Nach Okinawa reisen – Unterwegs mit dem Schiff

Bild eines Container Schiffs mit dem ich in 30 Stunden übers Meer nach Okinawa gereist bin. Meine Reise nach Okinawa auf Nipponinsider

Die Reise geht weiter. Noch trennen mich 30 Stunden und das weite blaue Meer von meinem Ziel: OKINAWA.

Dass ich kein Kreuzfahrtschiff für 18.300 Yen erwarten konnte, war klar.

Aber von einem kleinen Pool an Deck hatte ich insgeheim geträumt. Jetzt stehe ich auf dem Deck des Container Schiffes und schaue über die schwere Ladung hinweg auf’s Meer.

Viel los ist hier nicht. Wie schon zu Beginn meiner 15-stündigen Zugfahrt nach Osaka mit den Regionalzügen, stelle ich mir auch jetzt wieder die Frage, was ich bloß den ganzen Tag machen soll.

Es sind nur wenig Passagiere mit mir hier an Bord. Einige Taiwaner habe ich entdeckt, denn dieses Schiff hält nur kurz auf der Hauptinsel des Inselarchipels Okinawa und fährt dann gleich weiter nach Taiwan.

Eine Überraschung war letzte Nacht definitiv die 3. Klasse. Da hatte ich einen großen Raum erwartet, der mit japanischen Reisstrohmatten, den sogenannten Tatamimatten, ausgelegt ist.

3. Klasse auf dem Schiff

Stattdessen bekam ich eine gemütliche kleine Koje zugewiesen: Ein Etagenbett in einem 8 Personen Zimmer, mit einer gefühlten Zimmertemperatur von 5 Grad Celsius.

Bild: Schlafkoje auf dem Containerschiff mit dem ich in 30 Stunden übers Meer nach Okinawa fahre | Nipponinsider

©2005 by Nipponinsider | Meine Schlafkoje auf dem Schiff, das ganz schön schaukel – daher ist das Bild leider verwackelt

Bevor ich in die Koje gefallen bin, habe ich noch schnell herausgefunden, dass es hier an Bord ein Restaurant gibt. Das hat 3 mal am Tag für eine halbe Stunde geöffnet. Ich bin eine extrem langsame Esserin, ob ich das in 30 Minuten schaffe, muss ich noch sehen.

Morgens auf dem Schiff

Geschlafen habe ich hervorragend. Allerdings erst, nachdem ich mir eine zweit Bettdecke von einem der leeren Betten besorgt hatte. Es ist wirklich saukalt. Um sechs bin ich hellwach und als ich das Zimmer verlasse trifft mich fast der Schlag:

Ouuff. Kurz hatte ich vergessen, dass ich mich mitten im japanischen Hochsommer befinde. Sofort beschlägt meine Brille hier draußen bei der feucht-heißen Luft.

Zum Frühstück sitze ich wieder in der Kälte. Ich bin fast alleine mit meinem Teller. Der ist gefüllt mit zwei einer trockenen Toastbrotscheibe, zwei künstlich aussehenden Wurstscheiben, einem Spiegelei und einer Maissuppe. Kein kulinarisches Highlight, aber der Hunger treibt es rein.

Wo sind eigentlich die anderen Gäste?

Ich fühle mich hier so alleine.

Bestimmt gibt es doch noch einen Pool oder einen Partyraum, wo sich gerade alle vergnügen und mir hat keiner Bescheid gesagt. Ich werde mich einfach mal umsehen, hier auf dem Container Schiff.

Auf Entdeckungstour

Weder Pool noch Partyraum gibt es hier – soviel steht fest.

Ein Freund von mir fuhr mal für zwei Wochen auf einem Container Schiff und der hatte einen Kinosaal und konnte sich die Filme selbst auswählen. Das wünsche ich mir jetzt auch.

Keine Spur von einem Kinosaal. Aber ein paar Mitreisende habe ich im Aufenthaltsraum / Fernsehraum entdeckt. Hier ist es mir leider wieder viel zu kalt.

Mit der Kamera, die mein Mann Daisuke mir für diese Reise überlassen hat, geht es an die frische Luft. Zuhause hab ich extra einen Spiegelreflex-Kamera-Schnell-Kurs von ihm erhalten. Jetzt will ich damit üben. Meine Begabungen liegen irgendwie nicht im Fotografieren, das habe ich schon früher bemerkt.

Bei der Kamera handelt es sich übrigens um eine kleine Pentax, die analog fotografiert – also noch mit Film arbeitet.

Ich habe mich in den letzten Tagen gewundert, warum ich kaum Fotos von meiner Okinawa-Reise besitze. Jetzt wird mir einiges klar. Ohne Digitalkamera keine Daten!

Ich hatte mein Handy dabei, damit konnte man auch 2005 schon Fotos machen. Ein paar der nicht komplett verwackelten analogen Fotos habe ich, soweit ich mich erinnern kann, nach der Entwicklung gleich digitalisieren lassen.

Durch den Sucher der Kamera geschaut

Die mageren Ergebnisse meines Vormittags will ich dir nicht vorenthalten. Was auf den Fotos deutlich wird:

Nicht viel los hier auf dem schwankenden Schiff. Hätte nicht gedacht, dass die See hier so rau ist.

BIld: Tower auf dem Containerschiff nach Osaka reisen mal anders | Nipponinsider

©2005 by Nipponinsider | Impressionen auf der Reise vom Schiff – die Arimura Sangyo

Nach Okinawa reisen mal anders: Hubschrauber Landeplatz auf dem Containerschiff | Nipponinsider

©2005 by Nipponinsider | Kein Pool,dafür aber ein Hubschrauberlandeplatz an Deck

Nach Okinawa reisen mal anders: auf dem Containerschiff. Rettungsring mit der Aufschrift Naha und ein Beiboot | Nipponinsider

©2005 by Nipponinsider | Beim Sicherheitscheck: alles vorhanden!

Begegnung auf dem Schiff

Pünktlich um zwölf stehe ich vor der Tür zum Restaurant, aber die Tür bleibt verschlossen. Kein Essen!

Da erinnere ich mich an die schwere Tüte mit den Snacks, die mir die sieben Osaka-Ladys auf der Zugfahrt geschenkt haben.
Wenn du die Geschichte nochmal nachlesen willst, findest du sie im Teil 2 meiner Artikelserie.

Mit den Snacks, meinem Tagebuch und meinem Infomaterial über Okinawa begebe ich mich auf’s Deck und setze mich in den Schatten, als ein ausländischer Mann mich anspricht.

Ob ich wüsste, wo die anderen Gäste seien? Ich habe wirklich keine Ahnung! Uns ob ich ihm sagen könne, wo es hier was zu essen gibt, fragt er weiter. Leider kann ich auch da nicht weiterhelfen und biete ihm meine Snacks an. Und so verdrücken wir gemeinsam leckere Reiscracker, Plätzchen und andere Köstlichkeiten, die ich zuvor noch nie gesehen oder gegessen habe.

Der Nachmittag vergeht wie im Flug

Tom kommt aus Canada und arbeitet als ALT (Assistant English Teacher) wie ich. Er ist über das JET-Programm nach Japan gekommen und lebt in Takatsuki. Mensch, da bin ich gestern durchgefahren. Das liegt genau zwischen Kyoto und Osaka.

Er ist beeindruckt, dass ich das kenne. Fukushima kennt er leider nicht.
Ja, 2005 war noch alles anders. 

Erst morgen Abend wird Tom von Naha mit einer weiteren Fähre weiter nach Ishigaki-jima, einer der Perlen Okinawas, fahren. Dort hat er für 50.000 Yen einen Monat eine Stunde am Tag Japanischunterricht inklusive Unterkunft gebucht. Den Rest der Zeit will er am Strand verbringen. Hört sich super an.

Wir tauschen auf jeden Fall unsere Telefonnummern aus, für den Fall, dass ich nach Ishigaki-jima komme.

Den ganzen Nachmittag unterhalten wir uns sehr gut und gehen um 18 Uhr zum Abendessen ins Restaurant.

Mir ist ein wenig schummerig von dem Geschaukel auf dem Schiff und so geht es für mich zeitig in meine Koje. Morgen früh muss ich um halb sechs raus aus der Koje, denn schon ums 6 Uhr werden wir den Hafen von Naha erreichen.

Der Tag hat eine wirklich interessante Wendung genommen und ging irre schnell vorbei. Und für morgen habe ich auch schon einen Plan:

Zusammen mit Tom werde ich mich einen Tag auf Sightseeing-Tour durch die Stadt machen. Das wird klasse.

Er freut sich, jemanden dabei zu haben, der etwas besser Japanisch spricht. Denn der junge Australier ist erst seit kurzer Zeit in Japan und hat etwas Angst vor dem Reisen alleine – ohne die Sprache zu beherrschen. Und ich freu mich über seine nette Gesellschaft.

Aufgeregt liege ich in meiner Koje und jetzt endlich stellt sich die Reiselust, das Kribbeln und die Vorfreude ein.

Bevor es los geht, gibt’s aber noch ein paar Infos über Okinawa

Teil 4 der Artikelserie OKINAWA. Bild einer Japankarte, etwas gedreht, damit sie ganz drauf passt. Nipponinsider

HIER WEITERLESEN

Bist du auch schon mal 48 Stunden zu deinem Reiseziel unterwegs gewesen?
Kannst du die Vorfreude kurz vom Ziel nachvollziehen?

4 Kommentare

  1. Hallo! Ich war zwar nicht so lange unterwegs wie du, aber ich war letztes Jahr mit meinem Freund auch mit dem günstigen Ticket unterwegs! Da hat unsere Fahrt ca. 14 Stunden von Takaoka nach Ishinomaki gedauert. Wir sind zwischenzeitlich auch in Kōriyama und Fukushima umgestiegen. Freunde von mir haben mich auch für verrückt gehalten, aber jetzt weiß ich, dass ich mit solchen Ideen nicht alleine bin;)
    Andere etwas längere Fahrten waren noch Tōkyo- Shimoda auf der Izu-Halbinsel, Tōkyo-Nagoya, Ōsaka-Shirahama in Wakayama (hatten den letzten Anschlusszug verpasst, mussten eine Stunde warten). Ansonsten hatten wir auch mal den Fernbus und ausnahmsweise den Shinkansen benutzt. Der Shinkansen ist so eine Erleichterung, aber für uns auch viel zu teuer.

    • Liebe Stef,

      ich freu mich riesig über deinen Kommentar und dass ich nicht allein mit solchen langen Fahrten bin. Ein Abenteuer sind sie allemal und dann weiß man den Shinkansen erst mal wieder richtig zu schätzen. Zeit ist eben Geld. Das spürt man in dem Moment mal wieder deutlich.
      Viel Glück und viel Spaß bei deinen weiteren langsamen Reisen.

      Liebe Grüße
      Daniela

  2. Meine längste Seereise war 3 Tage – aber auf einem Flussboot. Darf ich fragen, wo und wie du das Ticket bekommen hast und welche Reederei dich mitgenommen hat?

    • Hallo Peter. 3 Tage auf einem Flussboot stelle ich mir aber spannenden vor.

      Ich habe das Ticket damals online gebucht. Damals über die Firma Arimura Sangyo, aber die sind mittlerweile pleite. Über http://www.aline-ferry.com kann man aber noch Tickets buchen (leider eine Webseite.

      Siehe dazu auch meinen Artikel zur Vorbereitung auf die Reise.

      Liebe Grüße
      Daniela

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