7 Dinge, die in Tohoku anders sind

 Tohoku - alles etwas anders hier! 7 Dinge die in Tohoku anders sind. Bild von einer Kokeshi Holzpuppe | Nipponinsider Japanblog

„Wo in Japan hast du gelebt?“

„In Tohoku!“

„Ach Tokio. Muss ja der Wahnsinn sein. Aber sag nochmal, wie hast du das gerade ausgesprochen?“

„Nein, nein, nicht Tokio! TOO-HO-KU!!!
Ich habe in Tohoku gelebt. Das ist etwa 200 km von Tokio im Norden.“

„Ach so…????????? Ich möchte auch so gerne mal nach Tokio… habe schon viel darüber gehört…“

Vor dem großen Erdbeben 2011 hatten nur Wenige von Tohoku gehört.

Und plötzlich war die Region weltbekannt.

Mittlerweile ist das Tohoku-Erdbeben-2011 den Meisten ein Begriff. Jeder hat da Bilder im Kopf: Küstenregionen, die vom Tsunami überrollt werden und ein Atomkraftwerk an der Küste, dass nicht unter Kontrolle zu bekommen ist.

Dabei ist die nördliche Region der Hauptinsel Honshu etwas ganz Besonderes.

Was genau macht Tohoku aber so einzigartig?

7 Dinge, die in Tohoku anders sind

Die klassische Japan-Reise führt in der Regel in den südwestlichen Teil des Landes.

Mit Tokio, Kyoto, Osaka, Hiroshima und alles was noch so dazwischen liegt, hat man auf seiner Japanreise ja schon gut zu tun.

Warum sollte man also noch in den Norden fahren?

Berge, Wälder, Onsen, Ruhe und Natur gibt es schließlich auch im Süden. Oder?

Klar! Ist aber alles etwas anders hier in Tohoku!

1. Tourismus ★★★★★

Es ist hier nicht so überlaufen. Nur wenige ausländische Touristen entdecken gerade erst die Schönheit des Nordens.

Man kann so herrlich auf Entdeckungstour gehen und begibt sich fast automatisch auf seine eigene Reise, abseits der bekannten Touristenpfade. Das mag ich ganz besonders.

Viele trauen sich das nicht oder sind sich unsicher. Dabei ist es gar nicht so schwer, sich einfach ins Abenteuer zu stürzen. Vor allem, wenn man weiß, dass hier offene und unglaublich gastfreundliche Menschen leben, die einem gerne helfen, wenn man ein Problem hat.

Bild zum Midori no Hi dem Tag der Natur. Ich stehe dabei in den Reisfeldern von Tohoku | nipponinsider japanblog

©2008 by nipponinsider | in den Reisfeldern von Tokoku

2. Mentalität ❤

Man kümmert sich hier einfach gerne um Andere. Es bringt den Menschen ein wenig Abwechslung in ihren nicht gerade turbulenten Alltag.

Genau das ist es, was ich hier so schätze: die Ruhe und Gemächlichkeit der Menschen.

Eine weitere Eigenschaft, die man den Menschen hier nachsagt, ist Geduld. Denn es gibt selten Grund zur Eile.

Gerade nach einem Besuch in Tokio fällt mir das immer auf, wie langsam die Menschen in Tohoku sind. Die Tokioter dagegen sind echt flott auf den Beinen. Meine Schwiegermutter ist eine Zugezogene, gebürtig aus der Hauptstadt, und rennt uns immer davon.

Hund der Rasse Akita gemütlich in einem Stuhl. Tohoku - Alles etwas anders hier! Nipponinsider Japanblog

3. Sprache 💬

Auf vielen Schildern und Informationstafeln sucht man Englisch noch vergebens. Das ändert sich gerade, weil Tohoku intensiv daran arbeitet, sich für ausländische Touristen attraktiver zu präsentieren.

Verständigungsschwierigkeiten?

Damit wirst du nicht alleine sein. Selbst wenn du Japanisch sprichst!!!

Auch nicht aus der Gegend kommende Japanerinnen und Japaner haben ihre liebe Mühe mit dem ein oder anderen Dialekt hier.

Am krassesten ist da der Tsugaru-ben in Aomori. Der klingt in den Ohren vieler Japaner exotisch, fremdartig und irgendwie lustig. Der Aomori-Dialekt in Japan ist so unverkennbar, wie der sächsische Dialekt bei uns in Deutschland.

In ganz Tohoku gibt es dazu noch viele unterschiedliche Dialekte, die aber alle eines gemeinsam haben: Sie wirken auf den japanischen Großstädter ländlich-bäuerlich und nuschelig.

Die einen sagen, dass die Menschen hier zu faul sind, um den Mund richtig weit aufzumachen und viele Wörter einfach abkürzen – aus Trägheit.

Andere behaupten, es hat einen guten Grund, kurz und schnell zu sprechen und dabei den Mund möglichst geschlossen zu lassen: Das kalte Klima und die klirrende Kälte im Winter.

Eiszapfen am Dach eines Hauses in Tohoku - Alles etwas anders hier! Nipponinsider Japanblog

4. Die Natur ❀

Vieles ist noch sehr ursprünglich und die Natur ist in großen Teilen hier einfach noch unberührt.

Tohoku liegt zwischen dem Japanischen Meer und dem Pazifik. Mit Bade- und Surfer-Stränden, aber auch felsigen naturbelassenen Küsten bietet es für Jeden etwas.

Dazwischen Berge, Vulkane, heiße Quellen, Wasserfälle, Wälder … einfach ganz viel Natur. Das ist Tohoku!!!

Hier blühen Kirschbäume, während noch Schnee auf den Bergen liegt. Und nicht nur Kirschbäume. Die ersten Obstbäume tragen schon Anfang März erste Blüten. Das zieht sich durch’s ganze Frühjahr bis in den Sommer.

Und dann der Herbst. Tohoku zeigt nochmal alles was es hat, bevor es sich unter eine weiße Schneedecke verkriecht.

Es ist spektakulär schön, aber gleichzeitig auf so unaufgeregte ruhige Weise – ganz anders als das Bild, was mir oft in Deutschland begegnet, wenn das abgefahrene und turbulente Tokyo gezeigt wird.

Im Norden kann man kilometerweit durchs Gebirge fahren, tagelang durch Wälder laufen und Wasserfälle und Seen entdecken oder am Meer rumlaufen ohne auf Menschen oder Getränkeautomaten zu treffen.

Küste von Aomori - Tohoku, alles etwas anders hier! Nipponinsider Japanblog

©2008 nipponinsider | Küste von Aomori

5. Heiße Quellen ♨

Tohoku hat unglaublich viele Onsen.

In einigen Regionen riecht es so unerträglich nach Schwefel.

„Hier machen Menschen freiwillig Urlaub? Und zahlen auch noch Geld dafür? WARUM???“

In den besonders übel riechenden Orten, eingezwängt zwischen Bergmassiven, reiht sich ein Hotel neben das andere. Nach ein paar Stunden hast du dich an den „Geruch von faulen Eiern“ gewöhnt und spätestens, wenn du in der heißen Quelle sitzt und auf die atemberaubende Landschaft schaut, fragst du nicht mehr „Warum?“ sondern denkst nur „WOW!“.

Außenbäder, sogenannte Rotenburo, sind eigentlich Standard. Viele Hotels haben auch Rotenburo auf ihren Dächern, um einen unverbauten Blick auf die Natur genießen zu können.

Bei Nacht, wenn die Sterne funkeln, der Schnee auf den Gipfeln der Berge glitzert und die Haut im Wasser langsam schrumpelig und weich wird, dann erlebst du den perfekten Tohoku-Moment.

Neben den vielen bekannten Onsen gibt es auch ganz kleine natürlich heiße Quellen. Ein Schild an der Straße weist dir den Weg in den Wald.

Du balancierst über glitschige Steine und findest heiße Quellen in den Felsen. Männer und Frauen sitzen hier zusammen, wie die Natur sie schuf. Meistens trifft man aber niemanden.

Und Tattoo-Verbotsschilder habe ich bisher auch noch keine entdeckt. Der Natur ist es egal!

Rotenburo und natürliche heiße Quellen gibt es nicht nur in Tohoku, aber die Dichte hier ist besonders hoch und viele behaupten, es sind die besten des Landes.

Fußonsen - Tohoku, alles etwas anders hier! Nipponinsider Japanblog

©nipponinsider | Fußonsen irgendwo in Tohoku.

6. Das Essen 🍴

Tohoku lebt von der Landwirtschaft. Das Obst und Gemüse ist deshalb besonders frisch und jede Saison hat ihre ganz eigenen Gerichte.

Ob Soba-Buchweizennudeln, Gyoza-gefüllte Teigtaschen, Ramen-Nudelsuppen, Rindfleisch, oder Sojaprodukte – in Tohoku schmeckt es nochmal anders.

Dem Klima sei Dank, dass hier alles in bester Qualität wächst und gedeiht: Reis, Sojabohnen, Berggemüse, Pilze, Fisch, Muscheln und andere Meerestiere aus dem kalten japanischen Meer und Obst.

Obstbaum-Plantagen sind ein typisches Tohoku-Bild: Äpfel, Birnen, Trauben, Kaki, Pfirsiche und Kirschen.

Die Küche Tohokus genießt einen ausgezeichneten Ruf und wenn du dich durchprobiert hast, dann weißt du auch, warum!

Selbst auf den immer sonnigen Okinawa-Inseln haben mich Menschen um mein Leben in Tohoku beneidet. Nicht wegen des Schnees oder des kühlen Klimas, sondern allein wegen des Essens.

Buchweizennudeln SOBA mit fritiertem Gemüse TEMPURa | Tohoku - Alles etwas anders hier! Nipponinsider Japanblog

©nipponinsider | Buchweizennudeln SOBA mit fritiertem Gemüse TEMPURa

7. Das traditionelle Japan 🔴

Viele Traditionen haben sich über die Jahrhunderte und Jahrtausende kaum verändert. Geister und Namahage sind allgegenwärtig. Namahage, das sind Dämonen, bekannt aus volkstümlichen Märchen und Geschichten. Die werden hier richtig gefeiert: Zum Neujahr oder bei den vielen Festivals im Sommer.

Auch glauben die Menschen in Tohoku noch sehr viel stärker an die Geister der Toten. Viele Bräuche hier gehen auf diesen alten Glauben zurück.

Oft leben drei Generationen noch unter einem Dach, in großen Häusern, wie es schon früher ganz selbstverständlich war. Haustiere sind auch nicht ungewöhnlich. Über Katzencafé wundern sich die Kinder hier genauso, wie wir Touristen es in Tokyo oft tun. Sie belächeln das ein wenig, wenn sie hören, dass es Menschen gibt, die Geld bezahlen, um eine Katze auf dem Arm halten zu können.

Das Handwerk in Tohoku hat lange Tradition und wird im ganzen Land geliebt und geschätzt: Lackware (Shikki) und alkoholische Getränke aus Reis (Sake). Die beliebten Holzpuppen (Kokeshi) kommen aus Tohoku, genau wie die Nanbu-Eisengegenstände, z.B. die schweren Teekessel (Tetsubin) oder Windspiele (Furin).

Tohoku - alles etwas anders hier! 7 Dinge die in Tohoku anders sind. Bild von einer Kokeshi Holzpuppe | Nipponinsider Japanblog

Das hier ist eine KOKESHI – eine japanische Holzpuppe aus Tohoku

Bist du neugierig geworden?

Es gibt noch so viel zu erzählen vom schönen Tohoku.

Hier habe ich das Japan kennengelernt, in das ich mich verliebt habe. Ich habe mich sechs Jahre hier zuhause gefühlt und komme mit einem Gefühl von Heimat immer gerne zurück.

Was eine Reise in Tohoku so einzigartig macht? An dem Artikel arbeite ich gerade:

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Tohoku - einzigartiges Japan. Bild vom Okama Krater-See / Zao-San | Nipponinsider Japanblog

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