Okinawa Reisebericht: Yomitan & Inbu | Meine Ankunft wird gefeiert

Weiter geht’s mit dem Okinawa Reisebericht meiner Fahrrad-Reise:

Zurück auf’s Rad mit einem Ziel

Der Taifun ist vorrüber gezogen und ich schwinge mich wieder auf’s Rad – mit einem Plan.

Mein Ziel für heute heißt: BEACH ROCK.

Ob es hier besonders viele Felsen gibt oder gerockt wird, muss ich noch herausbekommen.

Insgeheim hoffe ich auf Letzteres.

Makoto und Yuma, zwei Japaner, die ich in den letzten Tagen hier im Oyado Hostel näher kennengelernt habe, werden mit dem Bus zum Beach Rock kommen, und es ist bereits beschlossene Sache, dass wir unsere kleine Taifun-Party fortsetzen, ganz ohne Wind.

Zum Abschied winken mir alle Gäste aus dem Hostel nach. Aber es wird ein Wiedersehen mit den meisten zum Ende meiner Reise geben.

Schließlich habe ich mein Bett schon reserviert.

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Der Himmel weint

Gerade als ich mich den Berg hinunterschwingen möchte, fängt es an zu regnen.

Na, klasse.

Das erlebe ich immer wieder. Wenn ich einen wunderschönen Ort verlasse, setzt Regen ein.

Ich sage mir dann immer: Der Himmel weint – zum Abschied.

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Alleine reisen, ohne einsam zu sein

Dabei fühle ich mich großartig, endlich wieder radeln und reisen zu können.

Und weil ich an meinem nächsten Ziel Freunde treffen werden, fühle ich mich gar nicht mehr so einsam.

Denn ich muss gestehen, das ein oder andere Mal packte mich auf dieser Reise ganz allein mit dem Fahrrad schon ein Gefühl von Einsamkeit.

Dann rufe ich meinen Mann Daisuke schnell an und seine Stimme zu hören und ihm von den vielen tollen Erlebnissen zu berichten hilft für einen Moment.

Obwohl ich alleine unterwegs bin, bin ich aber nur sehr selten richtig einsam.

Es ist eher eine melancholische, nachdenkliche Stimmung, in die ich versetzt werde, wenn niemand um mich herum ist, den ich kenne.

Auf dem Fahrrad gibt es nur mich und meine Gedanken. Und die kreisen um die unterschiedlichsten Themen:

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Eifersucht, Egosimus & Freiheit

Dass ich hier mit fremden Männern rumhänge, Bier trinke und Spaß habe, scheint meinen Mann nicht sonderlich zu stören. Eifersüchtig ist er jedenfalls nicht.

Er vertraut mir und lässt mir meine Freiheit und den unbändigen Drang, alleine zu Reisen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Würde er es mir verbieten, hätten wir ein Problem: Nicht ist mir wichtiger, als meine Freiheit. Die gebe ich tatsächlich für nichts und niemanden auf.

Egoistisch? Vielleicht.

Aber ich brauche das allein sein. Wahrscheinlich, um feststellen zu können, dass ich nicht gerne und lange allein sein kann?

Noch wahrscheinlicher ist es aber, dass ich die kompromisslose Zeit mit mir selbst genieße:

Keine Absprachen, keine Diskussionen, kein Streit, keine Entscheidungen. Einfach dem Bauchgefühl oder meiner inneren Stimme folgen und für alle Fehlentscheidungen selbst verantwortlich sein.

Und am Ende des Tages blicke ich zurück und freue mich über die kleinen und großen Erlebnisse.

Das sind die Momente, wenn ich vor Glück platzen könnte, wenn ich mich immer wieder kneifen und mir sagen muss: „Mensch, das gibt es doch gar nicht! So viel Glück kann doch kein Mensch haben! Irre, was mir da gerade passiert! DANKE.“

Warum so philosophisch?

Das liegt am Radfahren.

Wenn meine Beine in Bewegung sind, dann arbeitet mein Gehirn einfach am besten.

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Zum Hippie-Camp

Viel haben meine Beine allerdings heute gar nicht zu tun.

Ich habe Rückenwind und so dauert es keine Stunde, bis ich am Beach Rock angekommen bin.

Hier sieht es ziemlich hippiemäßig aus. Naja, hippie-japanisch, mit ein paar Vorschriften und Regeln.

Eine untersagt mir, mein Zelt hier aufzuschlagen. Stattdessen bekomme ich ein aufgestelltes Zelt zugewiesen.

Alternativ kann ich hier auch in einem alten Wohnwagen oder in einer großen Jurte mit anderen übernachten. Aber ich bin gerade so schön im Alleinsein-Modus, da gebe ich gerne ein paar Yen mehr für ein eigenes Zelt aus.

Die Bar des Camps steht ganz im Zeichen von Ayumu Takahashi.

Noch nie zuvor von dem gehört, aber er ist ein bekannter japanischer Reiseschriftsteller, der hier einst seine Weltreise beendete und ein autak-autonomes Ökodorf erschaffen hat, für Menschen, die umweltbewusst leben wollen.

Darüber hat er mittlerweile auch ein Buch geschrieben mit dem Titel „Island Story“ (auf Englisch gibt es Island Story* mittlerweile auch auf Amazon* (mit Blick ins Buch) / *Werbelink)

Über seine Flitter-Wochen-Weltreise schrieb er das Buch „Love & Free“, mit dem er bekannt geworden ist. Ein Blick in dieses Buch Love & Free* findest du ebenfalls auf Amazon* / *Werbelink.

Takahashi besitzt ein paar Restaurants und Musikschulen für Kinder in der ganzen Welt verteilt und reist die meiste Zeit.

Ein späteres Interview (in Seaul) auf YouTube mit Ayumu Takahashi (links im Bild):

An solch einem Ort muss ich alte Weltenbummlerin mich ja wohlfühlen. Kein Frage, oder?

Gerne hätte ich den Ort und das Beach Rock hier verlinkt, aber kann es auf Google Maps nicht mehr finden. Vielleicht gibt es das Restaurant und Camp mittlerweile nicht mehr? Das Beach Rock Village nahe Motobu ist definitiv ein anderes!

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Cape Zampa

Weil Makoto und Yuma noch nicht angekommen sind, beschließe ich, einfach noch ein wenig durch dir Gegend zu fahren.

Ich mache mich kurzerhand auf zum Cape Zampa, dem westlichsten Punkt der Insel Honto. Der Weg ist gesäumt von Fruchtbäumen, die Natur und der Blick aufs Meer wunderschön, das große Nobelhotel hier allerdings etwas störend.

Plötzlich bekomme ich eine Nachricht auf meinem Handy.

Die Jungs sind angekommen. Ich soll mich beeilen, die erste Dose Bier ist bereits geöffnet und wartet auf mich.

Das lass ich mir nicht zweimal sagen und radele fix zurück zum Camp.

Cape Zampa auf Google Maps.

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Der beste Tacoreis meines Lebens

Im Restaurant des Camps, wo wir ein paar kühle Orion Biere trinken, soll es den angeblich besten Tacoreis der Insel geben.

Und das ist tatsächlich nicht übertrieben.

Takoreis ist ein Nationalgericht auf Okinawa. Dabei handelt es sich um ein Chili Con Carne (wie man es in einem mexikanischen Taco findet) auf Salat und das alles auf Reis.

Hört sich unspektakulär an, schmeckt aber großartig.

Den Rest des Abends verbringe ich mit Makoto und seiner Sanshin, der dreiseitigen Okinawa Gitarre, am Strand. Wir haben uns in den letzten Tagen richtig gut kennengelernt und sind gute Freunde geworden.

Das fasziniert mich auf Reisen immer wieder: Wie einfach es doch ist, interessante Menschen zu treffen und Freundschaften zu schließen.

Einer der Gründe, warum ich das Reisen so mag.

Früh am Morgen werde ich wach, weil es im Zelt einfach schon um 7 Uhr viel zu heiß ist.

Also setze ich mich mit meinem Tagebuch auf eine Bank und beginne zu schreiben, als plötzlich von irgendwo jemand zu mir rüberschreit: „Hey, are you writing your diary, or what? Where are you from? Do you like it here?“

Der Amerikaner gesellt sich ungefragt zu mir und lädt mich auf eine Ami-Party am Abend ein, wo es Armdrücken und Wetttrinken mit den „Japs“ geben soll.

Meine Begeisterung hält sich in Grenzen, nicht nur weil ich im Armdrücken keine Chancen hätte, sondern auch, weil der letzte Abend am Ende doch etwas alkohollastiger wurde, als gedacht.

Mein Schädel brummt ganz schön.

Als der etwas aufdringliche Amerikaner weg ist, leistet mir ein Japaner Gesellschaft. Er erzählt mir von seinem Leben hier unter so vielen Amerikanern im eigenen Land.

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Der wohl traurige Ort der Insel

Unbedingt soll ich mir die Höhlen hier in der Nähe ansehen.

Vor rund 60 Jahren, zum Ende des Zweiten Weltkrieges, ereignete sich hier eine der traurigsten Geschichten der Insel:

Der Einmarsch der Amerikaner auf der Insel hatte sich rumgesprochen und die Einwohner hatten Horrorgeschichten von den „großen starken weißen Männern“ im Kopf, die Japaner verschleppten, Frauen vergewaltigten und Kinder erschossen.

Um diesem vermeindlichen Schicksal zu entgehen, versammelten sich rund 200 Menschen der Gegend in der nahegelegenen Höhle und nahmen sich gemeinsam das Leben. Väter erstachen zunächst Frau und Kinder, bevor sie sich selbst umbrachten.

Das wirklich tragische an diesem Massentod war aber, dass die Horrorgeschichten nur eine der vielen Propaganda-Lügen der Japaner waren, denn die Amerikaner haben bei ihrem Einmarsch nicht gewütet, gemordet oder sich an Frauen vergangen.

Die Amerikaner leben noch immer auf ihren Militärstützpunkten auf den Inseln verteilt und täglich brettern hier ihre Militärflugzeuge durch die Luft, Panzer fahren die Straßen entlang und überall stößt man auf Stacheldrahtzäune des amerikanischen Militär-Territoriums.

Mit diesem Wissen besuche ich die Höhlen und ein bedrückendes Gefühl macht sich breit.

So richtig Partystimmung will heute nicht mehr bei mir aufkommen, also bleibe ich im Camp, esse wieder Tacoreis mit Yuma und Makoto, während wir uns uns Reisegeschichten erzählen und vor uns hin träumen.

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Abschied von mittlerweile guten Freunden

Makoto werde ich auf meiner Rückreise in Tokyo noch einmal treffen, zumindest hat er versprochen, mich früh morgens am Flughafen Haneda abzuholen.

Die beiden machen sich jetzt langsam auf den Rückweg.

Nach ihrer mehrmonatigen Reise geht es für die Jungs nach Hause, zurück nach Tokyo, während ich meine nächsten Ziele ansteuere:

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©PeteLeongPhotography (Hochzeits-Fotograf und Fotocoach auf Okinawa | fotoshisha.com

Manza Beach & Inbu Beach

Zunächsts geht es zum Manza Beach, einem der berühmten und schönsten Stränden Okinawa Hontos.

Es ist am späten Vormittag unerträglich heiß. Deshalb unterbreche ich meine Tour, setze mich in den Schatten an einen Tisch, schreibe Tagebuch, hüpfe dann und wann ins Meer oder Dusche mich einfach nur kühl ab. An den Stränden in Japan gibt es immer Duschen.

©2005 by Nipponinsider | beliebter Strand auf Okinawas Hauptinsel

Ein paar gute Kilometer habe ich heute schon geschafft, beim Radeln Musik gehört und bin meinen Gedanken weiter nachgehangen.

Ich fühle mich gerade pudelwohl.

Die letzten Tage waren so nicht geplant und trotzdem großartig.

Dazu der grandiose Radweg entlang der Route 58, mit Blick auf das weite Meer.

Für meinen Geschmack geht es hier allerdings etwas zu viel auf und ab, was mich unendlich viel Kraft kostet, bei Temparaturen um die 35 Grad. Aber es ist Anfang August und ich befinde mich im Hochsommer. Jetzt erinnere ich mich auch wieder an all die Warnungen, die ich bei meiner Vorbereitung zu dieser Reise bekommen habe.

Genau zum richtigen Zeitpunkt, als mich meine Kräfte am späten Nachmittag verlassen, entdecke ich eine Campingplatz, baue schnell mein Zelt auf und gehe in ein Restaurant zum Essen, bevor ich mich erschöpft ins Zelt legen und schlafen werde.

So der Plan. Aber dann kommt doch alles ganz anders – schon wieder!

Und bin wieder einmal überwältigt.

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Die japanische Gastfreundschaft

In Japan gibt es einen Begriff: Omotenashi – die Gastfreundschaft der Japaner.

Und der falle ich heute gerne mal zum Opfer.

Im Restaurant bin ich bereits bekannt.

WOW!!!

Dem ein oder andere Gast bin ich heute auf dem Fahrrad aufgefallen.

Jetzt sind sie natürlich alle neugierig, wer ich bin, woher ich komme und was ich hier so treibe.

Und so rücken alle Gäste ihre Stühle an meinen Tisch und wir essen gemeinsam Goya-Champuru, trinken Orion Bier (immer dieses Bier, aber ich kann mich da kaum gegen wehren) und irgendwie hat jeder eine Geschichte zum Thema „Deutsch, Deutschland oder Deutsche“ zum Besten gegeben.

Es wird ein lustiger Abend und zum Abschied bekomme ich noch alle Reste aus der Küche eingepackt.

Damit ist mein Frühstück und Mittagessen morgen schon mal gesichert.

Und klar, ich bin an diesem Abend eingeladen.

So richtig kann ich das alles wirklich noch nicht begreifen.

Warum sind hier alle so unglaublich nett und begegnen mir so offen und herzlich?

Das ist also Omotenashi, die Gastfreundschaft, von der Japanbesucher immer wieder schwärmen. Und sie ist überwältigend.

Ohne Japanischkenntnisse hätte ich es allerdings nicht ganz so einfach gehabt.

Es hilft schon, dass ich mich hier verständlich machen, den vielen Geschichten lauschen und selbst erzählen kann.

Ich halte also für mich fest: Ein Land zu bereisen, dessen Sprache man spricht und versteht, ist noch mal ein ganz anderes Erlebnis. Kontakte mit Einheimischen sind zwar auch ohne Sprachkenntnisse möglich, aber gerade Japaner freuen sich so sehr, wenn ich ihre Sprache spreche und begegnen mir plötzlich ohne Zurückhaltung oder Schüchternheit.

Das Gefühl von Akzeptanz, Respekt und Zugehörigkeit habe ich bei meinen Reisen in anderen asiatischen Ländern so bisher noch nie erlebt.

Und deshalb ist diese Reise etwas ganz Besonderes.

Dass sie noch viel besser werden wird, ahne ich zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht.

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Okinawa Churaumi Aquarium & wie das Glück mich verließ…


Okinawa mit dem Fahrrad
2005 bin ich mit dem Fahrrad für einen Monat in Okinawa gereist. Damals arbeitete ich als Englischlehrerin an einer japanischen Junior-Highschool und hatte den Sommer frei.
Meine Anreise aus Fukushima mit Regionalzügen und Containerschiff, die Suche nach einem geeigneten Fahrrad und was ich bereits erlebt habe, kannst du hier nachlesen:

Der Okinawa Reisebericht im Überblick


ANMERKUNG

Fotos wären an dieser Stelle ganz schön gewesen. Leider habe ich auf dieser Reise nur eine analoge Spiegelreflex-Kamera mit gehabt und selten aus den Tiefen meines Rucksacks geholt. Ich muss mich unbedingt mal um die Digitalisierung der wenigen Fotos machen, die ich von dieser Reise besitze.

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