Happy Tokio von Andreas Neuenkirchen | Buchvorstellung

„Mein neues Leben in Japans hässlich-schönster Stadt“

So lautet der provokative Untertitel des neuesten Buches von Andreas Neuenkirchen, dass ich dir heute vorstellen möchte.

Neben Japan-Krimis schreibt der Autor ja immer mal wieder aus seinem Leben mit einer Japanerin (z.B. Matjes mit Wasabi“ – eine deutsch-japanische Culture-Clash-Liebe).

Happy Tokio von Andreas Neuenkirchen

„Happy Tokio“ ist eine ganz besondere Begegnung des Autors mit seiner neuen Wahlheimat.

Andreas Neuenkirchen erzählt von seinem Leben in Japans Hauptstadt und nimmt den Leser mit in seinen japanischen Alltag.

Finde ich ja immer spannend und suchen dann gleich nach Parallelen zu meinem Leben (auch wenn ich nie in Tokio gelebt habe).

Der DuMont Reiseverlag war so lieb, mir dieses Buch zur Verfügung zu stellen.

Was sie sicher nicht geahnt hatten: Es versüßte mir meine Wartezeit während des Schnee-Unwetters in Leipzig zur Buchmesse.

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Kurze Zusammenfassung

„In Tokio ist das Leben nicht nur lebenswert, Tokio macht regelrecht glücklich.“

Dabei ist Tokio die Stadt der Superlative.

Sie gilt nicht nur als eine der hässlichsten Städte weltweit, sondern auch als lebenswerteste Stadt der Welt – so zumindest vom Monocle Magazin als solche drei Jahre in Folge ausgezeichnet.

Andreas Neuenkirchen lebt mit seiner Frau Junko und seiner Tochter Hana seit 2016 in Tokio.

Nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal als Familie.

Er erlebt tagtäglich seine Wahlheimat in ihrer Skurrilität und Liebenswürdigkeit und beschreibt in diesem Buch, warum die Stadt trotz ihrer Hässlichkeit Schönheit besitzt und glücklich macht.

Seine Streifzüge, die er die „Tour durch das Tollste“ nennt, führen ihn vorbei an Stundenhotels, die aussehen wie Disneyschlösser, in Karaoke-Kabinen und Cafés, in denn man nach 90 Minuten seinen Platz räumen muss.

Er erlebt die freundlichste Verfolgungsjagd der Welt und übersteht den Angriff einer „Killerkrähe“ im Kinuta Park.

Mit Episoden über die Kirschblütenzeit, die fünfte Jahreszeit Japans, und das Spiel Pokémon Go, das die Suizidrate in Japan deutlich sinken lässt, zeigt Andreas Neuenkirchen, wie Tokio wirklich tickt und was die chaotisch kitschige, aber auch hochmoderne Metropole ausmacht.

Eines ist sie in jedem Fall:

Eine schillernde Stadt, die sich ständig im Wandel befindet und immerwährend Überraschendes bietet: von Craft.Beer Manufakturen und Süßkartoffel-Ale, italienischen Köstlichkeiten und einem deutschen Wäschesalon bis hin zu sogenannten Maid Cafés.

Der Autor zieht ein eindeutiges Fazit:

„Die Geschichte lehrt uns: Die beste Zeit, in Tokio zu leben, ist genau jetzt. Denn davon werden wir in zehn bis zwanzig Jahren den Spätgeborenen vorschwärmen.

Die werden gütig lächeln und uns den Spaß lassen, bevor sie ihrerseits ein paar Jahre später jungen Leuten weismachen, dass Tokio leider nie wieder so sein wird, wie in den 2030ern und 2040ern. Und sie werden recht haben.“

(Auszug aus der Verlagsbeschreibung)

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Tokio Momentaufnahmen

Da bin ich mal gespannt!

Selbst kenne ich Tokio nur aus der Touristen-Perspektive und durch den Besuch bei Freunden, habe nie selbst dort gelebt und konnte mir das auch nie so recht vorstellen.

Ich kenne tatsächlich noch das alte Tokio 2000 „als alles besser war“ (laut Einstig im Buch).

Wie ist Tokio heute? Welchen Eindruck hinterlässt die Stadt bei seinen Besuchern und Bewohnern?

Diese Antworten erwarte ich, als ich das Buch aufschlage.

Im Einband zunächst eine Karte von Tokio mit den Bezirken.

Vieles hat sich aber scheinbar nicht verändert.

Während ich das Buch lese, sehe ich bekannte Bilder vor mir und erinnere mich an meine Tokio-Besuche.

Vielleicht ist es heute noch ein wenig schriller geworden – auf den ersten Blick.

Aber der Autor schafft es auf herrliche Art und Weise, den Blick des Touristen auch auf die kleinen unbedeutenden Dinge der Stadt zu lenken und erzählt dem Leser von seinem, nicht in Reiseführern erwähnten derzeitigen Wohnviertel Meguro oder seinem alten Viertel Oyamadai und der Happy Road dort (sogar mit kleiner Skizze für Besucher – leider nicht durchgängig für alle beschriebenen Orte).

Persönliche Erfahrungen und Reisetipps

Mir gefallen besonders die kleinen Reisetipps, die geschickt in den persönlichen Erfahrungsbericht mit einfließen.

Dazu gibt es immer interessante Hintergrundinformationen zu bekannten Parks oder Sehenswürdigkeiten, wie dem Yasukuni-Schrein.

Aber warum nicht mal in unbekanntere Gegenden Tokios vordringen?

Da blühen die Kirschbäume schließlich auch.

Und kleine nette Ramenrestaurants gibt es in jedem Viertel.

„Das beste Restaurant der Stadt“, da stimme ich dem Autor zu, kann man nicht in einem Reiseführer finden, denn wer hat sie schon alle besucht, um das zu beurteilen.

Und klar ist ein Besuch von der Shibuya-Kreuzung beim ersten Besuch Pflicht, aber eben nur ein winzig kleiner Teil, den Tokio ausmacht.

Ein wenig gestört haben mich beim Lesen lediglich die „Werbeeinblendungen“ zu den eigenen Büchern aus der Vergangenheit. Die werden an einigen Stellen erwähnt, ohne immer mit dem Kapitel etwas zu tun zu haben.

Ziemlich bitter ist mir in diesem Zusammenhang beim Lesen aufgestoßen, dass ein anderes Japan-Buch (auch ohne den Namen zu nennen) als schlecht abgestempelt, im gleichen Absatz das eigene Buch aber noch mal lobend erwähnt wird. Das hat weder dem Thema des Kapitels geholfen, noch kam es gut bei mir als Leserin an. Das gehört sich einfach nicht (zumindest habe ich das bisher immer gedacht).

Auch Informationen zu Orten für die Recherche seiner Krimis, vielleicht spannend für mich als Autorin, mal in die Arbeit eines Schriftstellers zu blicken, aber für den Leser eigentlich überflüssig.

Manchmal waren mir die Themensprünge in den Kapiteln etwas zu viel.

Von Nagoya zu Yokohama, dann ein kleiner Einschub zum Thema „Walfleisch“, den ich zwar sehr gut fand, aber der Zusammenhang hat sich mir nicht ganz erschlossen. Denn im Anschluss  geht es wieder um Yokohama. Einfach nur Gedanken, die beim Schreiben kamen? Die hätte ich gerne etwas geordneter gelesen.

Hätte „Walfleisch“ nicht auch gut in den Teil 3 „Essen und Trinken“ gepasst?

Aber im Thema-springen und Gedanken-kommen-und-gehen-lassen bin ich auch ganz gut. Da muss ich mir mal an meine eigene Nase fassen. Ist für mich vielleicht ganz gut, das mal als Leserin wahrzunehmen und in Zukunft besser darauf zu achten.

Um zurück zum Wal-essen-Thema zu kommen, da hat Andreas Neuenkirchen so herrlich ausdrückt, was ich oft denke (Seite 124).

Es geht darum, nicht zu alles auf der Welt eine Meinung haben zu müssen. Das ist schon aus zeitlichen Gründen kaum möglich.

Finde ich gut und gesund und handhabe das selbst so.

Mir sind noch einige Aussagen in dem Buch aufgefallen, in denen ich mich wiederfinde, vielleicht weil wir aus der selben Generation stammen, uns beide mit einer bi-nationalen Ehe arrangieren müssen, beide eine Vorliebe für japanische CD- und Buchläden (gerne auch die großen Ketten) und guten Kaffee haben, eine Abneigung gegen Starbucks und Fancy-Cafés und sogar einen ähnlichen Musikgeschmack (The Blue Hearts, aber wer mag die eigentlich nicht?).

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Ein kleines Fazit zum Schluß

Eine amüsante Lektüre, die mir das Leben in Tokio ein gutes Stück näher gebracht hat.

Meine Bucketliste für die nächste Japanreise konnte ich um einiges erweitern (Nagoya muss ich unbedingt mal besuchen!).

Das Buch hat mich zum Lachen gebracht – und das ist immer eine gute Sache:

Ob mit selbstironisch Bemerkungen des Autors, heiteren Schilderungen von Erlebnissen mit Japanern, Japanerinnen und der japanischen Tierwelt oder die amüsanten Erfahrungen einer „japanischen Mutter“, wie Andreas Neuenkirchen sich selbst bezeichnet.

Dazu ein paar „um die Ecke gedachten Ergänzungen“ zu Themen wie Pokémon, Restaurants oder Kyoto, die ich so sehr liebe, aber viel zu selten lese.

Weil ich selbst gerade ein Buch über Japan schreibe – auch ich kann das mit den Werbe-Einblendungen 😉 – ist es gar nicht so leicht, momentan andere Bücher zu dem Thema zu lesen.

Denn was ist, wenn da jemand meine Themen aufgreift, an die ich so lange gefeilt habe? Alles dazu sagt, was ich sagen wollte? Themen vielleicht ganz anders interpretiert? Ich meine Meinung noch mal überdenken muss?

Meine Befürchtungen bestätigen sich selten. Ein paar Themen tauchen einfach in jedem Buch über Japan auf (Essen, Praktisches in Japan,…).

Gott sei Dank hat Japan aber reichlich Themen zu bieten.

Jeder Mensch erlebt das Land auf seine eigene Weise und bildet sich sein eigenes Urteil dazu.

Einfach spannend, von den Erlebnisse der Anderen zu lesen, ist es immer wieder.

Deshalb werde ich mich auch an guten Japanbüchern nie sattlesen können. Und freu mich, hier ein weiteres davon in mein Regal stellen zu können

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Wer ist Andreas Neuenkirchen?

1969 in Bremen geboren, ist seit 1993 Journalist und war sowohl frei im Feuilleton der Tageszeitungen und Stadtmagazine seiner Heimatstadt als auch als Redakteur in München tätig.

Er hat bereits mehrere Romane und Sachbücher mit Bezug zu Japan geschrieben, wo er 2010 auch seine japanische Frau kennenlernte.

Mit ihr und er gemeinsamen Tochter lebt er seit 2016 in Tokio.

Alle Titel des Autors findest du auch auf seiner Autoren-Webseite.

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Informationen zum Buch

Autor: Andreas Neuenkirchen

Titel: Happy Tokio – Mein neues Leben in Japans hässlich-schönster Stadt

Verlag: DuMont Reiseverlag

Taschenbuch (293 Seiten)

Preis:
€14,99 (D) / €16,50 (A) / CHF 19,90

ISBN: 978-3-7701-8290-9

Erscheinungsdatum: März 2018

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2 Kommentare

  1. Hallo Daniela,
    Ich habe mir das Buch heute im Buchladen bestellt.
    Ich bin schon sehr gespannt.Deine Buchvorstellung hat mich richtig begeistert und mich überzeugt das ich das Buch brauche. 🙂
    LG Sandra

    • Viel Spaß beim Lesen. Erzähl mal, wie es dir gefallen hat. Würde mich ja interessieren.

      Liebe Grüße Daniela

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