Ich gebe mir immer Mühe, viele Infos zusammen zu bekommen. Viele Infos zum „Tag des Onigiri“ gibt es nicht. Ich habe schließlich Infos auf japanischen Seiten entdeckt.

      Die Berliner Onigiris kenne ich. Einer der beiden war mir etwas zu teuer. Aber ich weiß ja, was gute Zutaten kosten. Ich habe mal Ein Onigiri von Nigi Berlin probiert, mit gegrilltem Rindfleisch, der war echt lecker.

      Da ich einen Reiskocher zuhause habe und gerade wieder mit leckerem Nori (einzeln verpackt) beschenkt wurde, mache ich Onigiri meistens selbst.

      Lieben Gruß nach Berlin Buch
      Daniela

  2. Mir geht es so wie einem Japaner: Ich vermisse die Onigiri total und ich hoffe, dass der Trend auch bald einmal in der Schweiz ankommt. Wobei – in China, wo ich ein paar Jahre lebte – gab es im 7 Eleven Onigiri und die waren dort immer total matschig. Komisch, denn in Japan sind sie in der gleichen Kette einwandfrei… Ich habe deswegen aus Japan spezielle Kräuter gekauft, die ich in den Reis tun kann, um selber Onigiri zu machen. Das ist super…

    • Bestimmt benutzen die im chinesischen 7 Eleven keinen japanischen Reis. Der ist viel zu teuer! Das macht den großen Unterschied.

      Ich warte übrigens noch immer auf den ersten 7 Eleven in Berlin. Am liebsten natürlich inklusive Onigiris 😉
      Gibt es in der Schweiz eigentlich 7 Eleven?

  3. Mal wieder sehr ausführlich und informativ. Das mit dem Onigiri Tag wusste ich auch noch nicht ^^
    Ich finde Onigiri einfach super! So praktisch und lecker und sogar einfach selber zu machen.
    Ich mag am liebsten die mit Lachs oder die mit wakame vermischt sind 😁

    • Dank dir, liebe Marina. Oh ja, die mit Wakame hatte ich ganz vergessen. Köstlich!

      Wir haben uns gerade 200 Blatt Nori bestellt, einzeln verpackt. Der sogenannten „Konbini-Type-Nori“ (mit der 1.2.3. Anweisung)
      Denn wenn der Seetang noch nicht ganz weich, sondern schön knusprig ist, mag ich Onigiri am liebsten!
      Liebe Grüße,
      Daniela

    • Yaki Onigiri mag ich auch sehr gerne. Danke für den Rezept Hinweis.

      Lieben Gruß,
      Daniela

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