Jesus in Japan

Die Legende von Jesus in Japan auf Nipponinsider. Bild: Das Hinweisschild am Grab von Jesus in Shingo/Aomori/Japan

Ein Mann überlebt die Kreuzigung und landet in Japan

Das gibt es doch nicht!
Das glaubt mir kein Mensch!
Darf ich das überhaupt jemandem erzählen?

Da stehe ich zwischen zwei eingezäunten Erdhaufen, mit jeweils einem einfachen Holzkreuz drauf und lese die Geschichte eines Mannes. Aber…das..ist…doch…unser… JESUS.

Jedes Jahr zu Ostern muss ich daran denken, wie ich einst im Sommer 2003 vor dem Grab von Jesus Christus stand: sprachlos, nachdenklich, verwirrt und amüsiert.

Viel war nicht los an dieser „christlichen Pilgerstätte“ Japans. Wir waren ganz allein, es dämmerte schon und irgendwie war mir unwohl, das Grab zu fotografieren. Ich tat es trotzdem, und was soll ich dir sagen: die Kamera fiel mir plötzlich aus der Hand und war kaputt. Noch immer schaudert mir bei dem Gedanken daran. In Tohoku glaubt man fest an die Geister der Toten. War das jetzt der heilige Geist Christi, der mir meine neue Casio Digitalkamera aus der Hand warf?

Ganz anders damals am Grabtuch von Christus in Turin.  Da war was los: reihenweise Touristenbusse. Es ging in einer langen Schlange langsam auf das Tuch zu, kurz drauf geschaut und das war es. Fotografieren war streng verboten. Den Geist habe ich dort nicht gespürt, als ich auf das Tuch starrte, das mich eher an ein indisches Batik-Tuch erinnerte.

Den Kelch vom letzten Abendmahl in Valencia habe ich auch nur sehr kurz zu Gesicht bekommen. Es wurde schrecklich gedrängelt in der Schlange, gar nicht christlich oder fromm ging es da zu. Fotos waren auch hier nicht erlaubt.

Und jetzt das Grab Christi in Japan, versteckt in einem Wald im Norden Japans. Eigentlich ganz nett. Nicht so überlaufen.

Shingo traut sich was

Abgefahrene Geschichte! Bewiesen ist hier nichts, das will gleich mal anmerken.

Das kleine Dorf Shingo liegt in der Präfektur Aomori, im Norden der Hauptinsel Japans (Honshu) und ca. 700 km nördlich von Tokyo. Knapp 3000 Einwohner hat das ländliche Shingo. Darunter ein Nachfahre von Jesus. Der fand vor dem 2. Weltkrieg in seinem Haus zufällig das„Testament Christi“ / Kirisuto no yuigonsho キリストの遺言書. Nichts aufregendes oder weltbewegendes wie das Alte oder das Neue Testament der Bibel. Hier stand einfach nur geschrieben, wie Jesus nach Japan kam.

Das Original-Schreiben ist dann leider im Krieg zerstört worden, aber es gab vorher glücklicherweise noch eine Abschrift ins moderne Japanisch.

Die Geschichte von Jesus in Japan

Laut der mir bekannten Ostergeschichte soll Jesus Christus etwa 33 Jahre gewesen sein, als er gekreuzigt wurde. Jetzt lese ich hier in einem abgelegenen Ort in Japan, dass das alles ganz anders abgelaufen ist.

Bevor er mit 33 nach Judäa zurückkehrte, studierte Jesus 12 Jahre lang in Japan. In der Nähe vom Fuji-San ging es bei seinen Studien um östliche Kultur und Religionen. Auch soll er in den Jahren Japanisch schreiben, lesen und fließend sprechen gelernt haben.

In der Tat gibt es in der Bibel keine Aussagen darüber, welche Wunder Jesus im Alter von 21 bis 33 Jahren vollbracht hat. Auch erfährt man nichts über seinen Aufenthaltsort. In Indien erzählt man sich, er sei in den 12 Jahren dort gewesen, die Chinesen behaupten allerdings, Jesus sei nach China gekommen.

Wahrscheinlich haben alle ein bisschen Recht. Gegen eine Weltreise in jungen Jahren spricht ja auch nichts. Kann ich mir bei dem weltoffenen, furchtlosen und immer neugierigen Jesus mit seiner Hands-on-Mentalität ganz gut vorstellen.

Selbst wenn das Reisen damals nicht einfach gewesen sein muss. Mit Fähigkeiten, wie „aus Wasser Wein machen“, konnte sich Jesus sicher auch im Ausland ganz gut „über Wasser halten“.

Ganz genau werden wir wohl nie erfahren, wie, wo und ob sich der junge Jesus Christus ausgetobt hat.

Wir wissen aber, was passierte, als er nach Judäa zurückkehrte. Sowohl ein damaliger Geschichtsschreiber, als auch die vier Evangelisten haben alles für die Nachwelt festgehalten: Pontius Pilatus verurteile Jesus zum Tod am Kreuz. Nichts Ungewöhnliches in jener Zeit. Jemand, der sich „König der Juden“ nennt, war den Menschen damals nicht geheuer.

Laut der Geschichte, die hier in dem Dorf Shingo erzählt wird, ist aber nicht Jesus am Kreuz hingerichtet worden, sondern sein Bruder Isukiri. Der hatte es irgendwie geschafft, sich als Jesus auszugeben.

Jesus selbst hielt es in dem Moment wohl für besser, unterzutauchen. Wieder begab er sich auf eine lange Reise. „…WENT THROUGH THE UPS AND DOWNS OF TRAVEL…“ wie es in der Englischen Übersetzung so schön heißt und kam am Ende wieder nach Japan, mit dem Ohr seines Bruders Isukiri und einer Haarlocke seiner geliebten Mutter Maria im Gepäck.

Wenn man schon einige Jahre wie Jesus in Japan gelebt hat, und sogar die Sprache spricht, dann ist es durchaus nachvollziehbar, dort ein neues Leben zu starten.

In dem abgeschiedenen Dorf Shingo heiratete er eine Japanerin und bekam 3 Töchter. Fortan nannte man ihn Daitenku Taro Jurai. Er lebte ein ruhiges, beschauliches und zurückgezogenes Leben, soweit das in einem Haus mit 4 Frauen möglich ist. Von Wundern in der Zeit ist nichts bekannt.

Jesus wurde 106 Jahre alt und starb laut Spiegel-Redakteur Tiziano Terzani und einem Artikel aus dem Jahre 1990 am 8. April. Wer jetzt denkt, dass Japaner an diesem Tag eine Art Ostern feiern – falsch gedacht. Ohne Auferstehung auch keine Ostern!

Shingo heute

Ostern gibt es in Japan noch nicht. Die Legende von Jesus in Japan ist vielen Menschen selbst in Japan nicht bekannt. Rund 1% der Japaner nennen sich Christen. In Shingo gibt es weder Christen noch eine Kirche, dafür aber ein Jesus-Museum (von April bis November geöffnet), eine Nudelsuppe mit dem Namen Kiristo-Ramen und einen Reiswein mit Namen Kiristo-Sake. 

Jesus in Japan bei Nipponinsider. Bild zeigt das Hinweisschild am Grab von Christus in Shingo/Aomori/Japan

©2003/08 by Daniela. Das letzte Foto bevor mir die Kamera aus der Hand fiel.

Für ein so kleines Dorf sind die beiden Erdhügel ein wahrer Touristenmagnet. Das gibt der Bürgermeister und das Touristenbüro vor Ort auch offen zu. Aber ihre Idee war es nicht.

Der Nachfahre von Jesus hatte sich aufgrund des gefundenen Testaments auf die Suche gemacht, und schon 1935 diese Hügel als Grabstätte Christi oder Kiristo no Haka (キリストの墓) gekennzeichnet. Unter dem zweiten Hügel soll übrigens das Ohr des selbstlosen Isukiri und die Locke der Heiligen Mutter Maria begraben sein.

Jesus in Japan auf Nipponinsider. Bild links: der Erdhügel, uner dem Jesus begraben liegen soll, mit einem einfachen Holzkreuz. Mitte: ich stehe vor dem Schild mit der Legende von Jesus in Japan. Rechtes Bild: Die Geschichte auf Englisch.

©2003/08 by Nipponinsider | Links: das Grab Chrisi | Mitte: Ich | Rechts: Die englische Übersetzung der Geschichte

Was hält der Vatikan oder Israel von der ganzen Geschichte?

Äußerungen des Papstes habe ich bisher noch keine gefunden. Wahrscheinlich erreichen ihn täglich neue absurde, amüsante oder kuriose Geschichten aus der ganzen Welt.

Der Israelische Botschafter besuchte 2004 die Gräber in Shingo und brachte ein kleines Schild in Hebräischer Schrift an. Ihm ging es dabei aber um die Städtefreundschaft zwischen Shingo und Jerusalem.

Die Legende von Jesus in Japan ist, was es ist: Eine Legende.
Ich mag solche Geschichten und erzähle sie gerne.

Natürlich war ich nicht die Einzige, die in den kleinen Ort Shingo in die Präfektur Aomori kam. Einen sehr ausführlichen Reisebericht gibt es HIER vom Japanologen Dr. phil. Maik Hendrik Sprotte.

Willst du dir das alles mal selbst anschauen?

Möglich ist das von April bis November: Von Tokyo aus mit dem Shinkansen Hayabusa 新幹線はやぶさ geht es in weniger als 3 Stunden nach Hachinohe 八戸市. Weiter mit dem Nambu Bus nach Gonohe 五戸町 und von hier mit dem Shingo Town Bus oder wahlweise mit dem Taxi nach Shingo Mura 新郷村. Das Grab Christi ist von der einzigen Hauptstraße, der Route 454, aus leicht zu erreichen und auch auf Englisch ausgeschildert. Einfach auf eine Schwarz-Weiß-Abbildung mit 2 Kreuzen achten!

Alternativ empfehle ich dir einen Mietwagen. Damit kannst du problemlos die vielen anderen Schönheiten Aomoris entdecken. Aomori ist toll, noch unentdeckt bei vielen westlichen Touristen und es gibt unglaublich leckeres Essen. Jesus hatte schon seine guten Gründe für Aomori als Altersruhesitz.

Den Artikel „100 Dinge, die du unbedingt in Aomori tun solltest“ habe ich in meinem Redaktionsplan bereits fest eingeplant und schreibe schon fleißig daran. Bis zur Veröffentlichung kann es aber noch etwas dauern.

Willst du informiert werden, wenn der Artikel soweit ist, dann schreib einfach eine Mail an info@nipponinsider.de mit dem Betreff „Aomori“.
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Kennst du andere Legenden, die dich sprachlos, verwirrt oder einfach zum Lächeln gebracht haben? Dann schreib sie doch unten in das Kommentarfeld!

9 Kommentare

  1. Vielen Dank für die Verlinkung. Das ist wirklich eine interessante Geschichte (mit einem ernsten Hintergrund unter dem Stichwort „Japanisierung des Christentums“). Auf der Noto-Halbinsel gibt es – dazu passend – übrigens noch ein Moses-Grab. Da war ich im vergangenen Jahr, aber der Bericht dazu braucht noch etwas Zeit.

    • Lieber Maik,
      das Moses-Grab auf der Noto-Halbinsel? Das hab ich nicht gewusst. Auch spannend. Da werde ich deine Seite wohl weiterhin im Auge behalten müssen.
      Gut dass du den ernsten Hintergrund „Japanisierung des Christentums“ ansprichst. Ein Grund, warum ich dich hier in meinem Artikel verlinkt habe, ist, um den wissenschaftlichen Hintergrund zu liefern. Da muss ich selbst leider passen. Es geht mir in erster Linie um das reine Erlebnis vor Ort. Aber natürlich steckt noch sehr viel mehr dahinter. Dein Text liefert da viele gute Informationen.
      Liebe Grüße,
      Daniela

  2. Hallo Daniela,
    Einen schönen Artikel hast du verfaast. Ich bin zwar selbst in Japan gewesen, aber bin eher auf Temple und Co gestossen. Vielleicht kann ich jemanden fragen,der eine Legende zum Thema verfasst hat.

    Liebe Gruesse,
    Alexandra.

    • Liebe Alexandra,
      Vielen Dank für die netten Worte. Ja, immer her mit neuen Legenden.

      LG aus Berlin, Daniela

  3. 🙂 bin gerade von deinem Kommentar auf dem Affenblog auf deine Seite gekommen. Toll! Nette Geschichte und deinen blog mag ich auch. Diese Schriftzeichen faszinieren mich. Vielleicht kannst du mir eine einfache App für Anfängerinnen auf dem Handy nennen? Dann wäre mein Tag endgültig gerettet! Ich würde mich über einen Tipp wirklich sehr freuen!
    LG aus Belgien, Kaba

    • Vielen Dank für das Kompliment und schön das es dir gefällt.

      Wenn es darum geht, die Schriftzeichen lesen zu können, dann ist die Google Übersetzer App ein absolutes Muss. Einfach Foto machen und man erhält die Übersetzung.

      Was Kanjitraining für Anfänger angeht, muss ich mich kurz mal umhören. Als ich angefangen habe, Japanisch zu lernen, gab es noch keine Apps oder Smartphones 😉 Ich werde das ergänzen, sobald ich mehr herausgefunden habe.
      Liebe Grüße aus Berlin nach Belgien.
      Daniela

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